11.06.2017 - 15:42 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Kindergarten Guter Hirte lebt sich im Schlößl ein Franziska ruht jetzt nicht mehr

Der Dinosaurier macht sich über das gesunde Frühstück her. Kinder laufen durch Räume, in denen früher harte Verhandlungen der Stahlbarone liefen. Keine Spur mehr von Gastronomie, stattdessen Gruppenräume und Spielsachen. Kurz gesagt, der Kindergarten Guter Hirte ist vorübergehend ins Schlößl umgezogen.

Pfarrer Uwe Markert hatte Bürgermeister Michael Göth zum Rundgang im Schlößl eingeladen, das der Kindergarten als vorübergehende Bleibe nutzt. Leiterin Gabi Sperber (im Hintergrund) stellte die Räumlichkeiten vor.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Von "gut eingelebt" kann sicherlich noch nicht gesprochen werden, aber in der dritten Woche im neuen Domizil nähert sich der Tagesablauf in der Kindertagesstätte schon fast wieder der Normalität an. "Anfangs waren die Kinder schon aufgeregt, als sie noch unter dem Eindruck des Umzugs standen, aber nach ein paar Tagen hat sich dann alles wieder gelegt", informiert Leiterin Gabi Sperber bei einem Rundgang.

Pfarrer Uwe Markert hatte dazu quasi als "provisorischer Hausherr" Bürgermeister Michael Göth eingeladen, der sich gerne die umgenutzten Räumlichkeiten vorstellen ließ. In zweieinhalb Tagen zog die Kindertagesstätte von der Meierfeldstraße mit Sack und Pack hinauf zum Schlößl - auch "Franziskaruh" genannt - um sich dort für die kommenden eineinhalb Jahre häuslich einzurichten. Hervorragende Arbeit hätte hier die Umzugsfirma geleistet, ohne deren Mithilfe alles nicht so reibungslos über die Bühne gegangen wäre.

1,4 Millionen Euro

Der Tross aus 60 Kindern und elf Mitarbeitern fühlt sich mittlerweile richtig wohl am neuen Standort. Die Vorplanungen, die Leiterin Gabi Sperber und ihr Team dabei leisteten, haben sich mehr als bezahlt gemacht. Es sei zwar noch nicht alles an Ort und Stelle, aber die Verantwortlichen nutzten den Umzug gleich als willkommene Gelegenheit, um sich von vielerlei ungenutztem Ballast zu trennen. "Wir haben uns wirklich genau überlegt, was später wieder an den ursprünglichen Standort zurückkehren soll", merkte Gabi Sperber an. Uwe Markert, Pfarrer der evangelischen Gemeinde St. Johannis Rosenberg, die Träger des Kindergartens ist, lobte das umsichtige Handeln des Teams, das stets das Wohl der Kinder im Auge behalte.

Für die Dauer der Generalsanierung, für die 1,4 Millionen Euro veranschlagt sind, werde die Kita das Schlößl am Schlossbergweg als Ausweichquartier nutzen. "An der Meierfeldstraße 2 steht jetzt das Gerüst, und die Ziegel sind runtergekommen", berichtete der Seelsorger aktuell. Bürgermeister Michael Göth freute sich, dass das altehrwürdige Schlößl als Bleibe genutzt werden könne. "Man sieht es den Kindern förmlich an, dass sie mit der neuen Umgebung schon recht gut zurecht kommen", so das Stadtoberhaupt. Wie er weiter erwähnte, habe die Stadt von den Kosten für den Brandschutz und die geänderte Nutzung im Schlößl - sie beliefen sich auf 45 000 Euro - 90 Prozent übernommen.

Stammmutter der bayerischen Könige

Das Schlößl ist ein Ort mit reicher Historie und einer berühmten Bewohnerin: Franziska Dorothea, Pfalzgräfin der wittelsbachisch-sulzbachischen Linie, war die Mutter des späteren Kurfürsten und Königs Maximilian I. Josef von Bayern. Sie ließ sich 1785 „am Schintlhof in Rosenberg“ eine kleine Residenz errichten. Das Lustschlösschen „Franziskaruhe“, auch „Sommersaletl“ genannt, wurde zum fürstlichen Sommersitz der verwitweten Pfalzgräfin. 1786 erhielt der Garten des Schlösschens ein Wasserwerk, im darauf folgenden Jahr entstand ein Weg auf den Schlossberg. Franziska Dorothea nutzte die Gebäude bis zu ihrem Tod 1794. Danach ging das Schlößl in Privatbesitz über. Später erwarb es die Maxhütte, die es Jahrzehnte lang als Werks-Casino nutzte.

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