Kormoran-Schwarm fischt Rosenbach nahezu leer
Keine Chance für den Fisch

Ein Anblick, der nichts Gutes für die Fische verheißt: Bis zu 50 Kormorane versammeln sich regelmäßig im Stadtgebiet, um die Bäche abzugrasen. Bilder: hfz (3)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
10.01.2017
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Nicht jeder Fisch wird gefressen. Viele verletzt der Kormoran auch nur, so wie hier diesen Karpfen - die verenden dann meistens bald.

Das war's dann wohl für die Bachforelle: Sie hatte im Rosenbach gerade für Nachwuchs sorgen wollen, als das Unheil über sie hereinbrach. Aber gegen die konzertierte Aktion der schwarzen Ritter blieb der Fisch ohne Chance. Jetzt wird er vom Kormoran verdaut. Und der Bach ist wieder leer.

Es ist jedes Jahr das gleiche Spiel: Kaum sind die Teiche und Weiher gefroren, schon erscheinen sie im Stadtgebiet, die Kormorane, auch Wasserraben genannt. Übers Wochenende haben sie am Rosenbach Einzug gehalten. Die hohen Bäume geben gute Rast- und Beobachtungsplätze her.

Gemeinsames Handeln

Hans-Hermann Lier vom Fischereiverein Amberg kennt das Problem nur zu gut: Der Trupp mit bis zu 50 Vögeln schlägt sich abwechselnd im Fließgewässer den Bauch voll. Die Bachforellen haben im klaren Rosenbach keine Chance, den gemeinsam auf Jagd gehenden Vögeln zu entgehen, denn diese arbeiten meist im Team und treiben sich die Fische gegenseitig zu. Ihre scharfen Schnäbel packen sie meist sicher, und mit einem Schluck rutscht ein Fisch mit einem halben Pfund den schlanken Hals hinunter. Was sie denn so vertilgen, fragt ein Kunde der nahen Tankstelle den Fisch-Experten, denn von hier aus kann man dem Treiben gut zusehen. "Man geht davon aus, dass pro Tier und Tag rund ein Pfund Fisch benötigt wird", antwortet Lier aus Erfahrung.

Bei den zur Zeit dort aktiven Vögeln macht das an einem Tag einen halben Zentner Fisch. Jagt der Schwarm fünf Tage dort, sind zweieinhalb Zentner der Bewohner aus dem Fließgewässer verschwunden. Das kann der Bach nicht leisten. Da kommt der natürliche Nachwuchs dort kaum mit.

Reproduktion umsonst

Auch wenn sich die rotgetupften Bachforellen noch so anstrengen: Sie haben nämlich momentan Laichzeit. Im Rosenbach gibt es einige Stellen, an denen die natürliche Reproduktion noch funktioniert - selten genug. Im steinigen Untergrund werden in der Winterzeit die Fischeier versteckt, aus diesen entwickelt sich dann eine neue Generation. Wie alt sie wird, das bestimmen unter anderem die Kormorane.

Bejagung hilft

Wo kommen die Räuber eigentlich her? Hans-Hermann Lier weiß es genau: "Der Hauptteil stammt aus dem Brutgebiet an den Charlottenhofer Weihern bei Schwandorf. Die sind jetzt zugefroren." Aber auch aus der Gegend um Dießfurt bei Grafenwöhr komme regelmäßig ein Schwarm angeflogen, sogar aus dem Fränkischen Seenland. Bei uns nehmen sich die schwarzen Vögel dann Vils, Rosenbach, Spitzerbach, Lauterach und andere Bäche oder Gewässer vor.

Was ist zu tun? Die Kormoran-Verordnung erlaubt im Freistaat die zeitlich und räumlich begrenzte Bejagung. Die Revierinhaber haben sich der Probleme der Fischer und Teichwirte angenommen und bereits rund 50 Exemplare erlegt im Raum der Oberen Vils und Lauterach. Doch das löst das Problem nicht. Auch Vergrämung verlagert den Druck auf die Gewässer nur zeitweise. Was ist zu tun? Teichwirte behelfen sich schlecht und recht mit Netzen oder Spanndrähten, sie verwenden sogar Schutzkäfige für die Fische und berichten von Verlusten bis zu 80 Prozent in bestimmten Aufzuchtteichen.

In den Bachläufen dagegen würde Totholz helfen, also Baumstämme im Wasser, die dem Vogel das Tauchen schweren und den Fischen Verstecke bieten. Leider seien die Bäche aber meist komplett ausgeräumt, klagt Lier, der auch in der Vils-Allianz und im Beirat Oberpfälzer Fischereiverbände aktiv ist. Bei diesem Problem würde sogar der Biber helfen, der ja Strukturen schafft im Wasser mit seiner Arbeit. Im Stadtgebiet kann man derzeit nur tatenlos zusehen, wie die Kormorane den Bach ausräumen. Denn die schlauen Vögel sind Mannschaftsspieler, und in diesem Winter werden sie unangefochten Meister. Allerdings auf Kosten der Bachforelle.

Man geht davon aus, dass pro Tier und Tag rund ein Pfund Fisch benötigt wird.Hans-Hermann Lier
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