16.03.2018 - 18:34 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Besonderes Wirtshaus in Eberhardsbühl Genf intern mit Trödel und Raritäten

Manchmal fragen Leute die Wirtin: "Ist das hier das Museum?" Dann schickt sie Barbara Kugler zwei Häuser weiter auf den Goglhof. Die Frage ist berechtigt, denn neben dem Freilandmuseum in Eberhardsbühl strotzt auch das Wirtshaus vor Vergangenheit und Tradition. Und es hat einen Namen, der Rätsel aufgibt.

Kaum Platz für Gemüseanbau: auch der Bauerngarten ist dekoriert
von Helga KammProfil

Eberhardsbühl. "Genf intern", welch ein Name für ein Dorfwirtshaus! Karl Kugler und seine Frau wissen nur, dass dieser schon vor ihrer Zeit, mindestens in den 1930er-Jahren, vergeben worden ist. Während andere Dorfwirte ihre Häuser nach Rössern, Bären oder Schwänen benannten, waren es in Eberhardsbühl angeblich Gäste, die den Namen ihres Wirtshauses erfunden haben. Die Kuglers kennen die Version, dass in alter Zeit Bauern, Knechte, Tagelöhner und auch Bettler wöchentlich in ihrem Gasthaus zusammensaßen, tranken und auch über die Weltpolitik diskutierten. Nach den auch damals wohl schon politischen Konferenzen in Genf nannten sie ihre Zusammenkünfte "Genf intern". Der Name ist dem Wirtshaus geblieben.

"Glump" vom Dachboden

Die heutigen Wirtsleute Karl und Barbara Kugler wissen, dass es eine Familie Hufnagel gab, die 1902 im Besitz des Hofes war, der vom Großvater Bartholomäus Kugler 1907 übernommen und 1933 an Karl Kugler weitergegeben wurde. Die heutigen Besitzer Karl und Barbara Kugler haben 1968 geheiratet, vier Kinder großgezogen, und in den 1970er-Jahren den Hof übernommen. In dem Haus leben heute Sohn Markus, Schwiegertochter Martina, die Enkelinnen Mara und Malina, die alte pflegebedürftige Mutter mit 96, Hündin Micka und die Katzen Minze und Peterle.

Das ursprüngliche Wohnhaus gibt es natürlich nicht mehr, auch nicht den Backofen, den Hopfengarten, den Gras- und Baumgarten hinter der Scheune, das Taglöhnerhäusl und die "oberes Lohfleckl" genannte Wiese. Wohl aber gibt es noch Stadel, Ställe und die dem Wirtshaus gegenüberliegende Altane. Sie ist schon ein wenig brüchig, aber durchaus malerisch, stammt mit Sicherheit aus der Eberhardsbühler Hofmark-Zeit, vermutlich aus dem 16. Jahrhundert.

Bei diesem Relikt aus der Vergangenheit des Gehöftes setzt an, was das heutige Dorfwirtshaus zu etwas Besonderem macht: eine riesige Sammlung alter Zier- und Gebrauchsgegenstände, von Trödel und Sperrmüll über Raritäten bis hin zu echten Antiquitäten. Angefangen hat es vor rund 25 Jahren mit einem alten Schrank der Schwiegermutter. Er stand auf dem Dachboden, es war der Wurm drin, also musste er nach draußen. Wirtin Barbara Kugler lehnte ihn an eine Stadelwand, fand ihn aber "zu nackert". Also begann sie, alte Teller, Kaffee- und Teetassen, Milchtöpfe und Kaffeekannen, die keiner mehr haben wollte, hineinzustellen. Und wie es so geht, taten Nachbarn das Ihrige dazu. Auf Dachböden und Stadeln entdeckte man längst vergessene Möbel, altes Werkzeug, bäuerliche Geräte, Geschirr und vieles andere "Glump".

Barbara Kugler konnte nicht alles gebrauchen, aber vieles. Heute sind es wohl an die tausend Gegenstände, die nicht nur an der geschichtsträchtigen Altane ausgestellt sind, sondern rundum an Stadeln, Ställen und Schupfen. All die Sachen stammen aus längst vergangener Zeit: die irdenen Töpfe und das Email-Geschirr von der Firma Baumann, die Karbidlampen und Laternen, die Guglhupf-Formen, das Backbrett, das Nudelholz und das Butterfass, von dem der Besitzer meinte, es sei eine hölzerne Waschtrommel.

Deko nach Jahreszeit

Im umzäunten Bauerngarten sind Findlinge, Eimer, Gummistiefel, ein alter Stuhl, ein Odelfass und eine Zinkbadewanne Hingucker. Auf "grad noch zwei Beete für das Gemüse", zeigt Barbara Kugler, alles andere ist besetzt von ihren Raritäten. Vor dem Eingang zum Wirtshaus fallen Wurzelstöcke, bewachsen mit Schwämmen, auf. An der Hauswand lehnen dekorative Baumscheiben, die sie schon oft hätte verkaufen können. Drinnen im Wirtshaus werden die Dinge ausgestellt, die vor dem Wetter geschützt werden müssen. "Vieles hätt' ich schon verkaufen können", erzählt die Sammlerin, "oft für viel Geld, aber so lang ich leb, geb ich nix her".

Dreimal im Jahr dekoriert die Wirtin neu, im Advent, an Ostern und im Herbst. Dann sind auch Mann und Sohn gefragt, müssen mit anfassen, tragen, sägen, aufstellen. "Manchmal ein wenig ungern", geben sie zu, zeigen aber Verständnis für die Leidenschaft der Frau und Mutter. "Immer wieder, wenn Zeit ist", sagt Barbara Kugler, geht sie für ein paar Stunden hinaus und gibt ihrer Sammlung das jahreszeitlich entsprechende Gesicht. "Das kann schon zwei bis drei Wochen dauern".

Da trifft es sich gut, dass die große Wirtshauszeit des "Genf intern" vorbei ist. Wie überall auf dem Land bleiben auch hier die Gäste mehr und mehr aus. "Für ein Bier oder eine Brotzeit langt es aber immer noch", sagt der Wirt. Ein gutes Miteinander gibt es mit dem benachbarten Freilandmuseum Goglhof. "Nach dem Heimatabend trinken manche noch ein Bier bei uns", freut sich Barbara Kugler, die, so oft es ihre Zeit erlaubt, auch Gast ist in der alten Stube. Wenn dann im Sommer dort gefeiert wird, ist ihre Hilfe gefragt: Sie liefert Getränke und bringt belegte Brote.

Dass aus dem Hof von etwa 1830 mit dem Hausnamen Beim Wirth etwa 100 Jahre später einmal "Genf intern" werden und wiederum viele Jahre später eine Wirtin Freude und Erholung beim Dekorieren mit alten Sachen finden würde, ist die besondere Geschichte in der großen Vergangenheit eines kleinen Dorfes.

Vieles hätt' ich schon verkaufen können, oft für viel Geld.Wirtin Barbara Kugler

Geschichte

Bereits um 1830 war der Hof in Eberhardsbühl, Nummer 8, mit dem Beinamen "Beim Wirth" die "Rest-Kanzley" eines vormaligen Hofmark-Verwalters, und zwar noch vor und während der Zeit des Pfalzgrafen Christian August von Sulzbach. Aus Dokumenten im Staatsarchiv Amberg geht hervor, dass Eberhardsbühl eine Hofmark im "Wendischen Viertel" des Pfalzgrafentums war, nachdem die Sulzbacher Wittelsbacher die im Krieg ausgeplünderten Dörfer um Weißenberg übernommen hatten. (hka)

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