31.08.2017 - 13:58 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Feuerwehr Rosenberg stellt ihren neuen Rüstwagen zusammen Ohne Zuschuss wird's billiger

Der Vorgang ist beispielhaft: Da wird (turnusmäßig) ein neues Fahrzeug beschafft, und die Feuerwehr bringt es fertig, dass das Auto ohne staatliche Förderung sogar rund 23 000 Euro günstiger kommt als mit. Der Grund für diese seltsame Konstellation liegt in den Vorschriften. Aber wie kann das sein? Die Antwort: Mitdenken hilft manchmal.

Der 31 Jahre alte Rüstwagen der Feuerwehr Rosenberg ist gut bestückt, und das Material passt auch in den neuen Wagen. Bilder: Gebhardt (2)
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

"Beschaffung eines Rüstwagens" hieß der Tagesordnungspunkt in der Stadtratssitzung, und es ging um viel Geld: Für die Feuerwehr Rosenberg ist ein Ersatz vorgesehen für den jetzt 31 Jahre alten Unimog. Zunächst aber fragten einige Stadträte nach, warum die Sulzbacher Kollegen dann kein neues ABC-Erkundungsfahrzeug für ihr altes bekämen?

Das seien zwei Paar Stiefel, erklärte Bürgermeister Göth: Zwar seien beide Fahrzeuge einst vom Bund beschafft und dann von der Stadt übernommen worden, jedoch werde das Rosenberger Fahrzeug nicht mehr vom Bund ersetzt - das Sulzbacher aber schon. Zudem sei der Rosenberger Rüstwagen Bestandteil des Feuerwehrbedarfsgutachtens der notwendigen Fahrzeuge.

Dann müsse darauf gedrängt werden, dass der Bund seiner Verpflichtung nachkomme, so der Tenor. Schließlich werde es keine Ungleichbehandlung geben. Dies unterstrich der Bürgermeister mit dem Vergleich der Investitionssummen in die Feuerwehren der letzten 16 Jahre.

Dann erklärte Hauptamtsleiter Johann Gebhardt die Sachlage: Werde der neue Rüstwagen gemäß den Zuwendungsrichtlinien Bayerns ausgestattet, koste er rund 570 000 Euro. Dann gebe es 147 000 Euro Zuschuss vom Staat, vom Landkreis dagegen nichts. Blieben also 423 000 Euro für die Stadt.

Nun habe die Rosenberger Feuerwehr aber festgestellt, dass das staatlich geförderte Fahrzeug mit Normbeladung viele Teile enthalte, die gar nicht benötigt würden, und viele andere, die bereits vorhanden seien. Es reiche also, das Fahrzeug mit der nur wirklich benötigten Ausstattung zu beschaffen. Dann sei es zwar nicht mehr förderungswürdig, koste aber nur rund 400 000 Euro - also 23 000 Euro gespart - und das ohne Zuschuss. Ob die gebrauchte Ausrüstung denn wirklich noch verwendbar sei, wollten einige Räte wissen, doch da konnten sie die Experten beruhigen: Alles ist auf dem neuesten Stand. Der Antrag ging einstimmig durch.

In der mittelfristigen Finanzplanung der Stadt ist der Rüstwagen natürlich berücksichtigt. Er wird europaweit ausgeschrieben, und die Rosenberger Wehr rechnet mit einer Lieferung Anfang 2019. Dann hat der bisherige Oldie 33 Jahre auf dem Buckel. Da ist ein Nachfolger bestimmt kein rausgeworfenes Geld. Und gespart hat die Stadt dabei auch noch!

Drei Viertel übernehmen

Die SRZ sprach mit dem Rosenberger Kommandanten Jürgen Schloß über die Hintergründe der Aktion und erhielt umfassende Aufklärung. "Wir brauchen halt für unseren Einsatzbereich, unter anderem in den Industriegebieten, bestimmte Gerätschaften, die in der Normbeladung nicht enthalten sind. Andere Teile daraus benötigen wir dagegen nicht, aber die müssten ja mitbezahlt werden", erklärt Schloß.

Wie sieht das nun mit der Ausrüstung aus, die übernommen werden kann? "Das sind rund 75 Prozent des Materials, das im bisherigen Rüstwagen steckt." Schloß zählt auf: Be- und Entlüftungsgerät, pneumatische Fluxpumpen, Hebekissen, Leckdichtkissen, Stromerzeuger, Motorsägen, Motortrennschneider - schon sind fast 30 000 Euro an Ausrüstung beisammen, die weiter verwendet werden kann.

Und das ist noch nicht alles: Insgesamt, so schätzt der Kommandant, kann Material für rund 50 000 Euro erhalten bleiben. "Das ist ja alles stets auf dem neuesten Stand gehalten worden!" (ge)

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