18.03.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

DGB im Gespräch mit Betriebsräten der Region Werkzeug Betriebsrat nutzen

In Betrieben ohne Betriebsräte und ohne Tarifbindung sind die betrieblichen Verhältnisse für Beschäftigte meist schlechter als in anderen Firmen. Darüber zeigen sich Betriebsräte einig. Der DGB gibt ihnen recht. Auch die Praxis unterstreicht diese Aussage.

Die Zusammenarbeit intensivieren wollen der DGB-Kreisvorstand und Betriebsräte: Von links Horst Dräger, Bernhard Dietl, Herbert Hartmann, Wolfgang Berndt, Peter Hofmann, Josef Biller, Thomas Sommer, Manfred Schwinger, Karl-Heinz König und Petra Schilling. Bild: gac
von Wolfgang BerndtProfil

Im Betriebsverfassungsgesetz ist festgelegt, dass in Betrieben mit fünf ständigen Beschäftigten, von denen drei wählbar sind, ein Betriebsrat zu wählen ist - "nicht, dass er nur gewählt werden kann". Trotzdem gebe es eine Reihe von Betrieben, meist kleinere Firmen, in denen die Wahl eines solches Gremiums nicht stattfinde. Gute Gründe für den DGB-Kreisverband Amberg-Sulzbach, Betriebsräte zu einem Pressegespräch in den Gasthof Sperber einzuladen, um über ihre Erfahrungen zu berichten.

DGB-Kandidaten nehmen

"Zwar sind Wahlen nicht alles, doch jeder Arbeitnehmer sollte von seinem Recht Gebrauch machen, bei den Wahlen, die in diesem Jahr bundesweit von März bis Mai stattfinden, einen Betriebsrat seines Vertrauens zu bestimmen, der in wichtigen Fragen ein Mitbestimmungs- oder Mitwirkungsrecht hat", betonte DGB-Kreisvorsitzender Wolfgang Berndt. Allerdings sollten sich die Wähler für die Kandidaten einer DGB-Gewerkschaft entscheiden, denn nur wenn hinter einem Betriebsrat auch eine starke Gewerkschaft stehe, bestehe die Chance, mit der Geschäftsleitung auf gleicher Ebene zu verhandeln. Auch mit dem Bildungsangebot zum Betriebsverfassungsgesetz und Rechtsschutz bei gerichtlichen Auseinandersetzungen unterstützten DGB und Mitgliedsgewerkschaften die Betriebsräte.

Vor einigen Jahren bestand die Gefahr einer Insolvenz für das Rohrwerk Maxhütte, schilderte dessen Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz König. Aus diesem Grund habe man zusammen mit der IG Metall einen Sanierungstarifvertrag abgeschlossen, der mit finanziellen Einbußen für die Beschäftigten verbunden war. Auf der anderen Seite aber verpflichtete sich das Rohrwerk, Investitionen zu tätigen, was teilweise bereits umgesetzt wurde, um das Überleben des Betriebes zu sichern.

Position wird gestärkt

Da das Rohrwerk mit 450 Arbeitnehmern kaum Chancen besitze, sich im Haifischbecken des Stahlmarktes zu behaupten, habe man die Entscheidung des Eigentümers begrüßt, das Rohrwerk in die Max-Aicher-Gruppe mit einer Belegschaft von rund 4000 einzubinden. Je mehr Beschäftigte sich in der IG Metall organisieren und je höher die Beteiligung bei den Wahlen sei, desto besser sei der Betriebsrat in der Lage, mit der Geschäftsleitung zu verhandeln.

Inklusive der Zeitarbeitnehmer arbeiten derzeit über 1250 Beschäftigte am Standort Sulzbach-Rosenberg der Firma Leonhard Kurz, informierte der dortige Betriebsratsvorsitzende Thomas Sommer. Neben diesem Standort sei die Firma weltweit vertreten, wobei der Hauptsitz sich in Fürth befindet. Neben der Bewältigung anderen Aufgaben, wie der Durchsetzung des Tarifvertrages, wirke der Betriebsrat dafür, dass bei den verschiedenen Schichtmodellen so weit wie möglich die individuellen Wünsche der Arbeitnehmer berücksichtigt werden. Freizeit werde immer wichtiger als die Bezahlung.

Auch in Krisenzeiten

Vieles konnte erreicht werden, weil der Betriebsrat mit der Geschäfts- und Unternehmensleitung gut ausgekommen sei. Dies bedeute aber nicht, das man zu allem Ja und Amen gesagt habe, erläuterte Thomas Sommer. Dies galt nicht nur für wirtschaftliche Hoch-, sondern auch für Krisenzeiten, die gemeinsam bewältigt wurden. Das Interesse an den Betriebsratswahlen sei groß, denn für die 15 Mandate hätten sich bei der Persönlichkeitswahl 47 Arbeitnehmer beworben.

Ob Industrie- oder Handwerksbetrieb, Arbeitnehmer sollten nicht auf ihr Recht verzichten und sich zahlreich an Betriebsratswahlen beteiligen bzw. diese mit der zuständigen Gewerkschaft einleiten, forderte DGB-Regionssekretär Peter Hofmann auf. "Ist kein Betriebsrat da, entscheidet der Firmeninhaber alleine!"

Streik als Konsequenz

"Derzeit laufen Verhandlungen für einen Flächentarifvertrag für alle Beschäftigten der Deutschen Post AG, Postdienste, Speditionen und Logistik", berichtete der Betriebsrat der Niederlassung Brief Bayreuth, Bernhard Dietl.

Zum Tarifangebot der Post, das neben einer Lohn- und Ausbildungserhöhung auch eine Umwandlung der Lohnerhöhung in Entlastungszeit beinhalte, habe Verdi weder die Annahme noch die Ablehnung empfohlen, weil es neben einigem Licht auch Schatten werfe. Bei einer Mitgliederbefragung hätten die Gewerkschaftsmitglieder die Möglichkeit, sich zu entscheiden - mit der Konsequenz, sich an eventuellen Streikmaßnahmen zu beteiligen.

Der gewerkschaftliche Organisationsgrad beträgt 90 Prozent. Ebenso hoch habe die Beteiligung bei den letzten Betriebsratswahlen gelegen. (bt)

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