Klimaschutzmanagerin diskutiert mit angehenden Krankenpflegern
Persönliches Engagement nötig

E-Mobile sahen sich die Berufsfachschüler für Gesundheits- und Krankenpflege mit Katharina List (links), Schulleiter Hans-Jürgen Bruhn (rechts), Josef Hofmann und Lehrkraft Heinz-Ulrich Schmidt (Zweiter von links) an. Bild: shu

Klimawandel - na und? Mit dieser provokanten Frage konfrontierte Katharina List, Klimaschutzkoordinatorin des Landkreises, 15 angehende Krankenpfleger der Berufsfachschule im St.-Anna-Krankenhaus.

Im Rahmen des Umweltprojektes hatte Lehrer Heinz-Ulrich Schmidt die Umweltfachfrau eingeladen. Katharina List fand auch sofort Zugang zu den Schülern und überschrieb ihre Eingangsthese mit typischen Ressentiments wie "Betrifft mich eh' nicht", "Welche Erwärmung? Wir sind doch nicht schuld daran!" oder "Deutschland tut doch bereits genug dagegen!"

Eine Präsentation mit zahlreichen aktuellen Bildern und Übersichten weckte sofort das Interesse der Zuhörer. Den Schülern wurde deutlich, dass es beim Klimawandel offensichtlich nicht um das Wetter geht, sondern dass langfristige Beobachtungen zu klaren Ergebnissen führen. Die globale Mitteltemperatur steigt mit weltweit unterschiedlichen Auswirkungen. Eine extreme meteorologische Entwicklung beschreibt das Klima als globalen Risikofaktor, z. B. die Meeresspiegel steigen.

Wirtschaftlich spürbar

Für die Referentin ist es völlig klar, diese gravierenden Veränderungen sind auch wirtschaftlich spürbar, und die globalen Auswirkungen werden auch Deutschland treffen. Die Zunahme der Extremereignisse haben gesellschaftliche Folgen und erreichen alle Lebensbereiche. "Wir sollten den Kopf nicht in den Sand stecken, denn die Prognosen versprechen vor allem den nachfolgenden Generationen nichts Gutes", resümierte List.

Mit einem kritischen Blick auf das Weltklima und den sogenannten Treibhauseffekt sollte auch die "Schuldfrage" geklärt werden, denn menschliches Handeln (Lebensweise) der Industrieländer definiert sich unumstritten als Hauptursache. Zu den zehn größten Klimasündern gehört leider auch Deutschland: "Vor allem bei der Berechnung der CO2-Emissionen pro Einwohner kommen wir schlecht weg, denn mit über zehn Tonnen pro Bundesbürger belegen wir weltweit Platz 6." Nach Fukushima 2011 reagierte auch Deutschland. Verbunden mit dem Atomausstiegs-Szenario wurde die Energiewende eingeleitet. Beim Bayerischen Umweltministerium setzte man auf den "Energetischen Dreisprung: 1. Energieverbrauch vermeiden, 2. Energieeffizienz steigern, 3. Erneuerbare Energien ausbauen".

Für Katharina List ist unumstritten, dass Deutschland sich auch international für den Klimaschutz engagiert. Um die gesteckten Ziele im Rahmen der Energiewende zu erreichen, wurden zahlreiche Gesetze und Verordnungen erlassen. Sie plädierte bei den Schülern für ein persönliches Engagement. "Die Energiewende kann nur auf der untersten Ebene praktisch umgesetzt werden, also ist jeder von uns zum Mitdenken und Mithandeln aufgefordert."

Hohe Einsparung möglich

Besonders gespannt verfolgten die angehenden Krankenpfleger die energetischen Untersuchungen eines fiktiven Krankenhauses. Für die relevanten Energiekosten einer deutschen Klinik müssen jährlich rund 1,5 Milliarden Euro aufgebracht werden, die Gesamtausgaben aller deutschen Kliniken belaufen sich auf mehr als 60 Milliarden Euro. 5800 kWh Strom und 29 000 kWh Wärme müssen pro Bett jährlich angesetzt werden - der Energiebedarf von zwei Einfamilienhäusern.

Nach Erhebungen könnten Krankenhäuser bundesweit ca. 600 Millionen Euro an Energiekosten einsparen. Der jährliche durchschnittliche CO2-Ausstoß eines Krankenhauses sei mit 3000 Tonnen hoch, meinte die Klimaschützerin. Immerhin würde dies einem jährlichen Ausstoß von 1400 Diesel-Pkw mit 15 000 km Fahrleistung entsprechen.

St.-Anna-Krankenhaus als BeispielWie sieht das in Sulzbach-Rosenberg aus? Josef Hofmann, der stellvertretende technische Leiter des St.-Anna-Krankenhauses, konnte mit aktuellen Zahlen aufwarten und ließ die Schüler zunächst schätzen. Bei einem täglichen durchschnittlichen Bedarf von 5000 kWh ergebe sich für St. Anna ein Jahresstromverbrauch von 2 Mio. kWh.

Erfreulicherweise liefern zwei PV-Anlagen (Dach und Parkdeck) bei einer Gesamtinstallation von 264 kWp ca. 235 000 kWh pro Jahr. Der Kaffeegetränkeautomat schluckt jährlich 3000 kWh, wusste der Haustechniker zu berichten. Der Betrieb des Parkdecks (Automat, Schranke, Beleuchtung) erfordere jährlich 30 000 kWh. Geheizt werde das Krankenhaus mit Erdgas, eine Wärmerückgewinnung wird genützt. Hofmann hofft auch auf den baldigen Einsatz eines Blockheizkraftwerkes. Naturgemäß erfordere ein Gesundheitsbetrieb mit hohen Anforderungen an die Hygiene einen großen Wasserbedarf, 50 bis 60 Kubikmeter täglich.

Ein besonderer Energieaufwand müsse auch für die Berufsfachschüler aufgebracht werden, denn auch energetisch sei der Container ein Provisorium. In der Klinik werden nach Auskunft von Hofmann 50 Prozent der Leuchtkörper mit LED-Technik versorgt.

Das Thema Elektromobilität wurde praxisnah abgehandelt. Katharina List und Josef Hofmann hatten ihre Elektrofahrzeuge mitgebracht, und es wurde am Beispiel gefachsimpelt. Bei allen noch vorhandenen, teilweise auch berechtigten Einwänden (Preis, Reichweite, Infrastruktur) möchte beispielsweise das ZEN (Zentrum für erneuerbare Energien in Ensdorf) dazu beitragen, dass Amberg-Sulzbach ein elektromobiler Landkreis wird.

In der Schlussrunde mit Diskussion fasste die Klimaschutzkoordinatorin noch einmal zusammen: "Es gibt viele Möglichkeiten, Klimaschutz und einen bewussten Umgang mit Ressourcen zu praktizieren. Jeder kleine Schritt zählt. Klimaschutz schlägt sich auch im Geldbeutel nieder."

Zum Thema Nachhaltigkeit gab List den Schülern abschließend zu bedenken: "Wenn wir weitere negative Veränderungen für kommende Generationen so gering wie möglich halten wollen, müssen wir unseren Lebensstil ändern." (shu)


Die Energiewende kann nur auf der untersten Ebene praktisch umgesetzt werden, also ist jeder von uns zum Mitdenken und Mithandeln aufgefordert.Katharina List
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