27.04.2018 - 16:34 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

BC Sulzbach-Rosenberg tritt wieder zum Kampf an Idole aus der Box-Hochburg

Hier regiert nicht die Haudrauf-Mentalität eines Rocky Balboa. Hier sind Fitness, Köpfchen und Kondition gefragt. Seit 1983 ist der damals neugegründete Boxclub diesen Prinzipien treu. Doch seine Tradition wurzelt tiefer, seine Kämpfe sind legendär. Etliche Meistertitel festigen den Ruf der Herzogstadt als Box-Hochburg.

von Andreas Royer Kontakt Profil

In den vergangenen 35 Jahren machten die hiesigen Boxer immer wieder mit vorbildlicher Trainingsarbeit und interessanten Kämpfen von sich reden. Vor allem auch mit den bei der Bevölkerung beliebten Vergleichskämpfen, die im großen Bierzelt anlässlich der Frühlingsfeste über die Bühne gehen. In diesem Jahr ist es nun wieder so weit, der BC Sulzbach tritt am Samstag, 5. Mai, um 15 Uhr am Dultplatz gegen die Staffel des BC Weißenburg an.

Die erfolgreiche Entwicklung ist natürlich eng mit den Gründervätern verknüpft. Beim Gespräch mit den Vereinsvertretern Gottfried Weber und Manfred Pickel wird weit in der Vereinshistorie zurückgeblättert. Urgestein Klaus Steger öffnete sogar sein privates Fotoalbum.

Doch der Reihe nach: Als "Vater des Boxsports in der Herzogstadt gilt der aus Brünn (Südmähren) stammende Josef Stöckl, der mit seinen drei Brüdern einen Boxclub unter dem Namen Spielvereinigung Su.-Ro." gründete. Mit 18 Jahren hatte er sich bereits den tschechischen Meistertitel erkämpft; auch sein Bruder Franz war tschechischer Meister und Träger des goldenen Gürtels. "Unter derartigen Voraussetzungen war es nicht verwunderlich, dass sich Sulzbach-Rosenberg zu einer Box-Hochburg entwickelte", ergänzt der aktuelle 2. Vorsitzende Gottfried Weber.

Bald darauf schlossen sich die Faustkämpfer dem TV 1863 Sulzbach an, dem sie bis 1979 angehörten. 1980 gründeten sie den FSC Sulzbach-Rosenberg, von dem sie sich laut Club-Chronik nach drei Jahren die Boxer als BC Sulzbach-Rosenberg abspalteten.

Voller Stolz erzählt die Runde beim Pressegespräch von den zahlreichen Erfolgen der Sportler, die unter Spartenleiter Fritz Nägerl zu besonderer Blüte kamen: Siegward Stegers Erfolge im Kampf um die Deutsche Meisterschaft, Horst Koschemanns und Horst Stegers Kampf um den gleichen Titel, oder die bayerischen Meistertitel von Franz und Karl Meier zählen nach Ansicht der Vereinsvertreter sogar mehrfach, wenn man die starke Besetzung des Bewerberfeldes zur damaligen Zeit berücksichtigt. "Auch als Mannschaft waren die Boxer aus der Herzogstadt in ganz Deutschland und darüber hinaus bekannt. Respekt zollten unter anderem die Spitzen-Staffeln aus Rosenheim und Berlin oder von Bayer Leverkusen. Siegward Steger, Horst Koschemann und Wilfried Schötz boxten in der deutschen Auswahlstaffel", merkte Manfred Pickel an.

Weitere bekannte Namen der Ära vor Fritz Nägerl kommen mit den BC-Spartenleitern Jakob Strobel, Gerd Binn, Hans Römer, Gustl Kratzlik, Sepp Stöckl und Karl Winkler zur Sprache. Letzterer bekleidete früher auch das Amt des Sulzbach-Rosenberger Landrats. Nach Fritz Nägerl übernahm dann Horst Geister den neugegründeten FSC, bis ihn Klaus Steger 1983 als Trainer und Vorsitzender des BC Sulzbach-Rosenberg ablöste.

