16.06.2017 - 20:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Peter Hense von Fraunhofer Umsicht promoviert in Italien und Deutschland Erster Doktorand zweier Länder

Das Institut Fraunhofer Umsicht betreibt mit der Universität Bologna eine länderübergreifende Zusammenarbeit, die es ermöglicht, in Italien zu promovieren und in Sulzbach-Rosenberg zu arbeiten. Peter Hense hat nun seine Promotion erfolgreich abgeschlossen. Er ist der erste Doktorand aus dieser Kooperation.

Glückwunsch zur Promotion (von links): Prof. Andreas Hornung (Leiter Fraunhofer Umsicht Sulzbach-Rosenberg), Dr. Peter Hense (Gruppenleiter Recyclingtechnologien) und Prof. Andrea Contin (Universität Bologna). Bild: exb
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"Entwicklung und Optimierung eines thermo-chemischen Verfahrens zum Recycling von Elektro- und Elektronikschrott" lautet der Titel, und die Doktorarbeit betreuten Professor Andrea Contin, Universität Bologna, und Professor Andreas Hornung, Leiter Fraunhofer Umsicht in Sulzbach-Rosenberg zwischen Januar 2014 und Mai 2017.

Im Interview mit unserer Zeitung berichtet Dr. Peter Hense, Gruppenleiter Recyclingtechnologien der Abteilung Kreislaufwirtschaft, über seine Arbeit der letzten Jahre.

Herr Hense, über welches Thema haben Sie promoviert?

Dr. Peter Hense: Ich habe mich in meiner Promotion mit der Entwicklung eines Pyrolyseverfahrens für Elektro- und Elektronikschrott beschäftigt. Dieses sollte insbesondere Shredder-Rückstände aus der mechanischen Aufarbeitung der alten Elektrogeräte so aufbereiten, dass enthaltene Metalle recycelt werden können und sich gleichzeitig flüssige sowie gasförmige Kraftstoffe bilden. Besonderen Wert musste ich dabei auf Vermeidung der Entstehung von giftigen Dioxinen und Furanen legen.

Wie bewerten Sie das Verfahren, das Sie entwickelt haben?

Neben der verfahrenstechnischen Entwicklung erarbeitete ich eine ökologische Bewertung des Aufbereitungsverfahrens und rechnete verschiedene Geschäftsmodelle für spätere, großtechnische Anwendung. Die Bilanzierungen zeigten bereits das große Potenzial der Technologie, ökologisch und besonders wirtschaftlich arbeiten zu können. Darüber hinaus habe ich thermo-chemische Ansätze angepasst und so optimiert, dass schwer zu beschaffende Metalle wie Indium, Gallium, Tantal dem Recycling zugänglich werden.

Wie war es für Sie, länderübergreifend zu promovieren?

Durch die Betreuung sowohl bei Fraunhofer Umsicht als auch durch die Universität Bologna konnte ich nicht nur die technische Ausstattung beider Institute nutzen, sondern lernte auch kulturelle Unterschiede sowie viele neue Kollegen kennen. Die Betreuung durch Professor Andrea Contin und Professor Hornung lief dabei absolut reibungslos und half mir gerade bei komplexen Fragestellungen immer weiter.

Wie geht es nun für Sie weiter? Welches Thema bearbeiten Sie gerade bei Fraunhofer?

Nach der Promotion widme ich mich weiter dem Thema des Recyclings und leite aktuell das Projekt "gagendta+", das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Hier treibe ich die thermo-chemische Aufbereitung von Elektro- und Elektronikschrott weiter voran, mit dem Ziel, diese schon bald in einem dauerhaften Demonstrator (Durchsatz 70 Kilo pro Stunde) durchführen zu können.

Im Team der Abteilung Kreislaufwirtschaft erweitern wir den Fokus auf viele weitere Verbundmaterialien wie glas- oder carbonfaserverstärkte Kunststoffe, Shredder-Materialien aus der Altautoverwertung oder auch asphalthaltigen Straßenaufbruch.

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