Obstverwertung wird bald schließen
Ernte fällt heuer praktisch aus

Es kommt nix rein: Anni Rösel wartet heuer vergeblich an der Waage und am Förderband auf die Apfellieferungen. Ihre sonst so treuen Stammkunden blieben heuer mangels Masse fast alle aus. Bilder: Gebhardt (2)
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Sulzbach-Rosenberg
12.09.2017
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Wenn um halb fünf Uhr morgens die Presse arbeitet in der Hofgartenstraße, dann geben die Äpfel ihren kostbaren Saft ab. In der Regel bis Anfang November läuft die Produktion. Und heuer? "Eine Katastrophe!", bilanziert Anni Rösel.

Die Inhaberin der einzigen Großpresse im hiesigen Raum wartet täglich auf Obstanlieferungen - meist umsonst. Es gibt einfach zu wenig. Anni Rösels Fazit: "Dann werde ich heuer Schluss machen."

In der Tat, es ist ein kleiner Haufen von vielleicht 30 Zentnern Äpfeln, der da im Bunker liegt. Das Förderband steht still, weil keine Kunden kommen. Anni Rösel hat so etwas schon lange nicht mehr erlebt. Sie führt die schlechte Ernte auf die Minus-Temperaturen im Frühjahr zurück, die viele Blüten erfrieren ließ. Späte Nachtfröste noch im April hätten im ganzen Bundesgebiet den Obstbäumen sehr geschadet und den Ertrag überall weit unter den Durchschnitt sinken lassen. Auch der Schnee habe heuer sehr geschadet.

Seit August Flaute

Das alles schlägt sich in der Anlieferung nieder - vielmehr im Fehlen derselben. "Am 28. August haben wir begonnen, Obst anzunehmen", erinnert sich Anni Rösel. Zuerst kam wenig herein, dann sank die Quote weiter. "Wir haben erst zwei Mal gepresst - normalerweise haben wir Mitte September schon sechs, sieben Durchgänge absolviert."

Die alten Kunden aus der Stadt und dem Landkreis, dem Schwandorfer und dem fränkischen Raum, die sonst zuverlässig jedes Jahr ihre Ernte-Säcke in die Hofgartenstraße karrten, bleiben heuer aus. "Nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie einfach nichts haben", weiß Rösel. Im Vergleich mit einem durchschnittlichen Jahr schätzt sie die bisherige Anlieferung auf deutlich unter zehn Prozent.

Acht Wochen früher zu

Es wird wohl noch eine Pressung werden mit den angesammelten Restbeständen, dann will Anni Rösel für heuer den Betrieb einstellen. "Es rentiert sich einfach nicht, die Äpfel wochenlang liegen zu lassen, bis genug beieinander ist für die Verarbeitung. Ist ja schade drum, wenn sie faul werden."

Rund acht Wochen früher als sonst schließt also die Obstverwertung ihre Pforten. Apfelsaft und die anderen Sorten wird es natürlich weiterhin geben. Aber das Warten auf die Autos mit vollen Anhängern oder Kofferräumen, das gibt Anni Rösel demnächst auf.
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