12.02.2018 - 22:28 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Feuchttücher verstopfen Rohre wie Zöpfe Die Toilette ist kein Abfalleimer

Schnell das Gesicht abgeschminkt oder Staub gewischt: Feuchte Tücher können praktisch sein. Doch bei der Entsorgung machen die Hilfsmittel Probleme, wenn sie in der Toilette landen.

Unter anderem in Weiden ein Problem: Immer wieder verstopfen Feuchttücher die Kanäle. Bild: Stadtwerke Weiden
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

  Weiden, Waldsassen, Leonberg (Kreis Tirschenreuth): Vor kurzem waren dort die Kanäle mit Feuchttüchern verstopft. "Das Problem kennt jeder Klärwärter", sagt Christian Gräßmann, Bauamtsleiter der Gemeinde Hahnbach (Kreis Amberg-Sulzbach). Dort hat die Verwaltung deshalb mit der Erinnerung ans Ablesen der Wasserzähler auch ein Infoschreiben an die Bürger versandt. Es beantwortet die Frage: Was darf in die Toilette und was nicht?

"Immer mal wieder" komme es vor, dass der Kanal durch die Feuchttücher verstopft ist. Gräßmann sagt aber auch: "Die Leute schmeißen das nicht mit Absicht in die Toilette", sie würden es oft nicht besser wissen. Deshalb gab es das Informationsblatt der Gemeinde. Das Problem mit den Feuchttüchern: Sie bestehen aus Kunstfasern. "Das sind relativ robuste Fasern, die nicht leicht reißen", sagt Gräßmann. Feuchte Putztücher für den Boden etwa sollen ja nicht so leicht kaputt gehen. Nach der Benutzung sollten sie im Müll landen - nicht im WC. Denn: Die Kunstfasern zersetzen sich im Kanal nicht so leicht wie Klopapier aus Zellulose, erklärt Gerd Maluche vom Tiefbauamt in Sulzbach-Rosenberg. Er ist zuständig für Kanäle und Kläranlage.

Suche nach Übeltäter?

Um den Pumpwerken in den Kanalsystemen die Arbeit zu erleichtern, gibt es vorgeschaltete Schneidwerke. "Wie ein Gurkenhobler" könne man sich diese vorstellen, sagt Gräßmann. Dort wird alles, was im Abwasser schwimmt, zerrieben.

Feuchttücher lassen sich jedoch nicht so einfach zerschneiden. Verstopft ein Batzen aus Tüchern und Lappen Schneidwerk oder Pumpe, ließe sich das Zeug "wie Zöpfe" herausziehen, beschreibt der Hahnbacher Bauamtsleiter. "Das war noch nie so extrem wie jetzt", sagt Thomas Würth von den Stadtwerken Weiden. Mit seinem Kollegen Emil Dittrich spült er gerade 180 Meter der Leibnizstraße durch. Dort soll danach eine Kamera den Kanal filmen. 20 Minuten dauert die Spülaktion, dann ist der Kanal sauber.

Trete eine Verstopfung zu oft auf, werden die Kosten auf die Kanalgebühren umgelegt. In Amberg sind Kosten durch Probleme an den Hebewerken bereits in der Kalkulation enthalten, bestätigt Pressesprecherin Susanne Schwab. Ist ein Rohr in einem Haus verstopft, muss der Eigentümer oder der Mieter für die Reparatur bezahlen. Den Übeltäter zu finden "ist Zufall", sagt Maluche.

Ließe sich ein Straßenzug eingrenzen, aus dem unerlaubtes Material zum Pumpwerk gespült wird, "kann man eine Kamerabefahrung machen", erläutert der Diplom-Ingenieur. In Leonberg (Kreis Tirschenreuth) war das Problem bereits Thema im Gemeinderat. Die Mitarbeiter vom Abwasserzweckverband Altenstadt-Neustadt-Störnstein (Kreis Neustadt/WN) rückten 2017 im Durchschnitt alle drei Wochen zu einem der 14 Hebewerke aus, weil es verstopft war, berichtete Manuel Fischer vor Kurzem.

Fett entsorgt

In Tirschenreuth gibt es dagegen "keine größeren Probleme", sagt Stadtbaumeister Andreas Ockl. Nur einmal machte ihm der Rechen an einem Pumpwerk zu schaffen. Dort wurde ein Bauteil ausgetauscht. Ockl glaubt nicht unbedingt, dass die Tirschenreuther sich eher an Abfallregeln halten als andere. "Vielleicht hatten wir einfach nur Glück."

Nicht nur Feuchttücher sind ein Problem für die Kanäle. Auch Windeln landen immer wieder dort, sagt Gräßmann. In Sulzbach-Rosenberg sei oft auch Fett ein Problem, das in die Toilette gekippt wird. "Teilweise liegen Pommes Frites im Kanal", erzählt Maluche.

Das Problem mit den Verstopfungen durch Feuchttücher lasse sich mit verschiedenen Möglichkeiten lösen: Zwar könne man die Maschinen immer wieder reinigen oder an die hohe Belastung anpassen. Aber das sei teuer. Gräßmann sagt: "Die Umerziehung ist die kostengünstigste und zielführendste Lösung."

Was darf in die Toilette?

Generell gehöre in die Toilette, was für die Toilette hergestellt wurde, erläutert Christian Gräßmann, Bauamtsleiter in Hahnbach. Klopapier darf hineingeworfen werden, feuchte Toiletten- oder Abschminktücher sowie Putzlappen nicht. Außerdem gehören laut einem Schreiben der Gemeinde Hahnbach und des Umweltbundesamts nicht ins WC, denn vieles verstopft die Rohre:

Ohrenstäbchen: Sie lassen sich in einer Kläranlage nicht beseitigen, verschandeln Flüsse und Seen und gehören in die Mülltonne

Heftpflaster, Slipeinlagen, Binden und Tampons: Mülltonne

Windeln, Zahnseide, Strumpfhosen: Mülltonne

Essensreste, auch Fette: Sie locken zudem Ratten an und gehören in die Mülltonne.

Asche, Katzenstreu, Vogelsand: Mülltonne

Medikamente und Tabletten entsorgen Apotheken, landen sie im Kanal, kontaminieren sie Abwasser und schädigen Lebewesen.

Chemikalien wie Salzsäure, Putzmittel und Rohrreiniger sowie Tapetenkleister: Schadstoffsammlung

Farben, Lacke, Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel vergiften das Wasser. Sie gehören in die Schadstoffsammlung.

Das Umweltbundesamt hat auch einen Ratgeber verfasst: "Abfälle im Haushalt. Vermeiden, Trennen, Verwerten". Der Download der Broschüre unter http://bit.ly/2DvVbak ist kostenlos. (esa)

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