23.01.2018 - 15:52 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Neuer Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe am St.-Anna-Krankenhaus: Zukunft für den Nachwuchs

Die Suche nach Ärzten für die Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe wird für Krankenhäuser immer schwieriger. Klaus Emmerich, Vorstand der Landkreis-Kliniken, sieht in hohen Haftpflichtversicherungen eine Ursache dafür. Doch jetzt wartet er mit einer guten Nachricht auf.

Es wird auch weiterhin Babygeschrei von echten Sulzbach-Rosenbergern im St.-Anna-Krankenhaus zu hören sein. Mit der Neubesetzung des Chefarztpostens der Fachabteilung Gynäkologie/Geburtshilfe stellt das Kommunalunternehmen die Weichen für kommende Jahre. Bild: Arno Burgi/dpa
von Andreas Royer Kontakt Profil

Wenn sich eine Kommune wie die Herzogstadt auch über die in ihren Mauern geborenen neuen Erdenbürgern definiert, darf die Einstellung von Dr. Sascha Vietoris als neuen Chefarzt der Fachabteilung zum 1. Mai sicher als zukunftsweisende Entscheidung gewertet werden. Wie Vorstand Klaus Emmerich vom Kommunalunternehmen Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach im Pressegespräch informiert, ist der Anlass für die Neubesetzung der Spitzenposition der Fachabteilung Gynäkologie/Geburtshilfe im St.-Anna-Krankenhaus das Ausscheiden des langjährigen Chefarztes Jörg-Dietrich Dodenhöft. Er hat sie 28 Jahre geleitet und weiterentwickelt.

Als seinen Nachfolger hat der Verwaltungsrat zum 1. Mai Sascha Vietoris ernannt. Vietoris stammt aus Issum in Nordrhein-Westfalen und hat in seiner Jugend das Ungarische Gymnasium in Kastl besucht. "Er verfügt über eine langjährige Berufserfahrung als leitender Oberarzt sowie über eine einjährige Berufserfahrung als gynäkologischer Chefarzt. Er passt hinsichtlich seiner Fachexpertise und seines menschlichen Auftretens ausgezeichnet in das Team des Krankenhauses", so Verwaltungsratsvorsitzender Landrat Richard Reisinger und Vorstand Klaus Emmerich. Wie das Kommunalunternehmen weiter informiert, seien Vietoris wegen mehrjähriger Einsätze im Klinikum St. Marien Amberg, im Universitätsklinikum Regensburg und im Klinikum Nürnberg die Oberpfalz und die Metropolregion Nürnberg bestens vertraut. Zuletzt arbeitete er als Chefarzt an der Kreisklinik Dillingen.

Als Gynäkologe habe sich Vietoris onkologisch spezialisiert. Namentlich seien den niedergelassenen Gynäkologen die Schwerpunktbezeichnung "Gynäkologische Onkologie", die Zusatzbezeichnung "Medikamentöse Tumortherapie" sowie der "Senior-Mammaoperateur" nach Onko-Zert genannt. Zusätzlich deckt Dr. Vietoris ein breites geburtshilfliches Leistungsspektrum ab.

Warum hat sich Vietoris für das St.-Anna-Krankenhaus entschieden? Auf diese Frage der SRZ-Redaktion benennt der Arzt die besondere Atmosphäre der "Klinik mit Herz". Hinzu kämen seiner Meinung nach die kurzen Entscheidungswege des Krankenhauses, eine überschaubare Fachabteilung, ein hoher Qualitätsstandard sowie Leistungen, die sich onkologisch weiterentwickeln lassen. Schon in den Bewerbungsgesprächen habe er das Flair und die gute Atmosphäre verspürt.

Sanierung

Mit der Auswahl des neuen Chefarztes gibt der Verwaltungsrat nach eigenen Angaben ein klares Bekenntnis zur Fachabteilung Gynäkologie/Geburtshilfe als unverzichtbaren Bestandteil des St.-Anna-Krankenhauses ab. Wie wichtig dem Kommunalunternehmen diese Fachabteilung ist, unterstreicht Landrat Reisinger durch ergänzende Maßnahmen. "In enger Abstimmung mit der Klinikleitung haben wir erst kürzlich die Entbindungsstation sowie den Kreißsaal komplett saniert." Laut Auskunft von Vorstand Emmerich wird im Herbst 2018 zusätzlich die sanierte Station Gynäkologie eröffnet. Medizintechnik, Räumlichkeiten und Leitung der Abteilung - alles neu und zukunftsorientiert aufgestellt. "Nicht ganz - denn Gynäkologe Dr. Dodenhöft bleibt dem St.-Anna- Krankenhaus als Spezialist erhalten. Aufgrund von Sonderermächtigungen wird er dem Krankenhaus für ambulante diagnostische Mammografie sowie für das Mammografiescreening weiter zur Verfügung stehen", ergänzt Emmerich. (oy)

Vorstand Klaus Emmerich im SRZ-Gespräch

SRZ: Herr Emmerich, ganz aktuell gibt es vom Amberger Nachbar-Klinikum wieder eindeutige Avancen für eine Kooperation oder gar mehr. Was ist für Sie realistisch?

Klaus Emmerich: Grundsätzlich sperrt sich unser Kommunalunternehmen keiner Zusammenarbeit. Voraussetzung ist aber immer, dass wir unser gegenwärtiges Leistungsspektrum nicht aufgeben. Wir werden aber weiterhin Plan-Krankenhaus der Versorgungsstufe 1 mit den Abteilungen Chirurgie, Gynäkologie/Geburtshilfe, HNO und Innere Medizin inklusive Unterabteilungen bleiben.

Warum werden gerade auch für Krankenhäuser Zusammenschlüsse oder Kooperationen immer wichtiger?

Die Gesundheitsbranche steht unter einem enormen Kostendruck, deshalb versuchen viele Kliniken, finanzielle Belastungen zu reduzieren. So sind bereits das St.-Anna-Krankenhaus und die St.-Johannes-Klinik in einem gemeinsamen Unternehmen zusammengefasst, um hier Synergieeffekte auszuschöpfen. Für das Kommunalunternehmen Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach gilt aber weiterhin, sich auf seine bestehenden Angebote und Fähigkeiten zu konzentrieren, diese auszuweiten und damit die vom Gesetzgeber geforderte hohe medizinische Qualität sowie Fachkompetenz zu gewährleisten.

Wie könnte man dem starken Kostendruck entgegentreten?

Hier wäre natürlich in erster Linie auch die große Politik oder der Gesetzgeber gefragt, um entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, die auch kleinen Kliniken in der Region Luft zum Atmen geben. Ich könnte mir vorstellen, dass sich hier Experten aus Politik und Gesundheitswesen zusammensetzen, um die Krankenhauslandschaft in der Region sinnvoll zu gestalten. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass öffentlich-rechtliche Krankenhäuser, die gute Qualität bieten und nach Tarif zahlen, aktuell kaum kostendeckend arbeiten können.

Warum ist es eigentlich so schwer, Ärzte der Fachrichtung Gynäkologie und Geburtshilfe zu finden?

Nun, ich denke, dass bei der Geburtshilfe die hohen Kosten für Haftpflichtversicherungen wegen eventueller Spätfolgen bei den zur Welt gebrachten Kindern eine Rolle spielen. Gleiches gilt für Beleghebammen, bei denen meist eine schlechte Bezahlung hinzukommt. (oy)

 

 

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