Mittlerweile führt Mike Meyer den Boxclub, der zum lizensierten Trainerstab zählt. "Wir legen bei unseren Trainingsabenden sehr viel Wert auf den Breitensport-Charakter, der auch Nicht-Boxer zu mehr Fitness und Bewegung bringt", betont Gottfried Weber. Das Training besuchen rund 30 Sportler, der jüngste ist 9 Jahre alt, der älteste 73 (Klaus Steger). Verstärkt kümmert sich der BC auch um die Integration von Migranten und die Nachwuchsarbeit allgemein, was in der Öffentlichkeit großen Anklang findet. Zum Thema

Boxkampf im Festzelt

Fans können es kaum erwarten, bis die Glocke den ersten Kampf freigibt: Beim Frühlingsfest wird die lange Tradition der Vergleichskämpfe des Boxclubs Sulzbach-Rosenberg fortgesetzt. Nach zweijähriger Abstinenz steigen die Faustkämpfer wieder einmal in den Ring im Festzelt.

Am Samstag, 5. Mai, wird der BC Weißenburg um 15 Uhr seine Visitenkarte am Dultplatz abgeben. Die Spanne der Klassen reicht vom Feder- bis zum Superschwergewicht. Angepeilt werden von den Verantwortlichen insgesamt zwölf Kämpfe, die teils auch Eigengewächse des BC bestreiten. Unterstützt wird der Club auch von befreundeten Vereinen. Geboxt werden jeweils drei Runden à drei Minuten. Ringsprecher ist als Boxexperte erneut Altbürgermeister Gerd Geismann. Die hiesigen Boxer um die Aushängeschilder Klaus Steger und Gottfried Weber, Organisator Manfred Pickel und Vorsitzenden Mike Meyer freuen sich auf viele Zuschauer. Ein großer Dank gilt schon vorab allen Sponsoren, die ein solches Ereignis erst möglich machen. Der Eintritt kostet fünf Euro, Kinder bis zwölf Jahre sind frei. (oy)

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Ei mit Rotwein vor dem Kampf

Sulzbach-Rosenberg. (oy) Jeder Verein lebt von seinen "Säulen". Beim Boxclub Sulzbach-Rosenberg sind dies die Gründungsmitglieder und Vereinsidealisten Klaus Steger (Trainer seit 1968), Gottfried Weber (seit 1968 dabei) und Manfred Pickel (gehört seit 1970 zum BC). Die größten Erfolge des Vereins waren drei Deutsche Meistertitel von Siegward Steger, die Nato-Meisterschaft von Klaus Steger sowie die Deutschen Meistertitel bei den Junioren von Richard Herbst und Horst Steger. Wie Weber, Pickel und Steger beim Pressegespräch informierten, liegt das Hauptaugenmerk sicherlich beim Boxen, aber die Trainer kümmern sich auch um den Breitensport. "Bei uns wird eigentlich für jedes Alter etwas geboten. Anfänger werden behutsam an den Boxsport herangeführt. Zuerst kümmern wir uns um die allgemeine Fitness und Ausdauer, danach ums Boxen. Für jeden Bereich gibt es einen Trainer, so ist immer für Abwechslung gesorgt. Schmunzelnd kommen beim Gespräch auch einige Anekdoten zum Vorschein. Wussten Sie schon, dass ...

Gerd Geismann aus Mitleid mit seinem soeben von ihm niedergeschlagenen Gegner weinte?

Gottfried Weber auf ein Ei mit Rotwein und Traubenzucker vor dem Wettkampf schwört?

Klaus Steger in seinem Keller täglich lasten im Gesamtgewicht von einigen Tonnen wuchtet, damit auch heute noch keiner gegen ihn ankommt?

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