17.01.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Landrauen-Frühstück in Forsthof widmet sich dem Erbrecht Gültiges Testament auf Bierfilzl

"Wenn's a Geld ham, gem ses aus!", rät Hermann Schopf. Der Fachanwalt für Agrarrecht spricht damit ein Thema an, das nicht selten zu Streit und tiefen Zerwürfnissen in Familien führt: Erben und Vererben.

"Ein Erbstreit ist schneller da als man denkt." Zitat: BBV-Fachanwalt Hermann Schopf
von Helga KammProfil

Das Frauenfrühstück des Bayerischen Bauernverbands (BBV) im Hotel-Gasthof Forsthof hat Tradition. Auch dieses Mal wurden die Besucherinnen mit einem köstlichen Frühstücksbuffet verwöhnt, bevor die stellvertretende Kreisbäuerin Christine Niebler dem Referenten Hermann Schopf den Platz am Rednerpult überließ. Der Fachanwalt für Agrarrecht des BBV sprach über "Erben und Vererben", ein Thema, das vor allem in der Landwirtschaft eine große Rolle spielt. "Wenn nichts gemacht worden ist", warnte der Experte, könne ein jahrelanger Erbstreit einen Hof ruinieren, bis zur Zwangsversteigerung führen. Schopf zeigte die verschiedenen Möglichkeiten auf, mit denen zu Lebzeiten das Erben geregelt werden kann. Ein Testament sei die Voraussetzung dafür, entweder einzeln oder von Eheleuten gemeinsam gemacht. "Wenn wir selber nichts regeln, bestimmt das Gesetz, wer Erbe wird", erklärte er, und das sei im ungünstigsten Fall eine Erbengemeinschaft.

Dass ein Testament, eigenhändig geschrieben und unterschrieben, sogar auf einem Bierfilzl Gültigkeit habe, erheiterte die Zuhörerinnen. Die sichere Methode sei aber auf jeden Fall ein mit einem Notar verfasstes Testament. "Selber geschriebene Testamente gehen gern verloren", weiß der Anwalt aus seiner Tätigkeit. Eine Verwahrung beim Amtsgericht sei deshalb anzuraten.

Werde der letzte Wille mehrmals schriftlich festgehalten, so gelte immer das nach dem Datum jüngste Testament. Dass ein von Ehepaaren gemeinsam verfasstes Dokument auch nur von beiden und nur über einen Notar verändert werden könne, verhindere, "dass vielleicht die Hausfreundin klammheimlich als Erbin eingesetzt wird".

Beim Vererben einer Immobilie zähle in der Landwirtschaft nicht der Verkehrswert, sondern der niedrigere Ertragswert. Vor der früher auf dem Land üblichen Gütergemeinschaft warnte der Redner. Sie müsse, sofern vereinbart, unbedingt auf den neuesten Stand gebracht werden.

Als dritte Testament-Variante nannte er den Erbvertrag, der, vor einem Notar geschlossen, nicht mehr verändert, aber durch ein Vermächtnis ergänzt werden könne, wenn sich andere Lebensumstände ergeben.

"Ein Erbstreit ist schneller da als man denkt", gab der Redner zu bedenken, "deshalb ist es wichtig, genau zu regeln, wer was bekommen soll". Für zu Lebzeiten an Kinder gemachte Schenkungen empfahl Schopf die Anrechnung auf das künftige Erbe durch einen sogenannten Pflichtteilverzicht. Das bedeute Ruhe in der Familie und bei den Kindern. "Die Eltern haben freie Hand, können trotzdem noch vererben, müssen aber nicht."

Dass Erben und Vererben gar nicht so einfach ist, war das Fazit der morgendlichen Veranstaltung. Hilfe aber, so Hermann Schopf, gebe der Bauernverband. Er stellte den Frauen Simon Lösch als BBV-Fachberater vor, der bei Problemen jeden ersten Donnerstag im Monat in der Amberger Geschäftsstelle mit Rat und Tat zur Seite stehe.

Ein Erbstreit ist schneller da als man denkt.BBV-Fachanwalt Hermann Schopf

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.