23.03.2018 - 17:14 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Loderhof-Vorfall: Landratsamt befürwortet Gesundheits-Check für Waffenbesitzer Schuss wirft Loch und Frage auf

Es ist ein eher tragischer Fall, aber er hätte noch tragischer enden können: Ein 76-jähriger, unter starkem Medikamenteneinfluss stehender Mann schießt am Loderhof durch seine Schlafzimmertür, weil er einen Einbrecher dahinter vermutet. Er fantasiert offenbar, glücklicherweise ist niemand in der Wohnung - die Pistolenkugel schlägt ohne weitere Schäden in die gegenüberliegende Wand ein. Und sie wirft eine heikle Frage auf: Wie ist mit Waffenbesitzern umzugehen, die aus gesundheitlichen, psychischen oder suchtbedingten Ur- sachen unter Kontrollverlust leiden?

Der Blick in die Mündung eines geladenen Revolvers - hier vom Kaliber 357 Magnum - ist beängstigend, vor allem, wenn der Besitzer nicht Herr seiner Sinne ist. Bild: Hartl
von Thomas Amann Kontakt Profil

Das erste Problem dabei: Wie sollen die Behörden auf solche Zustände aufmerksam werden? Das ist tatsächlich schwierig, bestätigt Harald Herrle, der stellvertretende Pressesprecher des Landratsamts Amberg-Sulzbach. Nach seiner Auskunft gibt es zwar von Amts wegen alle drei Jahre eine Regelüberprüfung plus eine polizeiliche Kontrolle sämtlicher Waffenbesitzkarteninhaber. Beides würde aber im Hintergrund ohne Kontakt zum Betroffenen quasi rein per Akteneinsicht und mit Blick aufs polizeiliche Führungszeugnis laufen. Haben sich hier keine auffälligen Veränderungen ergeben, werden Zuverlässigkeit und persönliche Eignung des Waffenbesitzers erst mal weiter als gegeben angenommen. Beide Faktoren sind zwingende Voraussetzung fürs Erhalten und Behalten von Jagd-, Sport- oder Sammlerwaffen.

"Eine Überprüfung der gesundheitlichen Eignung findet nicht statt, das unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht", schränkt Herrle ein und findet das angesichts solcher Vorfälle wie am Loderhof durchaus bedauerlich. Denn nur so hätte das Kreisverwaltungs- oder Ordnungsamt möglicherweise eine Handhabe, prophylaktisch zu wirken. Sprich, einen Waffenbesitzer zur Abgabe seiner Waffen und -besitzkarten aufzufordern oder das gegebenenfalls auch zu erzwingen. "Aus unserer Sicht wäre das vielleicht sinnvoll", meinte der Vize-Pressesprecher und zog einen Vergleich zum Thema Lkw-Führerschein. Lastwagenfahrer müssten sich alle fünf Jahre einer ärztlichen Untersuchung unterziehen, weil sie meist mit tonnenschweren Fahrzeugen unterwegs sind, die ebenfalls eine gewisse Gefahr darstellen. Das Waffenrecht schreibt solche Pflichtnachweise nicht vor, außer wenn die Behörde selbst Zweifel am Zustand eines Betroffenen hegt. Dann kann sie laut Herrle von sich aus Untersuchungen veranlassen.

Dazu ist aber in der Regel erst einmal ein Tipp aus dem Umfeld des Mannes oder der Frau erforderlich. "Wir bemühen uns ja, aber bestimmte Dinge können wir nicht wissen, wenn wir keine Hinweise haben, denen wir nachgehen können", fasste Herrle die aktuelle Rechtssituation zusammen. Deshalb wünschten sich die Behörden, dass der Gesetzgeber ruhig über eine gesundheitliche Eignungsprüfung für Waffenbesitzer - zumindest ab einem gewissen risikobehafteten Alter - nachdenken sollte. Angemerkt/Hintergrund

Hintergrund

Viele Sportschützen und Jäger werden jetzt vielleicht aufheulen, weil der Schuss in der Wohnung am Loderhof "so groß in der Zeitung steht". Durch nicht selten aufgebauschte und (waffen-) rechtlich unkorrekte Berichterstattung fühlen sie sich zu Unrecht pauschal verfolgt. Deshalb zur Klarstellung: Der Rentner, der seine Waffen legal besitzt, hatte in seiner Wohnung das Recht, eine Pistole zu nehmen und sich notfalls damit zu verteidigen. Gerade bei einem möglichen Angriff im besonders geschützten häuslichen Bereich, wo ein oder mehrere Einbrecher für jeden Bürger ein Horrorszenario sind. Natürlich darf man auch bei dieser Bedrohungslage nicht blind drauflosballern, sondern muss die Nerven bewahren und nach der Verhältnismäßigkeit der Mittel handeln. Gezieltes Schießen - nicht in Tötungsabsicht, sondern nur, um einen Angreifer bei Gefahr für Leib oder Leben zu stoppen - wäre nur in einer Notwehr- oder Notstandssituation erlaubt, die das Gesetz genau definiert. (ath)

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