BePo-Projektgruppe steuert Uniform_Verteilung in Bayern
Wo alle Fäden zusammenlaufen

Eine erfolgreiche Gruppe bilden (von links) Jürgen Pfaffenzeller, Josef Strobl, Karin Erhard und Thomas Scherer: Als "TP 4" sind sie verantwortlich dafür, dass die Uniformen perfekt ausgeliefert werden. Bilder: Gebhardt (2)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
02.12.2016
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Sie durften die neue Uniform schon mal ausprobieren: Madlen von der Saal und Alexander Krammer vom 27. Ausbildungsseminar der Bereitschaftspolizei ganz in Dunkelblau.

Bayerns Polizei wird blau. Seit Freitag sind die ersten neuen Uniformen auf den Straßen zu sehen. Dass jeder Polizist im Freistaat seine persönliche Ausrüstung korrekt erhält, ist maßgeblich das Verdienst einer Truppe aus der Herzogstadt: TP 4 heißt das Projektteam, das in drei Jahren Vorbereitung die Auslieferung perfekt organisierte. Nebeneffekt: Großeinkauf macht's billiger.

"In Sulzbach-Rosenberg laufen alle Fäden zusammen" - diese Aussage der Teilprojektgruppe trifft es genau: Seit Februar 2014 arbeiten Leitender Polizeidirektor Josef Strobl, Polizeiamtsrätin Karin Erhard und die Ersten Polizeihauptkommissare Thomas Scherer und Jürgen Pfaffenzeller im Verein mit wechselnden Spezialisten daran, die neue Dienstkleidung an die Frau bzw. den Mann zu bringen.

Nur 15 Monate

Sie begaben sich dabei durchaus auf fachfremdes Gebiet und wollen die Aktion in 15 Monaten abschließen - andere Länder brauchten für die Umstellung bis zu fünf Jahre bei wesentlich weniger "Kunden".

Aber erzählen wir von Anfang an: Nach dem bayerischen Beschluss, mit 27 500 Polizei- und 5500 Justizbeamten und 30 Millionen Euro Investitionssumme auf den "blauen Zug" der Bundesländer aufzuspringen, bildete sich eine Projektgruppe unter Leitung des Polizeivizepräsidenten Anton Scherl. Das Teilprojekt 4 (Pilotierung/Rollout) übertrug das Ministerium dem Abteilungsführer Sulzbach-Rosenberg, Josef Strobl. Und der machte sich mit seinem Team umgehend an die Arbeit. Aber so wie bisher die Einkleidung funktioniert hat, hätte es nicht geklappt: "Man kann nicht einfach 27 500 Mann in die Kleiderkammer schicken so wie früher", erklärt Strobl. Und das "nach oben" klar zu machen, entpuppte sich als ein schönes Stück Arbeit. Schließlich setzte sich TP 4 aber durch mit dem Vorschlag, einen Vertriebspartner ins Boot zu holen.

Nach zahlreichen Besichtigungen im In- und Ausland fiel die Wahl auf das Logistikzentrum Niedersachsen, einen Staatsbetrieb mit viel Erfahrung. Beide Bundesländer schlossen einen Vertrag, und die Projektgruppe legte los: Sie entwickelte, aufgesetzt auf den Web-Shop des Zentrums, ein eigenes Bestellsystem. Uniform-Schnitte und Größen mussten angepasst werden, was, angelehnt an Österreichs Polizei, ein komplett neues Erscheinungsbild zeigt. Die neue Bestell-Software wird vom Beamten am Computer ausgefüllt mit diversen Körper-Maßen. Sie rechnet selbstständig von der alten auf die neue Kollektion um, kalkuliert Größenabweichungen und macht Vorschläge. Ein Video unterstützt. Ist die Bestellung abgesandt, wird das persönliche Paket im Logistikzentrum in Hannoversch Münden zusammengestellt und versandt - per Postzustellung, Lkw oder im Container, je nach Größe der Polizeidienststelle.

Wer bekommt wann was?

