Dekan Karlhermann Schötz feiert 60. Geburtstag
Eine Gnade, keine Pflicht

Gut behütet sollen nach Auffassung von Dekan Karlhermann Schötz - im Bild beim Dekanatskirchenmusiktag im Juli 2017 in der Pfarrgasse - die Gläubigen in seinem Wirkungskreis sein. Ein Wunsch des Kirchenmannes, der sicher auch seinen heutigen 60. Geburtstag überdauert. Bild: cog
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Sulzbach-Rosenberg
13.01.2018
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"Wir sind aufmerksam und setzen Ökumene, wo sie möglich ist, mit einer toleranten Linie gerne um." Zitat: Dekan Karlhermann Schötz zur Ökumene

Auch als gebürtiger Mittelfranke kann man die Oberpfalz ins Herz schließen. Bestes Beispiel dafür ist Dekan Karlhermann Schötz, der hier seit 35 Jahren ein offenes Ohr für den sich doch manchmal etwas rauer gebenden Menschenschlag hat. Was ihm, der heute seinen 60. Geburtstag feiert, aber hier ganz besonders gefällt und was sein Beruf für ihn bedeutet, schilderte er im Gespräch mit der SRZ.

Als Mann Gottes darf Dekan Karlhermann Schötz ein großes Feld bestellen. Sein Zuständigkeitsbereich reicht vom Nürnberger Land bis an die tschechische Grenze. Er ist Ansprechpartner für 20 Pfarreien und 24 Kirchengemeinden mit rund 38 000 Evangelischen. Seit November 2003 wirkt er im "heiligen Bezirk" der Herzogstadt, davor galt sein Engagement der Kirchengemeinde Flossenbürg, wo er den Gläubigen über 18 Jahre Begleiter in allen Lebenslagen war.

SRZ: Herr Dekan Schötz, messen Sie Ihrem 60. Geburtstag eine besondere Bedeutung zu?

Karlhermann Schötz: Sicher werde ich dieses Ereignis nicht überbewerten, aber ich bin schon sehr dankbar, dass sich diesen Ehrentag gesund erleben darf, und hoffe natürlich auch, dass mir noch einige Jahre bevorstehen. Dies schon alleine aus dem Grund, weil mir die Kontakte mit den Menschen so wichtig sind. Ja, und noch was (lacht), jetzt darf ich schon die Senioren-Ermäßigung der Deutschen Bahn in Anspruch nehmen.

Gab es für Sie eventuell ein Schlüsselerlebnis, das Sie veranlasste, die Laufbahn eines evangelischen Pfarrers einzuschlagen?

Nein, eigentlich nicht. Ich stamme aus einer protestantisch geprägten Gegend aus dem Dorf Oberhaidelbach bei Leinburg, bin später aufs Leibniz-Gymnasium in Altdorf gewechselt und habe mich schon früh in der evangelischen Jugendarbeit engagiert. So konnte ich mir schon bald die Aufnahme eines Studiums in evangelischer Theologie vorstellen, das ich dann in Erlangen und Wien absolvierte. Das waren sehr prägende Jahre für mich, weil ich in der Donaumetropole in einem katholischen Kloster wohnte und in der Großstadt auch vielfältige Erfahrungen mit dem orthodoxen Glauben sammelte.

Also wuchsen Sie peu à peu in den Pfarrer-Beruf hinein?

Meine Auffassung von Karriere ist sowieso eher in der Breite angelegt, es muss nicht steil nach oben gehen. Deshalb war mir auch die pastorale Ausbildung wichtig, da hier der Kontakt mit Menschen entscheidend ist. Sicher bin ich auch mit Verwaltung und Organisation beschäftigt, aber letztlich hat mein Beruf - und da halte ich es auch mit Dietrich Bonhoeffer - mit der Verbreitung der guten evangelischen Botschaft der Freiheit, Freude und Erfüllung zu tun. Dafür arbeiten zu können, ist schon eine Gnade, keine Pflicht.

Sie haben Bonhoeffer angesprochen, der im April 1945 in Flossenbürg hingerichtet wurde. Sie wirkten dort 18 Jahre lang als Pfarrer, was verbinden Sie mit diesem Ort?

Mit der Betreuung der KZ-Gedenkstätte hatte ich als Pfarrer eine Sonderstelle. Diese Arbeit ist für mich äußerst wichtig, und muss sehr ernst genommen werden. Es bedeutet immer eine große Verantwortung, sich nicht zu verschließen vor der Tatsache, was Menschen anderen Menschen Schreckliches antun können. Aus diesem Grund bin ich auch Vorsitzender des Fördervereins der Gedenkstätte. Dieser Ort der Vergangenheit gehört zu uns als Mahnung. Aus einem Ort des Schreckens ist ein Ort der Versöhnung geworden. Und die Alten spüren, dass die Jüngeren das Erbe in die Zukunft tragen.

In der alten Herzogstadt Sulzbach-Rosenberg steht der Toleranz-Begriff ganz hoch im Kurs. Eigentlich der Schlüssel für Ökumene?

Mir ist natürlich sehr wohl bewusst, welchen Stellenwert die Ökumene hier und auch im Dekanat hat. Ich denke, dass die gute und unmittelbare Nachbarschaft zwischen katholischer und evangelischer Gemeinde sicher zur großen Dialogbereitschaft beiträgt. Ein gutes Klima zwischen den Konfessionen ist die Konsequenz. Wir sind aufmerksam und setzen Ökumene, wo sie möglich ist, mit einer toleranten Linie gerne um. Positive Impulse hat es ja auch beim Reformationsjubiläum gegeben. Ökumene beim Annabergfest, ein katholischer Prediger am Reformationstag oder eine ökumenische Romfahrt sind eindeutige Beispiele dafür.

Können Sie sich Ihren Wirkungskreis in Sulzbach-Rosenberg bis zum Rentenalter vorstellen?

Ich habe ja schon mehrfach betont, dass ich im schönsten Dekanat der Landeskirche arbeiten darf, und mit einem Pfarrkapitel und dem Team der Christuskirche gesegnet bin. Außerdem darf ich im schönsten Beruf als Pfarrer arbeiten. Somit macht es wenig Sinn, nach einem anderen Wirkungskreis Ausschau zu halten.

Zum Abschluss die Frage nach dem privaten Umfeld als Kraftquelle. Verraten Sie uns dazu etwas?

Klar, seit über 41 Jahren bin ich nun schon mit meiner früheren Freundin Heidrun zusammen - das Beste, was mir je passieren konnte. Dazu gehören zwei erwachsene Kinder Katharina und Hans sowie ganz aktuell die Enkeltochter Rosa Eloise. Sie alle haben meinen Beruf immer unterstützt, mir geholfen, mitgearbeitet und gehören so ganz eng zu mir.

Wir sind aufmerksam und setzen Ökumene, wo sie möglich ist, mit einer toleranten Linie gerne um.Dekan Karlhermann Schötz zur Ökumene
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