Ökumenischer Kleiderladen feiert 25 Jahre Bestehen
25 Jahre Hilfe Hand in Hand

Das Angebot im Kleiderladen ist riesengroß und erstreckt sich über drei volle Etagen im Hintergebäude der Frühlingstraße 12..
 
Christine Lier (links) und ihre Vorgängerin Anneliese Meier (hier mit einer treuen Kundin) vertreten die 32 ehrenamtlichen Damen im Stab des Ladens. "Auch ein Herr könnte sich mal bewerben", meinten beide übereinstimmend. Bilder: Gebhardt (2)

Ökumene macht Sinn. Und kann viel Gutes bewirken. Das beweist sich an einem Musterbeispiel von guter Zusammenarbeit in der Frühlingstraße12. Dort feiert der ökumenische Kleiderladen am Freitag sein 25-jähriges Bestehen. Er hat schon zahllosen Menschen in teils tiefer Not geholfen.

Vier Kirchengemeinden gibt es in der Stadt. Sie alle sind gemeinsam Träger des Projektes. "Wir haben so viel Unterstützung erfahren und konnten diese an eine große Zahl von Menschen weitergeben", diese Kernaussage stellt Leiterin Christine Lier der Einladung voran: "Wir feiern das Jubiläum in einem Gottesdienst am Freitag, 27. Oktober, um 18 Uhr in der Spitalkirche."

Zeit für einen kleinen Rückblick: Wie fing das alles eigentlich an? Anlass zur Entstehung des ökumenischen Kleiderladens in seiner jetzigen Form, so erinnert sich Lier, war in den 90er Jahren die Ankunft von Asylbewerbern. Bereits zuvor bestand in der katholischen Kirchengemeinde St. Marien am Pfarrplatz auf dem Dachboden der Familie Ertl, später am Pfarrplatz 3, eine erste Kleidersammelstelle.

Als dann 1991 eine hohe Zahl von Asylbewerbern in die Herzogstadt kam, halfen zunächst viele Bürger mit Kleidung, Fahrrädern oder Kinderwägen und gaben diese meist in der Unterkunft direkt ab. Doch die gerechte Verteilung war ein Problem: Es entstand die Idee der zentralen Einlieferung und geordneten Weitergabe.

Ab 1992 eingezogen

Als die Kleidersammelstelle in der Pfarrgasse 3 wegen Umbau geräumt werden musste, wurden neue Räume gesucht. Christine Lier blickt zurück: "Als erste Stelle fungierte ab 1. April 1991 die Brauhausgasse. Dort übernahmen ehrenamtliche Helferinnen aus St. Marien und Christuskirche sowie des Arbeitskreises Asyl die Betreuung des Kleiderladens. Die Abgabe an Bedürftige war kostenlos, die Miete von 50 Mark übernahmen die Sulzbacher Kirchengemeinden."

Doch das war noch nicht die Endstation: "Da das Haus geräumt wurde, fanden wir neue geeignete Räumlichkeiten ab 1. Dezember 1992 in der Frühlingstraße 12 - 100 Quadratmeter auf drei Etagen." Ab diesem Tag übernahmen die vier Sulzbach-Rosenberger Kirchengemeinden die Trägerschaft des ökumenischen Kleiderladens: die katholischen Kirchengemeinden St. Marien und Herz Jesu, die evangelisch-lutherischen Christuskirche und St. Johannis. Der Vorsitz wechselt jährlich. 2017 hat ihn Pfarrer Roland Kurz (Christuskirche).

Riesen-Andrang

Dann, so weiß Christine Lier, kam es zu einer besonderen Situation ab Sommer 2015: "Die vergleichsweise ruhige Zeit im Kleiderladen hatte plötzlich ein Ende, am 4./5. August kamen die ersten Flüchtlinge." Der Kleiderladen vereinbarte mit dem Landratsamt zusätzliche Öffnungszeiten, um den Bedarf zu decken. Als sich der Vorrat verringerte, stieß ein Aufruf für Kleiderspenden auf große Resonanz. "Unsere Arbeit hat sich seit Beginn der großen Fluchtwelle geändert: Es wurde jetzt bei jeder Öffnungszeit sehr stressig." Jeden Tag kamen rund 20 Flüchtlinge, die besonderen Betreuungs- und Beratungsbedarf hatten. Und die Verständigung war natürlich schwierig. Noch heute gilt: Flüchtlinge bekommen grundsätzlich die Erstausstattung gegen Nachweis umsonst, danach zahlen sie den halben Preis.

Mit der "Stammkundschaft" kam es häufiger zu aufreibenden Diskussionen. "Angst und Neid, dass Flüchtlinge bevorzugt werden, waren und sind leider weit verbreitet", erklärt die ehrenamtliche Helferin. Aber: Die Situation wurde gemeistert - "wir haben es geschafft!"

Wer darf sich Kleidung holen? Ganz einfach: Jeder, der etwas sucht oder braucht. Daran hat sich nichts geändert. Ob Kriegsflüchtlinge, Aus- oder Übersiedler, Hartz-IV-Empfänger, Alleinerziehende oder andere - der Kleiderladen steht jedem offen. Ganz im Sinne der Ökumene, die hier bestens funktioniert.

Annahme und AngebotDas Warenangebot umfasst neben einem vielfältigen Kleidungsangebot (vom Baby bis zu den Senioren) auch Bett- und Tischwäsche, Geschirr, Gläser, Besteck, Töpfe, Schuhe, Spielsachen, Kinderwagen, Bücher. Gelegentlich werden auch Fahrräder, Mobel etc. an Interessierte vermittelt.

Einkaufen kann man jeden Dienstag und Donnerstag, jeweils 10 bis 11 und 15 bis 16 Uhr. Anlieferung ist möglich Mittwoch von 8 bis 9 Uhr und Samstag von 10 bis 11 Uhr. Die Artikel kosten zwischen einem und fünf Euro. Nichts von den gespendeten Sachen geht verloren. Was im Kleiderladen selbst nicht verwertbar ist, wird mehrfach sortiert und geht in Krisengebiete.

Nur eines stört gewaltig: Des öfteren stellen Unbekannte einfach Kartons mit Kleidung, Bettzeug oder jüngst sogar Fernseher oder Bildschirme einfach vor die Tür auf den Gehsteig der Frühlingstraße. "Das müssen wir dann meist entsorgen, das gehört doch oft auf den Wertstoffhof!", appelliert Christine Lier an die "Spender", das zu unterlassen und sich an die Annahmezeiten zu halten. (ge)
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