26.03.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Kinder- und Jugendbuchautor Rüdiger Bertram liest vor Gymnasiasten Flucht auf Pyrenäen-Route

Menschen, die unter Lebensgefahr ihre Heimat verlassen; Kinder, die sich ganz allein durchschlagen - diese Geschichten sind aktuell, aber nicht neu. In seinem Roman "Der Pfad" zieht Kinder- und Jugendbuchautor Rüdiger Bertram Parallelen zur Nazi-Zeit. Den Siebtklässlern des HCA-Gymnasiums stockt bisweilen der Atem.

Eine persönliche Erinnerung an die Lesung mit Rüdiger Bertram war begehrt bei den HCA-Gymnasiasten. Bild: aks
von Anke SchäferProfil

Mit "Lesen verleiht Flügel" war diese Schul-Lesung der Buchhandlung Volkert im Literaturhaus Oberpfalz überschrieben. Diesmal beflügelte sie aber weniger die Fantasie als das Nachdenken. Aus Sicht der Raiffeisenbank Sulzbach-Rosenberg eine förderungswürdige Initiative, die sie mit einem Zuschuss unterstützte.

Rüdiger Bertram, der im Mai vergangenen Jahres die Schüler mit lustigen "Coolman"- und spannenden "S.W.A.P."-Geschichten begeistert hatte, präsentierte sich jetzt also von seiner ernsthaften Seite. Ganz auf Wortwitz und Abenteuer müssen die Leser aber nicht verzichten. "Sonst wird es ja langweilig", weiß der Schriftsteller.

Inspiriert von Lisa Fittkos Erinnerungen "Mein Weg über die Pyrenäen" begab er sich selbst auf den steinigen Pfad, der während des Zweiten Weltkriegs so vielen deutschen Emigranten als letzte Hoffnung blieb. Da der historische Rahmen zu komplex für einen verbalen Buch-Vorspann gewesen wäre, hat Heribert Schulmeyer die Geschichte von der Machtergreifung Hitlers 1933 über das besetzte Frankreich bis zum Emigranten-Sammelpunkt Marseille auf einer Comic-Doppelseite komprimiert.

Der Text setzt 1941 an: Rolf und sein Vater Ludwig, einst ein berühmter Reporter in Berlin, sind nach langer Flucht in Marseille gestrandet. Die Mutter, eine Tänzerin, wartet in New York; die rettende Schiffspassage Lissabon - New York ist gebucht. Auf legalem Weg können die beiden jedoch Frankreich nicht mehr verlassen und entscheiden sich daher für die Route über die Pyrenäen.

Manuel, ein Hirtenjunge im Alter von Rolf, wird als Schlepper engagiert, Hund Adi ist als "blinder Passagier" dabei. Der kleine Terrier bringt alle in Gefahr. Der Vater opfert sich und schickt Rolf und Manuel allein weiter auf die abenteuerliche Reise in die Freiheit.

Durch die Fotos, die Rüdiger Bertram von seiner Recherche-Reise mitgebracht hat, erhält die Lesung eine bewegende Dimension: Das rettende Grenz-Plateau zwischen Frankreich und Spanien, dem Rüdiger Bertram ein wenig "heiligen Boden" mit der Aura der dort einst versammelten großen Dichter und Denker entnommen hat, das Grab des Philosophen Walter Benjamin, der angesichts der drohenden Auslieferung zurück nach Frankreich Selbstmord beging, oder das begehbare Denkmal zu Benjamins Gedenken.

Dass solche Geschichten wie in der Realität auch in der Fiktion kein Happy End haben, wissen die Gymnasiasten. Immerhin erreichen Rolf und auch Hund Adi Amerika, verrät Rüdiger Bertram, der darüber hinaus noch einiges aus seinem Schriftsteller-Alltag erzählt. An die Lesung werden sich die Schüler vielleicht schon bald im Kino erinnern: Eine Verfilmung des spannenden Stoffes ist angedacht, verrät Bertram.

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