Wer wann was in Bayern bekommt, bestimmt ebenfalls das TP 4: Es verzahnt die Bestellungen der 531 Lieferstellen so, dass in Niedersachsen stets genügend Nachschub an Hosen, Hemden, Jacken, Mützen etc. lagert. Mehr als drei Monate muss niemand warten. 24 Positionen mit 41 Einzelteilen umfasst jedes Paket, 50 Prozent des Anschaffungspreises finanziert der Beamte selbst durch den Kleiderzuschuss.

Ein Probelauf mit bisher 1000 Bestellungen hat wertvolle Erkenntnisse gebracht, alles funktioniert jetzt bestens. Die Reklamationsrate, bei Internet-Händlern oft bis zu 80 Prozent, beträgt gerade mal 2, die Kundenzufriedenheit über 90 Prozentpunkte. Mehr als 2200 Beamte bekommen so pro Monat ihre neue Dienstkleidung. Die Reihenfolge, welche Dienststellen drankommen, legt übrigens jedes Polizeipräsidium selber fest. Um fast alles andere kümmert sich die TP 4-Gruppe, die auch schon beim Design der neuen Kleidung mit beteiligt war. Ebenso ermittelte sie in Zusammenarbeit mit dem Bekleidungsinstitut Hohenstein die passenden Größen für Männer und Frauen und sorgte für einheitlichen Schnitt, der jetzt per CAD-Programm jedem der zahlreichen verschiedenen Hersteller als Arbeitsgrundlage dient.

Wirtschaftlich tragfähig und gut umsetzbar, exakter als das bisherige Kleiderkammer-System und sogar unterm Strich billiger - das neue Konzept hat sich jetzt schon voll bewährt. Sulzbach-Rosenberg steuert bayernweit Bestellung und Verteilung, der "Rollout" beginnt. Ein logistisches Meisterstück.

Beispiel für Bayern - Angemerkt von Joachim GebhardtDa sage noch mal einer, Beamte seien unflexibel: Was die Truppe um Josef Strobl geleistet hat, erkennt man erst anhand der umfangreichen Konzeptarbeit zur Uniform-Verteilung in Bayern. TP 4 entwickelte eine eigene Idee, setzte sie zuerst durch und dann erfolgreich um. Mit dem Logistikzentrum Niedersachsen fand man einen kongenialen Partner, der zuverlässig arbeitet und sogar in neue Lager investierte.

Ob Software zur Bestellung im Internet-Shop, ob Umrechnung von alten in neue Größen, ob Vereinheitlichung der Schnittgrößen bei allen, auch den ausländischen Herstellern, ob Steuerung der Bestellungen - das Arbeitsfeld ist groß. Die Personalausstattung allerdings eher klein. Trotzdem hat das Team in vier Jahren alles perfekt geschultert und sich dadurch hohes Ansehen, nicht nur in Polizeikreisen, erworben.

Nur 15 Monate, bis Juni 2018, sollen genügen, bis 32 500 Dienstkleidungsträger in Bayern komplett beliefert sind. Wenn alle Hersteller funktionieren, wird das auch klappen. Und die BePo in der Herzogstadt als Quelle perfekter Organisation in die Polizeigeschichte eingehen.


Imposante ZahlenWas heißt es, 27 500 Uniformträger der Polizei zu beliefern?

An 531 Lieferstellen gehen insgesamt 1,127 Millionen Artikel

Die Hängeware auf Kleiderbügeln hätte eine Länge von 40 Kilometern

Alle Rollout-Pakete hintereinander ergäben 18,4 Kilometer (Sulzbach - Hirschau)

Aufeinander gestapelt wären sie 8,8 Kilometer hoch

Ihr Gesamtgewicht liegt bei 426 Tonnen, das sind 71 Elefanten

Insgesamt beanspruchen die Pakete 1965 Paletten, das sind 183 Lkw. (ge)


Man kann nicht einfach 27 500 Mann in die Kleiderkammer schicken so wie früherJosef Strobl
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