Erste Hochzeit eines homosexuellen Paares im Landkreis Amberg-Sulzbach
Ramona und Monika haben sich getraut

Ramona Ertel (links) und Monika Röhrsch haben sich am Samstag beim Sulzbach-Rosenberger Standesamt das Jawort gegeben. Bild: privat
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
17.10.2017
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Als erstes homosexuelles Paar im Landkreis haben sich Ramona Ertel und Monika Röhrsch am Samstag das Jawort gegeben. Seit dem 1. Oktober gelten bei der „Ehe für alle“ die gleichen Rechte und Pflichten wie bei einer Heirat zwischen Heterosexuellen. Für Ertel und Röhrsch ist eine „Türe in der Gesellschaft geöffnet“ worden.

Eigentlich hatte es schon vor der Weihnachtsfeier ihres gemeinsamen Arbeitgebers in Nürnberg zwischen Ramona Ertel (32, links auf dem Bild) und Monika Röhrsch (27) gefunkt. "Sie ist mir sofort aufgefallen", erinnert sich Ramona an das erste zufällige Treffen der beiden im Lager eines Naturkostladens. "Bei mir war es Liebe auf den ersten Blick." Doch so richtig konkret wurde es erst bei dem vorweihnachtlichen Kollegentreffen. "Ich mag ihre entspannte und lustige Art." Und Monika fügt hinzu: "Sie hat mich immer zum Lachen gebracht. Als ich mich für die Weihnachtsfeier fertig gemacht habe, dachte ich mir: Heute Abend will ich ihr auffallen."

Die beiden Frauen verbrachten schließlich die komplette Feier zusammen. Stundenlang sprachen sie "über Gott und die Welt". Erst als es zu dämmern anfing, ging jede ihrer Wege. Doch schon am nächsten Tag stand Ramona vor der Wohnungstür ihrer Monika. "Nach einer Woche waren wir fest zusammen", erzählt die 32-Jährige. "Es fühlte sich frisch verliebt an. Doch gleichzeitig ist es so, als würde ich Monika schon ewig kennen. Mit ihr passt es einfach, da ist mir nichts peinlich."

Nach einem stressigen Arbeitstag im Februar nahm sich Ramona dann ein Herz und hielt um die Hand von Monika an. Mit einem selbstgebastelten Video und ihrem gemeinsamen Lied gestand sie ihr die Liebe. Und dass sie das ganze Leben mit ihr verbringen möchte. "Ich habe sofort ja gesagt", erinnert sich Monika.

Unfaire rechtliche Lage

Zu diesem Zeitpunkt war für die beiden natürlich noch nicht absehbar, dass sie eines Tag wirklich so heiraten dürfen, wie es heterosexuelle Paare seit jeher tun. "Eine eingetragene Partnerschaft kam für mich eigentlich nie in Frage", sagt Ramona. "Rechtlich gesehen ist das unfair. Homosexuelle haben den gleichen bürokratischen Gang zu erledigen und trotzdem werden sie ungleich behandelt." Lediglich der tiefe Wunsch von Monika zu heiraten, habe sie dazu veranlasst. Überzeugt sei sie von dieser Form der Heirat aber nie gewesen. "Allein der Name ,eingetragene Partnerschaft' zeigt die Ungleichbehandlung", kritisiert sie.

Im Juni folgte dann die Überraschung: Nach Jahren der Debatte ebnete der Bundestag für Homosexuelle den Weg zur Ehe in Deutschland. Der von Rot-Rot-Grün eingebrachte Gesetzentwurf der Länder erhielt eine deutliche Zustimmung. "Wir waren überrascht, dass das Thema wieder aufkam", sagt Monika. "Natürlich haben wir die Abstimmung intensiv verfolgt. Es war klar, sobald es möglich ist, richtig zu heiraten, wollen wir uns das Jawort geben."

Der Termin im Standesamt sollte ein Samstag sein. Da in ihrem Wohnort Nürnberg Trauungen nur an bestimmten Daten möglich sind, fiel die Wahl auf das kleinere Sulzbach-Rosenberg. Die Verbindung zur Herzogstadt ist zudem unübersehbar. Ramona kommt gebürtig von hier. Bis sie 27 war, lebte sie in Sulzbach-Rosenberg. "Hier habe ich meine ersten Schritte gemacht.

Nicht ganz gleichgestellt

Mit der Trauung und auch indem sie den Gang an die Öffentlichkeit wagen, wollen sie "ein Zeichen setzen", erklärt Monika. "Wir sind noch nicht vollkommen gleichgestellt in der Gesellschaft und haben noch immer mit Vorurteilen zu kämpfen. Mit der Gleichsetzung der Ehe hat sich aber eine Türe geöffnet", erklärt sie energisch. Manchmal spüre die 27-Jährige immer noch bestimmte Blicke, wenn sie händchenhaltend mit Ramona auf der Straße laufe. "Darunter sind nicht nur alte Menschen."

"Es fühlt sich richtig an", ist Ramona überzeugt von ihrem gemeinsamen Schritt. "Ich habe den einen Menschen gefunden." Ob sie auch das Adoptionsrecht in Anspruch nehmen wollen und ihre Partnerschaft mit Kindern ergänzen, wissen sie noch nicht. "Wir werden sehen, was kommt. Das nächste Ziel für uns heißt, einfach glücklich zu sein." Und wenn es lediglich die pure Freude ist, dass künftig nur noch ein Name auf dem Briefkastenschild steht.

HintergrundAls eines der letzten Länder in Westeuropa hat Deutschland zum 1. Oktober die volle rechtliche Gleichstellung im Eherecht eingeführt. Seit 2001 durften Homosexuelle eine sogenannte eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Sie war allerdings nur ein eheähnlicher rechtlicher Rahmen.

Im Laufe der Jahre wurde das Lebenspartnerschaftsgesetz in vielen Bereichen angepasst - etwa bei der Unterhaltspflicht, im Erbrecht oder beim Ehegattensplitting. In mehreren Urteilen stärkte das Bundesverfassungsgericht die Rechte homosexueller Paare.

Als die letzte große Diskriminierung wurde zuletzt immer wieder das Verbot einer gemeinsamen Adoption genannt. Vor allem aber auch dass die Verbindungen nicht "Ehe" hieß. Wer übrigens eine Lebenspartnerschaft eingegangen ist, kann sie beim Standesamt nun in eine Ehe umwandeln. (spw)
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