13.05.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

HCA-Abiturienten im Gespräch Eine Chance fürs ganze Leben

Schreiben bis an die Schmerzgrenze: Über fünf Stunden lang sitzen am Freitag 96 Jungen und Mädchen über der letzten schriftlichen Abiturprüfung im Fach Deutsch. Nach den Pfingstferien folgt das Kolloquium. Schulleiter Dieter Meyer versichert: "Hochbegabung ist im Leben nicht entscheidend."

Der Abiturient sagt von sich selbst: "Sport ist mein Leben." Graf wird deshalb zum Wintersemester ein entsprechendes Studium aufnehmen, weiß aber noch nicht genau, wo. In den Sommermonaten will er mit Freunden nach Korsika und Portugal. "Mit dem Rucksack durchs Land, direkt an die Küste, Surfen und Klippenspringen", schwärmt der Pfadfinder, der auch mit dem Sulzbach-Rosenberger DPSG-Stamm ins Zeltlager fährt.
von Tobias GräfProfil

Natürlich, es ist immerhin die allgemeine Hochschulreife, "da kommt nicht jeder durch", antwortet Oberstudiendirektor Dieter Meyer auf die Frage nach der Durchfallqoute. Zugleich erklärt der Schulleiter des Herzog-Christian-August-Gymnasiums jedoch auch, dass die Zahl derer, die nicht bestehen, "an einer Hand" abgezählt werden könnte. Von den insgesamt 644 Schülern umfasst der Abschlussjahrgang 2018 (Q 12) 96 Abiturienten, darunter 54 Mädchen. "Die Mädels sind heuer leicht in der Überzahl", sagt Meyer, "in den meisten Jahren ist es jedoch sehr ausgeglichen."

Lange Nacht gehabt

Am 2. Mai begannen die Prüfungen in Mathematik. Auch in Sulzbach-Rosenberg mussten im letzten Moment die Aufgaben ausgetauscht werden, weil in Niedersachsen Diebe in eine Schule eingebrochen waren. Laut Meyer gibt es für solche Fälle genaue Vorschriften, die Schüler hätten davon aber nichts mitbekommen. "Trotzdem war die Nacht zuvor für uns sehr lang", beschreibt er den Stressmoment, der auch am HCA herrschte. Montag darauf folgte die Prüfung im Wahlfach, das Deutsch-Abi am Freitag bildete den Abschluss der schriftlichen Klausurenphase.

Bei Deutsch konnten die Absolventen zwischen fünf Aufgabenblöcken wählen: Zunächst drei literarische Themen aus den Bereichen Epik, Dramatik oder Lyrik. Bei Letzterem müssen beispielsweise Gedichte analysiert, interpretiert und miteinander verglichen werden. Wem der Umgang damit schwerfiel, hatte die Möglichkeit, eine Broschüre zu verfassen ("informierender Text") oder auf eine materialiengestützte Erörterung auszuweichen, bei der vor allem Argumentationsfähigkeit gefragt ist. Weil "sehr viel Material" ausgewertet werden müsse, seien gerade die beiden letzten Aufgaben nicht "auf die leichte Schulter zu nehmen", erklärt der Schulleiter.

Steigende Schülerzahlen

Mit Blick auf die Gesamtsituation zeigt sich Meyer sehr zufrieden. Für das kommende Schuljahr lägen bereits über 100 Anmeldungen vor, "das überrascht uns positiv". Der Chef führt die hohen Zahlen auf die "hervorragende Anbindung" an den öffentlichen Nahverkehr sowie auf das sehr breite Angebot des Gymnasiums zurück.

Das HCA hat einen naturwissenschaftlich-sprachlichen Schwerpunkt und ist seit einigen Jahren Teil des MINT-EC-Programms, in dem nur Schulen mit spezifisch-naturwissenschaftlichem Lehrangebot zertifiziert werden. Mehrere Kooperationen wie mit dem Bionik-Zentrum in Nürnberg, dem Fraunhofer-Institut oder die aktive Teilnahme am Erasmus-Programm machten das HCA attraktiv. Zudem lobt Meyer das Ganztagesangebot der Schule: Die Kinder essen in der Mensa, werden danach bei den Hausaufgaben und dem Lernen betreut und haben um spätestens 16 Uhr aus. "Da bleibt danach auch noch genügend Freizeit", erklärt der Pädagoge die Situation vor allem mit Hinblick auf die Diskussion rund um das G 8.

G 8 gescheitert

Nach erneuter Reform durch das bayerische Kultusministerium ist seit dem Herbst auch in der Herzogstadt der neunjährige Weg zum Abitur wieder Standard. Das G 8 sei jedoch nicht schlecht oder "grundsätzlich zu stressig" für die Schüler gewesen - es "kommt eben auf die Umsetzung an, und die ist leider gescheitert", sagt Meyer direkt. Und auch die viel geäußerte Kritik, die allgemeine Hochschulreife werde inzwischen ihrem Namen nicht mehr gerecht, teilt er nicht.

Es sei zwar richtig, dass etliche G 8-Schüler als Minderjährige die Schule verlassen und deshalb noch keine klaren Zukunftsvorstellungen hätten, doch das sei bei früheren Jahrgängen nicht anders gewesen: "Ich selbst wusste nach dem Abi auch nicht, was ich machen wollte." Ein Orientierungsjahr einzulegen, ins Ausland zu gehen, ein soziales Jahr zu machen sei hier gerade richtig.

Unter Verweis auf die sogenannte "Akademikerschwemme" merkt Meyer an, dass es nach dem Abitur keinen Zwang zum Studium gäbe. Lehre, Ausbildung oder direkter Berufseinstieg seien jederzeit möglich. Nur: "Das Abi ist eine Chance für das Leben, der Abschluss verfällt nicht." Wer also nach der Grundschule den nötigen Schnitt habe, der solle die Chance, auf das Gymnasium zu wechseln, unbedingt nutzen, sagt er auch mit Hinblick auf die Rolle der Eltern, die viel Einfluss auf den schulischen Werdegang ihrer Sprösslinge haben.

Keine Hochbegabung nötig

Meyer, der sein eigenes Abitur 1978 in Nürnberg ablegte, beruhigt alle Absolventen, die sich selbst einem zu hohen Erwartungsdruck ausgesetzt fühlen: "Ich persönlich gehörte damals auch nicht zur Spitzengruppe. Man muss nicht hochbegabt sein, um im Leben Erfolg zu haben. Wichtig ist, was man aus seinem Abschluss macht." Zumindest der Beruf des Schuldirektors scheint also auch für all jene erreichbar zu sein, bei denen im Zeugnis keine Eins vor dem Komma steht.

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