Gerontotherapeut Georg Pilhofer schult Pflegefachkräfte
Wenn die Seele schwere Lasten tragen muss

"Einer kranken Seele tut es gut, sich alles von der Seele zu reden." Zitat: Georg Pilhofer

"Gib dir jeden Tag eine Stunde Zeit zur Stille, außer wenn du viel zu tun hast ... dann gib dir zwei!": Der Rat des Ordensmannes Franz von Sales ist heute, in Zeiten von Volkskrankheiten wie Burnout und Depressionen, aktueller denn je. Können Religion und christlicher Glaube zu seelischer Gesundheit beitragen?

"Es kann uns alle erwischen", warnte Diplom-Sozialwirt Georg Pilhofer im Bavaria-Seniorenheim vor einer großen Runde von Pflegefachkräften. Der Leiter der Gerontopsychiatrischen Koordinationsstelle der Oberpfalz kennt die seelischen Probleme und psychischen Erkrankungen vor allem alter Menschen.

In seinem Vortrag über "Glaube und seelische Gesundheit - Weisheiten der christlichen Religion" zeigte er Wege auf, die Patienten und ihrem Umfeld in schweren Zeiten helfen können. Dass Pflegedienstleiterin Manuela Engelbrecht auch junge Leute von der Altenpflegeschule begrüßen konnte, war eine freudige Überraschung für den Referenten, der "alle Jahre wieder" im Bavaria-Heim informiert und schult. Und wie immer ließ er auch diesmal trotz seines ernsten Themas die Stimmung im Café nicht düster werden, sondern baute Anekdoten, Witze und Cartoons in seinen Vortrag ein.

"Alle Dinge sind möglich, dem, der da glaubt": Das Markus-Evangelium ebenso wie der Volksmund, wenn er sagt "Glaube versetzt Berge", zeigen laut Pilhofer auf, wie wichtig die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe speziell für Menschen mit Demenz und Depressionen sein können. An sich glauben, mit Gottvertrauen hoffen, fühlen mit dem Herzen und Liebe zu den Menschen nennt er wichtige Faktoren, die Kraft geben. "Hat der Mensch keinen Glauben mehr, bekommt keine Liebe und hat alle Hoffnung verloren, dann wird die Seele krank."

"Einer kranken Seele", so der Gerontologe, "tut es gut, sich alles von der Seele zu reden", Verständnis und Mitgefühl zu erleben, und auch, wie es im Vaterunser heißt, Vergebung zu erbitten und Schuld zu vergeben. Einsamkeit, Leid und Verzweiflung stünden Worte des Trostes gegenüber wie: "Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht". Diese Worte der Bibel werden untermauert von verschiedenen Untersuchungs-Ergebnissen. Georg Pilhofer zeigte auf, dass nach einer Studie der psychiatrischen Universitätsklinik Genf 79 Prozent der Befragten bestätigten, dass ihnen der Glaube hilft bei der Bewältigung des Alltags.

Nicht zu unterschätzen für die Bewältigung von Lebenskrisen seien aber auch ohne Zweifel Optimismus und eine positive Einstellung. Deshalb gab der Referent seinen Zuhörern für ihre tägliche Arbeit in der Pflege einen Rat von Arthur Schnitzler mit auf den Weg: "Willst du wissen, wie alt du bist, so frage nicht die Jahre, die du gelebt hast, sondern den Augenblick, den du genießt".

Ressource GlaubeUnzählige wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass der Glaube die seelische Gesundheit fördern und den Umgang mit Krisen verbessern kann. Dazu verweist Georg Pilhofer auf das Handbook of Religion and Health: "Der Glaube ist also eine Ressource in der Erhaltung von seelischer Gesundheit." (hka)


Einer kranken Seele tut es gut, sich alles von der Seele zu reden.Georg Pilhofer
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.