Neubaugebiet erweckt Diskussion um Alten Postweg
Steiniger Weg nach Kempfenhof

Grundsätzlich ist die Durchfahrt mit dem Pkw hier verboten, das sagt das Verkehrsschild. "Anlieger frei" heißt nicht, dass jeder, der ein Anliegen hat, durchfahren darf. Anwohner oder Anlieger dürfen den Weg benutzen, allerdings nur die, die auch in der Zone wohnen oder dort jemanden besuchen. Sie endet am Ortsschild Kempfenhof. Der landwirtschaftliche Verkehr sowie Sondergenehmigungen sind frei. Bild: Andreas Royer
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
01.03.2018
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Eine Vollsperrung oder ein Ausbau des Alten Postwegs/ Kempfenhofer Wegs - weiter voneinander entfernt könnten diese Optionen nicht sein. Wenn es nach der Interessengemeinschaft Kempfenhof geht, sollte am besten gar nichts passieren. Eine Möglichkeit, mit der sich die Anwohner rund um das Gymnasium nicht zufriedengeben können.

Im Wesentlichen gab es die Diskussion zur Benutzung des Kempfenhofer Wegs schon einmal - bei der Erschließung des Neubaugebiets vor 23 Jahren. Damals gründete Gerhard Fleischmann zusammen mit Anwohnern die Interessengemeinschaft Kempfenhof (IG), um ihre Ortsanbindung zu verteidigen.

Zu viele Autos

Der Grund: Täglich pendeln etliche Kempfenhofer zwischen Sulzbach und ihrem Wohnort hin und her. Auch Auswärtige nutzen die Strecke als Abkürzung zur B14. Das hohe Verkehrsaufkommen finden die Anwohner an dieser Straße nicht mehr zumutbar. Sie fordern eine Vollsperrung, die für die IG nicht in Frage kommt. "Im Moment läuft alles. Wenn schon was geändert werden muss, dann eher ein Straßenausbau, um die Sicherheit zu erhöhen", sagt Gerhard Fleischmann, der Vorsitzende der IG. Er selbst sieht die Straße als nicht gefährlich an. "Es hat in all den Jahren nur einen Unfall gegeben", sagt er. Die schnelle Ortsanbindung über den Alten Postweg wollen die Kempfenhofer nicht missen. "Wir suchen gerne den Dialog mit den Anwohnern in der Blumenau. Aber sie sollen bitte Vorschläge machen und nicht auf uns einprügeln. Wir sollten uns solidarisieren." Laut Fleischmann ist ihr Problem eher das hohe Verkehrsaufkommen, dass dem Herzog-Christian-August-Gymnasium geschuldet ist.

"Klar verursacht die Schule viel Lärm, aber das ist halt so, wenn man daneben wohnt", kommt Dieter Pirner stellvertretend für die Anwohner der Blumenau zu Wort. Er ist direkt betroffen, wohnt in der Wilhelm-Sträubig-Straße. Der zweifache Vater hat die Hoffnung, dass die Autofahrer einen Denkanstoß bekommen. "Jeder, der die Straße benutzt, sollte sich überlegen, ob es ihn nicht auch stören würde." Er ist kein Einzelkämpfer. Die Nachbarn stehen hinter ihm. "Einer musste es halt mal sagen." Die Forderung der Anwohner: ein komplettes Pkw-Fahrverbot auf dem Alten Postweg/Kempfenhofer Weg. Genau genommen gilt das schon seit vielen Jahren. "Anlieger frei" heißt es am Beginn der Straße. Dazu ein Verbotsschild für Pkw. Was das bedeutet, hat sich Pirner genau erklären lassen. "Anlieger frei ist nicht gleich Anwohner frei. Es heißt lediglich, dass Landbesitzer innerhalb der beiden Schilder das Recht haben, sie zu benutzen, wie beispielsweise Landwirte." Eine Sondergenehmigung haben auch Mitglieder des ansässigen Freizeit-Fußball-Vereins Schall'ke 62 und der Linienbus.

Eigentlich verboten

Es begehen also alle, die nicht darunter fallen, eine Ordnungswidrigkeit. "Wir sind im Recht und können darauf pochen", gibt Pirner zu bedenken. Die Stadt zeigt sich bisweilen kulant. Strafen gibt es keine. Pirner: "Es geht nicht nur den Sulzbachern so, auch die Kempfenhofer an dieser Straße beschweren sich." Hinzu kommt, dass die Autofahrer 100 Stundenkilometer fahren dürfen, obwohl die Straße zum Fünf-Flüsse-Radweg gehört. Auch bei Spaziergängern ist die Strecke beliebt.

Ein Ausbau der Straße ist für ihn keine Option. "Dann fahren da ja noch mehr", sagt der 46-Jährige. Das Argument der IG, dass "außenrum" fahren das Doppelte an Fahrtzeit beanspruche, findet Pirner schwach: "Wenn aus zwei Minuten vier Minuten werden, ist das immer noch sehr kurz. Warum dann nicht einen kleinen Umweg fahren? Das ist auch eine Frage des Respekts vor den Anwohnern an dieser Strecke."

Wir sollten uns solidarisieren.Gerhard Fleischmann, IG Kempfenhof


Hintergrund1995 wurde ein neues Baugebiet in Kempfenhof erschlossen. Aus Angst vor einem zu hohen Verkehrsaufkommen und einer starken Lärm- und Schmutzbelästigung forderten die Anwohner der Blumenau die Sperrung des Alten Postwegs. Problematisch, denn die Kempfenhofer wollten ihre Ortsanbindung nicht verlieren. "Wir haben uns darauf geeinigt, dass die Straße nur für Anlieger frei ist", erklärt Gerhard Fleischmann. "Mit dieser Lösung konnten alle leben." Die aktuelle Erschließung des neuen Baugebiets ruft alte Stimmen hervor. Vor allem die Anwohner rund um das HCA-Gymnasium fordern, dass die Kempfenhofer doch bitte die B14 benutzen sollen, um nach Sulzbach zu gelangen.

Manche wären auch schon mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung zufrieden, denn nicht selten wird die enge Straße zur Rennstrecke. Für ein neues Baugebiet geplant sind etwa 44 Parzellen, geschätzt fahren dann also bis zu 100 Autos mehr am Tag diese Strecke. (anv)
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