15.10.2004 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Laptop und Lederhose: "kirwa.net" verbindet Moderne und Althergebrachtes im Landkreis Eine verschworene Gemeinschaft

Das geflügelte Wort vom "Laptop und der Lederhose" - im Landkreis Amberg-Sulzbach wird es tatsächlich gelebt. Mit dem "kirwa.net" haben Jugendliche eine starke Gemeinschaft gegründet, die Moderne und Althergebrachtes ideal verbindet.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Die Internet-Adresse "kirwa.net" ist für viele Jugendliche aus dem Raum Amberg-Sulzbach nicht mehr wegzudenken. Jeden Montag sind unter dieser Domain die aktuellen Bilder von den Geschehnissen der Kirchweihen des vergangenen Wochenendes veröffentlicht.

Bei aktuell 119 verzeichneten Kirchweihen im Landkreis Amberg-Sulzbach und geschätzten 5000 in der Kirchweih-Szene aktiven Jugendlichen ein heiß begehrtes Angebot. An manchen Wochenenden feiern bis zu zehn Ortschaften gleichzeitig Kirchweih, da kann selbst der eifrigste Kirchweih-Gänger nicht überall gewesen sein.

119 Kirchweihfeste

"Jede Kirwagesellschaft steht zwar für sich", weiß kirwa.net-Mitbegründer Uli Iberer aus Hahnbach, "zusammen aber sind die Kirwaburschen und -moidln eine riesige verschworene Gemeinschaft." Dass sich eine solche Kommunikationsplattform gründet, sei deshalb nur eine Frage der Zeit gewesen. "Die Gegebenheiten forderten diesen Schritt geradezu heraus."

Die Gegebenheiten, das sind besagte 119 Kirchweihen, die von April bis November für einen einzigartigen Veranstaltungsreigen im Amberg-Sulzbacher Land sorgen. Seit den 70er Jahren erlebt das alte Brauchtum des Kirchweih-Feierns in der Region eine nie gekannte Blüte. Die Besonderheit: Vor allem die Jugendlichen interessieren sich für das Brauchtumsfest.

Heimatpfleger aus ganz Bayern blicken verwundert auf den Kirwa-Boom in der Oberpfalz. Während sich zum Beispiel in Oberbayern Jugendliche nur unter großen Anstrengungen für Volksmusik und Brauchtum gewinnen lassen, "rennen die Jungs und Mädels ab 16 Jahren den Kirwagemeinschaften die Bude ein", bestätigt Kirwabursch Dieter Kohl aus Massenricht.

Wer bei so einer Kirwa dabei ist, ist voll eingebunden in ein Brauchtumsfest, dessen Wurzeln bis in heidnische Zeiten zurückgehen. Höhepunkt einer Kirwa ist immer das Austanzen des geschmückten Kirwabaumes - eines uralten Symbols für Leben und Fruchtbarkeit. Dabei werden "Schnodahüpfln" und überlieferte Kirwalieder gesungen.

Nach jedem Kirwa-Wochenende zwischen April und November herrscht Hochbetrieb im kirwa.net. Die Kirwaburschen und -moidln des einen Ortes informieren sich darüber, was im anderen Dorf los war. Hunderte Kirwabesucher blättern die Bildergalerieen durch, ob sie auf einem der aktuellen Fotos zu sehen sind.

Ein Geheimtipp

Aber nicht nur bei den Kirwa-Freaks ist das kirwa.net beliebt. Da für alle 119 Kirwa-Orte eine detaillierte Wegbeschreibung hinterlegt ist, nutzen auch viele Wanderer und Radfahrer das Angebot. Aber nicht nur sie. viele Auswärtige begutachten Woche für Woche staunend das lustige Kirwatreiben in der Oberpfalz. Nicht umsonst wurde das kirwa.net 2002 vom Radiosender Bayern 3 als Geheimtipp ausgezeichnet.

Weitere Informationen im Internet: www.kirwa.net

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