08.03.2018 - 13:46 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Endoskopie-Abteilung des St.-Anna-Krankenhauses neu aufgestellt: Perfekter Blick ins Innere

Schlechte Zeiten für Polypen und Geschwüre: Die Endoskopie am St.-Anna-Krankenhaus ist nicht nur auf dem modernsten Stand, sondern hat auch ein neues Gesicht. Hier können Magen, Darm und andere Organe optisch analysiert werden. Und wenn es ganz schwierig wird, dann reist eine kleine Videokapsel durch den Dünndarm.

Das erfahrene Team bei der Arbeit: In der Endoskopie-Abteilung des St.-Anna-Krankenhauses ist nach dem Umzug und der Modernisierung eine neue Ära angebrochen. Die Patienten profitieren von der Investition schon jetzt. Bild: exb
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Mehr Platz, Komfort und Patientensicherheit, höchste Hygienestandards, modernste Medizintechnik bei Darmspiegelungen und Co.: Eine ganze Reihe von Superlativen war bei der Inbetriebnahme der neuen Endoskopie am St.-Anna-Krankenhaus zu hören. Nach mehrmonatiger Modernisierung ist jetzt der Umbau mit zwei Eingriffsräumen sowie einem zentralen Überwachungs- und Aufwachraum fertig. "Die alten Räume waren nicht mehr zeitgemäß, auch wenn es an Ausstattung und medizinischen Qualität grundsätzlich nichts auszusetzen gab", sagt Vincent W. Wanji, Chefarzt der Abteilung für Gastroenterologie.

Bei der laufenden Sanierung des Hauses nimmt die Endoskopie einen wichtigen Platz ein - hat das St.-Anna-Krankenhaus das Projekt doch mit 0,6 Millionen Euro Investitionssumme ganz allein und ohne Zuschuss gestemmt.

Jetzt 450 Quadratmeter

Im neu gestalteten Funktionsbereich sorgt viel Tageslicht auf rund 450 Quadratmetern für angenehme Atmosphäre. Das Team freut sich über "wesentlich bessere Arbeitsbedingungen" am Untersuchungstisch, so der Chefarzt "und mehr Platz" durch flexible Deckenversorgungseinheiten, die alle Geräte tragen. Neu sind auch ein Monitoring zur Überwachung der Patienten sowie Anlagen zur Reinigung, Desinfektion und Lagerung der Endoskope. Der aufwendige Umzug ging bei laufendem Betrieb und an nur einem Wochenende über die Bühne. "Das war eine logistische Herausforderung", berichtet Teamleiter Stephan Wiesneth. Die Waschmaschinen werden jetzt von verschiedenen Räumen aus bestückt. "So kann Verschleppung von Keimen ausgeschlossen werden." In der Endoskopie, so schildert Vorstand Klaus Emmerich, werden Gastroskopien und Koloskopien (Spiegelungen von Magen und Darm) sowie Sonographien (Ultraschall), auch mit Kontrastmittel, ultraschall-gesteuerte Punktionen und Knochenmarkspunktionen vorgenommen. Die Untersuchungsplätze selbst seien mit hochauflösender Bildübertragungstechnik ausgestattet.

"In Kombination mit speziellen elektronischen Farbfilterverfahren können wir Auffälligkeiten besser beurteilen und selbst kleinste Polypen - das sind Krebsvorstufen - im Darm finden und abtragen", erklärt Oberarzt Dr. Carsten Schwab. "In den meisten Fällen können wir größere Polypen direkt während der Endoskopie mit der umliegenden Darmschleimhaut entfernen. Den Patienten bleibt dadurch oft die Operation erspart."

Jetzt mit Kohlendioxid

Eine weitere Neuerung macht die Darmspiegelung für Patienten zudem etwas angenehmer als bisher: Das Team um Chefarzt Wanji verwendet Kohlendioxid statt normaler Luft als Untersuchungsgas. "Das Kohlendioxid verursacht weniger Schmerz, weil es zum Teil über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen und über die Lunge abgeatmet wird. Es verlässt den Darm viel schneller als normale Luft", so Wanji.

Und noch eine Methode kann benutzt werden im St.-Anna-Krankenhaus: Es kommt die sogenannte Videokapsel-Endoskopie zum Einsatz. Hierbei "reist" eine kleine Kapsel nach dem Verschlucken durch den Dünndarm des Patienten. Sie sendet mehrere Bilder pro Sekunde an einen Daten-Recorder. Damit ist es möglich, Veränderungen und Erkrankungen im Dünndarm zu erfassen. Diese Untersuchung kommt aber nur dann in Betracht, wenn alles andere ergebnislos war.

In den neuen Funktionsräumen werden EKG-, Lungenfunktions- sowie Ultraschalluntersuchungen gemacht. "Uns stehen High-End-Ultraschallgeräte zur Verfügung, die sehr genaue Bilder der Bauchorgane und Blutgefäße liefern. Auch Messung der Blutströmung ist möglich", erläutert Funktionsoberarzt MUDr. Tomas Patik. "Wir erreichen hier eine ebenso detaillierte oder noch bessere Darstellung als mit Computer- oder Magnetresonanztomografie."

Diagnosespektrum

Zum bewährten Diagnosespektrum gehört in Zusammenarbeit mit den Kardiologen auch die endoskopische Ultraschalluntersuchung des Herzens durch die Speiseröhre. Ähnlich wie bei einer Magenspiegelung führt der Arzt dabei den Ultraschallkopf in die Speiseröhre bis auf Höhe des Herzens ein. Auf diese Weise werden bestimmte Herzklappendefekte oder Blutgerinnsel im Herzen sichtbar, die bei einer Ultraschalluntersuchung von außen verborgen bleiben.

Außerdem werden Lungenspiegelungen mit flexiblen Endoskopen durch die Nase vorgenommen, Magenblutungen gestillt, Krampfadern in Speiseröhre, Magen und Darm behandelt, verschluckte Fremdkörper endoskopisch entfernt sowie Ernährungssonden gelegt. Während all dieser Eingriffe werden die Patienten in einen künstlichen Schlaf versetzt und dabei engmaschig überwacht.

Weitere Anwendungsgebiete sind die Öffnung von Abszessen oder das Drainieren (Ableiten) von Wasseransammlungen in Bauchhöhle oder Lunge. Bei bestimmten Fragestellungen setzen die Ärzte Ultraschallkontrastmittel ein. So lassen sich beispielsweise gutartige von bösartigen Veränderungen in der Leber unterscheiden. (ge)

Den Patienten bleibt dadurch oft die Operation erspart.Oberarzt Dr. Carsten Schwab

 

 

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