Nach Wildunfällen mahnt die Polizei zur Vorsicht
Fünf tote Wildtiere in 24 Stunden

Foto: Martin Schutt/dpa
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
05.09.2017
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Die ersten Nebelschwaden wabern, die Tage werden kürzer. Reh, Fuchs, Dachs, Wildsau und Hase sind unterwegs. Eine gefährliche Zeit für das Wild, aber auch für Autofahrer, wenn die Tiere über Straßen wechseln. Aktuelles Beispiel dafür sind fünf Wildunfälle, die binnen 24 Stunden allein im Bereich der Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenberg vermeldet wurden.

Los ging's am Montag früh kurz vor 7 Uhr: Auf der B 85 lief zwischen dem Sportgelände des SV Loderhof und dem Sulzbacher Kreuz, in unmittelbarer Nähe der Ausfahrt St.-Anna-Krankenhaus, ein Reh über die Straße. Es wurde von einem Omnibus erfasst und getötet.

Ein neuralgischer Punkt

Am Abend dieses Tages folgte dann der nächste Unfall auf der Kreisstraße AS 11 in Richtung Forsthof. Gegen 20.30 Uhr war es wiederum ein Reh, das nach der Kollision mit einem Pkw verendete. Nur eine halbe Stunde später der nächste Fall dieser Art: dieses Mal auf der Bundesstraße 14 bei See.

Damit nicht genug, setzte sich die Serie, nicht weit davon entfernt, am Dienstag um 5.10 Uhr auf der B 14 bei Kauerhof fort. Hier fand ein Dachs den Tod. Offensichtlich ein wirklich neuralgischer Punkt für Wildunfälle, denn kurz nach 7 Uhr war es wiederum ein Reh, das dort in einen Lkw lief und dabei getötet wurde. Alles in allem entstand bei den fünf Zusammenstößen ein Sachschaden von rund 7000 Euro.

Der stellvertretende Leiter der Sulzbach-Rosenberger Inspektion, Peter Krämer, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass gerade im Herbst, der mit Frühnebel in diesen Tagen seine deutlichen Spuren zeigt, die Zahl der Wildunfälle drastisch ansteige: "Besonders wenn es dämmert, am frühen Abend oder am Morgen müssen Verkehrsteilnehmer in Waldstücken und auch in der freien Fläche damit rechnen, dass Tiere eine durchführende Straße queren."

Der Hauptkommissar appelliert an Verkehrsteilnehmer, entsprechend vorsichtig zu fahren und ihre Geschwindigkeit den Begebenheiten anzupassen. Vielfach tauche das Wild in einer Entfernung von nur rund 20 Metern oder noch weniger vor den Fahrzeugen auf, und das meist nicht nur allein, sondern oft auch im Rudel. Und Krämer fügt hinzu: "Wer zu schnell fährt, hat keine Möglichkeit, einen Zusammenstoß mit Wildtieren zu vermeiden."

Polizei verständigen

Sein Tipp, wenn es zu einem Wildunfall gekommen ist: "Auf jeden Fall die Polizei verständigen. Diese informiert dann den zuständigen Jagdpächter, der sich um das getötete oder verletzte Tier kümmert. Außerdem benötigt der Autofahrer eine entsprechende Bescheinigung, um den Schaden mit seiner Versicherung abrechnen zu können."

Rush hour auf Feld und StraßeAuch der Bayerische Jagdverband (BJV) ruft in diesen Tagen zur erhöhten Vorsicht auf. Er schreibt: "Nach der Ernte ändert sich der Lebensraum für Schwarzwild, Reh, Hase und Fasan großflächig und drastisch. Wo sie zuvor Äsung und Deckung fanden, stehen innerhalb weniger Stunden nur noch Stoppeln auf den Feldern: Der Tisch ist abgeräumt - die Wohnung zerstört! Für die Wildtiere stellt diese alljährliche Veränderung ihres Lebensraums eine Notsituation dar, sie sind im sogenannten Ernteschock. BJV-Präsident Professor Jürgen Vocke: ,Stellen Sie sich vor, Sie kämen am Abend nach Hause und würden Ihr Haus oder Ihre Wohnung nicht mehr auffinden - so ergeht es derzeit unzähligen Wildtieren. Sie irren auf der Suche nach einem geeigneten Lebensraum verwirrt umher, stehen unter dem sogenannten Ernteschock.'

Da ihr Futterplatz geräumt ist, begeben sich die Wildtiere auf die Suche nach neuen Äsungsflächen und Einständen. Ihre Wege dorthin führen sie nicht selten über unser dichtes Straßennetz. Von Hunger getrieben, überqueren sie häufiger als gewöhnlich auch dicht befahrene Straßen - bevorzugt in der Dämmerung, der Hauptverkehrszeit. Daher gilt das oberste Gebot: Erhöhte Vorsicht und Bremsbereitschaft. Autofahrer müssen gerade im Herbst damit rechnen, dass ein Tier unerwartet auf die Fahrbahn läuft. Da sich Wildtiere in dieser Jahreszeit zu sogenannten Sprüngen oder Rotten versammeln, folgen einzelnen Tieren oft weitere nach. Fallendes Laub, Nässe, Nebel und Verschmutzungen der Straßen durch Erntefahrzeuge stellen zudem eine Gefahrenquelle dar. Sie führen zu rutschigen Belägen und verlängerten Bremswegen." (ben)
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