26.03.2018 - 16:58 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Hangsanierung am Spittlberg nach Sperrung Poröser Fels bedroht Straße

"Vorsicht da unten!" Oben in der Felswand raschelt der Efeu, es rumpelt und klappert, dann donnert ein ganzer Schubkarren voll Gesteinsbrocken hinunter auf die Straße. Der Mann am dicken Seil stützt sich ab in der Wand und klopft weiter mit seinem Hammer. Er hat am Spittlberg noch viel zu tun.

Mit einem Seil gesichert, macht sich der Felskletterer mit dem Hammer an die Arbeit an dem fast senkrechten Hang. Bild: Gebhardt
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Freitag auf Samstag nahm das Geschehen seinen Lauf: Felsbrocken lösten sich vom Hang neben der Straße Am Spittlberg oberhalb der Bahnlinie. Sofort sperrten Bauhof und Polizei den Abschnitt zwischen Krankenhausstraße und Gymnasium für jeglichen Verkehr. Am Montag rückte das vom Bauamt sofort verständigte Ingenieurbüro Dr. Spang mit der Spezialfirma Königl aus Würzburg an. Die Experten hatten erst in diesem Fasching die Bäume an dem Hang weggeschnitten und den Felsen abgeräumt.

Wurzeln eingewachsen

Wie kam es jetzt, nur wenige Wochen später, zu dem Vorfall? Der Hang ist dicht mit Efeu bewachsen, dessen Wurzeln teils tief in den Karstdolomit eingewachsen sind. Versteckt hinter dem immergrünen Vorhang, taute bei den schnell steigenden Temperaturen am Samstag der Boden auf. Felsbrocken lockerten sich und stürzten herab. Jetzt sind die Spezialisten dabei, den Hang komplett von dem starken Überwuchs zu befreien und die losen Gesteinspartien zu beseitigen. Deswegen wird die Straße noch einige Tage gesperrt bleiben. "Natürlich kommen jetzt die Osterferien wie gerufen", erklärt Roland Greipel vom Stadtbauamt: Schließlich herrscht kein Schulverkehr auf diesem sonst stark frequentierten Abschnitt. Eine Umleitung im laufenden Schulbetrieb hätte deutlich mehr Schwierigkeiten verursacht.

Dauert eine Woche

Die komplette Woche sind die Fels-Kletterer sicher damit beschäftigt, Bewuchs und Gefahrenstellen zu beseitigen. Dass dieser Hang schon immer Gefahren barg, beweisen die Ausmauerungen, die schon vor etwa 40 Jahren als Sicherungen eingebaut wurden. Diplom-Geologe Jochen Wolf von der Ingenieurgesellschaft hat auch eine Theorie, warum der Karst hier so brüchig ist: Er verweist auf die immer noch sichtbaren Spuren der Felssprengungen, mit denen hier einst Platz für die Straße geschaffen wurde. Das habe haarfeine Risse im Berg hinterlassen, die sich im Laufe der Jahrzehnte durch Wasser und Frost vergrößert hätten.

Es wird also noch eine Weile dauern, bis die Sperrung wieder aufgehoben wird. Immer noch besteht die Gefahr, dass Brocken sich lösen und hinabstürzen. Welche Methode letztlich die endgültige Sicherung des Hangs bewirken wird, das zeichnet sich noch nicht ab, sind sich die Experten einig. Ist der Efeu erst mal weg, sieht man weiter.

Natürlich kommen jetzt die Osterferien wie gerufen.Roland Greipel vom Stadtbauamt

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