07.02.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Aussiedlerpfarrer Reinhard Böttcher in Gottesdienst verabschiedet Auf Menschen eingelassen

Als "überzeugten Netzwerker und Grenzgänger" haben nicht nur die evangelischen Christen im Dekanat Sulzbach-Rosenberg Reinhard Böttcher erlebt. Viele Jahre hat er sich intensiv um russische Aussiedler gekümmert und den Dialog mit anderen Religionen gesucht. Jetzt geht er in den Ruhestand.

Der Chor Kalinka gestaltete zu Ehren Böttchers den Gottesdienst mit. Bilder: Dobler (2)
von Thomas Dobler Kontakt Profil

Abschied nahm er in einem Gottesdienst in der Christuskirche, den auch Landrat Richard Reisinger mitfeierte, und bei einem Empfang, dessen Teilnehmer dem scheidenden Pfarrer noch einmal versicherten, welche wertvollen Dienste er seit zehn Jahren als Theologe im Sonderdienst für das ganze Dekanat geleistet habe. Dazu gehörte neben der Mitarbeit im Pfarrkapitel und der personellen Aushilfe in den Kirchengemeinden besonders die Aussiedlerarbeit und die Aufgabe des theologischen Referenten des Evangelischen Bildungswerks, dessen Büro in Amberg ist.

Der Gottesdienst mit der Entpflichtung des Pfarrers durch Dekan Karlhermann Schötz wurde von zwei russlanddeutschen Gruppen mitgestaltet. Der Tanzkreis "Von Fremden zu Freunden" lobte Gott im Altarraum mit einer Choreographie tänzerischer Schritte. Der Chor Kalinka trug ein Kirchenlied vor und, auf besondere Bitte Böttchers, das namensgebende, weltbekannte Volkslied "Kalinka".

In seiner sehr engagierten Predigt erhob Böttcher Widerspruch gegen die "Logik des globalisierten Kapitalismus" und plädierte für gleiche Rechte und Chancen der Menschen weltweit. Böttcher sah hier auch die Kirche in der Pflicht. "Sie gehört in die Zugluft säkularer Öffentlichkeit", forderte er.

Der internationale Blick des Pfarrers hatte nicht nur mit seiner Aussiedlerarbeit zu tun. Wie zu hören war, ist der heute 68-Jährige mit vielen weltweiten Erfahrungen im Gepäck vor zehn Jahren nach Sulzbach-Rosenberg gekommen. Der gebürtige Schweinfurter hat unter anderem viele Jahre in Papua-Neuguinea verbracht und war auch eine längere Zeit im Sekretariat des Lutherischen Weltbundes in Genf beschäftigt. Gelobt wurde im Rückblick "seine Hilfsbereitschaft auch in kleinen Dingen".

Im Beisein zahlreicher Vertreter der russlanddeutschen Gemeinde, von Haupt- und Ehrenamtlichen aus dem Dekanat und anderen Bereichen der evangelischen Kirche, von Repräsentanten kirchlicher und weltlicher Bildungsträger sowie von einer Delegation der türkisch-islamischen Gemeinde, gab es beim Empfang zahlreiche Grußworte zu hören. Für das Pfarrkapitel nannte Pfarrer Roland Böhmländer seinen scheidenden Kollegen "einen manchmal unbequemen Mahner", für den russlanddeutschen Frauentreff "Die Brücke" zeigte sich Yaroslawa Khotenok "zutiefst dankbar für die jahrelange Begleitung". Die beiden Aussiedlerpfarrer Markus Herrgen und Sabine Arnold von der Nürnberger "Sinn-Stiftung" fanden es "faszinierend, wie du dich auf die Menschen eingelassen hast". Besonders persönliche Worte fand Siegfried Kratzer als Vorsitzender des EBW, der Böttcher aus der 68er-Bewegung hervorgegangen sah und ihn als "vorbildlich und selbstlos" charakterisierte. "Ich schaue zurück in Freude und Dank und blicke nach vorne in Zuversicht und Hoffnung", gab Böttcher am Ende den Gästen mit auf den Weg.

Sie gehört in die Zugluft säkularer Öffentlichkeit.Reinhard Böttcher nimmt die Kirche in die Pflicht

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