12.03.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Kaabarett im Seidel-Saal Mit Charme und einer bayerischen Goschn

Dem Resümee, das Franziska Wanninger am Ende ihres Kabaretts zieht - "Wer hätt' des dacht, dass des so a schöina Amd wird!" - stimmen auch die Gäste im Seidel-Saal zu. Die Frau mit den lustigen Geschichten, den vielen Gesichtern und einer echt bayerischen Goschn kann aber auch philosophieren.

Als bajuwarische Urgestalt bot Kabarettistin Franzi Wanninger köstliche Unterhaltung im Seidel-Saal. Bild: hka
von Helga KammProfil

"Wann is guad endlich guad gnua?", ist so eine tiefschürfende Frage. Warum muss man heutzutage eigentlich alles auf einmal sein und auch können, überlegt sie singend und hat dabei zum Beispiel Eltern im Auge, "die wissen schon beim Zeugungsakt: dieses Kind wird hochbegabt". Franziska Wanninger (35) aus dem oberbayerischen Marktl am Inn, studiert, mit mehreren Fremdsprachen vertraut, bewies schon als Kind schauspielerisches Talent. Sie hat einen Hang zum Dramatischen und einen ununterbrochenen Rededrang.

Das ebnete den Weg zu ihrem heutigen Beruf. Mit selbst geschriebenen Programmen tourt sie seit 2011 durch Bayern und Österreich, tritt auf in Rundfunk und Fernsehen, wurde mit Preisen ausgezeichnet, ist eine bayerische Komödiantin mit Charme.

Als "bajuwarische Urgewalt" wird die Franzi bezeichnet, die ihr Publikum mit großer kabarettistischer Kunst und faszinierenden Einblicken in die ländliche Welt ihrer Heimat fesselt. Sie kann in Wort und Mimik den derben Grantler, ihren preußischen Manager, die snobistische Sinnsucherin, den frustrierten Buchhändler oder die erfahrene Wiesn-Bedienung zum Leben erwecken, ist ein Energiebündel und eine großartige Schauspielerin.

Sie schreckt auch nicht davor zurück, ein "schiaches Gschau" aufzusetzen, sich selber auf den Arm zu nehmen und ihr wohlproportioniertes Hinterteil als "powered bei Ferrero" zu beschreiben.

Durch das ganze Programm zieht sich als roter Faden ihr Zusammenleben mit Tante Elfriede. Geizig sei die, sagt sie, "lasst sich amal blos bis zur Hüftn eingram, damit's as Grab no selber richt'n kann". Der Ex-Kreisrat, heute Thermomix-Vertreter, die Frau des Bürgermeisters, die ihre Ernährung auf Kräuter und Samen umgestellt hat, die Trends unserer Zeit mit Smartphone, Navi, Cloud, "was heitzutag alles gibt" - Wanninger gelingt es, mit wenigen Charakterstrichen schwungvoll und pointiert die ganze heutige Welt zu erschaffen.

"Die Kabarettistin Franziska Wanninger redet gerne. Und das ist ein Glück fürs Publikum", schrieb einmal die Münchner Abendzeitung. Und wie sie redet! Die verschiedenen Dialekte, die unterschiedlichen Stimmlagen und Lautstärken und schließlich ihr Gesang, wenn sie als Florian Silbereisen auftritt oder als Rapperin, all das, angereichert mit femininem Charme, macht "die Wanninger" zu einer Entertainerin der Sonderklasse.

Als Höhepunkt ganz zum Schluss erzählt sie besondere Erlebnisse aus ihrem Tournee-Alltag, dankt den Veranstaltern, verneigt sich vor dem applaudierenden Publikum. Eine wie sie, das denken vielleicht einige im Saal, hätte noch höhere Weihen verdient. Wäre zum Beispiel geeignet als "Mama Bavaria" für die zukünftig vakante Stelle auf dem Nockherberg.

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