Rosenberger Georg Taubmann hilft Flüchtlingen
Jesiden im Brennpunkt

Lebenswichtig für Jung und Alt in den afghanischen Bergdörfern ist frisches Wasser. Shelter sichert mit Leitungsprojekten die direkte Versorgung aus den Bergen. Die einheimischen Männer packen beim Bau der Gräben und Leitungen kräftig mit an.
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
26.12.2016
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Am Laptop rekapituliert Georg Taubmann mit seinen jungen Helfern Daniel Taubmann (stehend rechts) und Jochen Taubmann noch einmal die informativen Besuche in Flüchtlingslagern des Nordirak. Im nächsten Jahr wollen die jungen Leute aktiv an Hilfseinsätzen teilnehmen. Bilder: rlö (2)

Der unmittelbaren Todesgefahr entronnen, aber dennoch umzingelt von Gefahren und schier unlösbaren Problemen - so leben zur Zeit Zehntausende von Kriegsflüchtlingen aus Syrien und Irak in den Flüchtlingslagern des Nordirak. Doch ein Rosenberger hilft ihnen.

Nicht nur Mangel an sauberem Trinkwasser, Lebensmittel oder winterfesten Unterkünften bedrohen die Familien, nun ist auch noch der Winter eingekehrt in den Regionen um Erbil und Suleymaniya, mit Temperaturen bis zu minus zehn Grad. Seit einigen Wochen arbeitet der Rosenberger Georg Taubmann, Leiter der christlichen Hilfsorganisation Shelter Now International, mit seinen Teams wieder vor Ort an den Brennpunkten des menschlichen Leidens. Winterhilfe für die Lagerbewohner ist das Gebot der Stunde.

Vom IS-Terror getroffen

Vor allem der religiösen Minderheit der Jesiden gilt momentan das Hauptaugenmerk der Shelter-Helfer. Die Anhänger dieser Glaubensgemeinschaft traf der IS-Terror mit voller Wucht: Hatten die IS-Kämpfer ein Jesiden-Dorf erobert, so berichtete Georg Taubmann via Satelliten-Telefon in einem Gespräch mit unserer Redaktion, wurden in aller Regel die Männer getötet und die Frauen verschleppt. Für Überlebende forderte der IS eine "Kopfsteuer".

Auch wenn sich Zehntausende Jesiden durch Flucht in Sicherheit bringen konnten, setzt sich ihre Leidensgeschichte fort. Nicht einmal in den großen offiziellen Flüchtlingslagern sind sie vor islamistischer Verfolgung und Diskriminierung sicher, so dass viele in kleineren, provisorisch eingerichteten Lagern Schutz suchen. Shelter Now ist dabei, rund 230 dieser Flüchtlingsfamilien mit Filtern zur Wasserreinigung und mit Trinkwasserrationen zu versorgen. Außerdem werden Lebensmittelpakete, Brennstoff, Decken, Zeltplanen und Stromgeneratoren finanziert.

Kämpfe um Mossul

Aktuell ist in den großen Lagern im Nordirak auch die medizinische Versorgung prekär, berichten die Shelter-Helfer. Viele Camps platzen jetzt schon aus allen Nähten - umso größer ist die Sorge in Kurdistan vor dem zu erwartenden Zustrom von bis zu einer Million Menschen als Folge der Kämpfe um die IS-Hochburg Mossul, das alte biblische Ninive.

Bei allen Problemen der Flüchtlingsarbeit in den Krisenregionen hat Georg Taubmann immer wieder auch Anlass zur Freude: So wollen sich im nächsten Jahr junge, unverbrauchte Kräfte als aktive Helfer in die Arbeit vor Ort einbringen. Taubmanns Sohn Daniel (30), sein Neffe Jochen Taubmann (23) und deren Studienfreund Benedikt Klammt (25) sind fest entschlossen, 2017 bei Hilfsaktionen in diversen Flüchtlingslagern mitzuarbeiten. Sie konnten sich heuer während eines sechstägigen Aufenthalts in Kurdistan bereits erste Eindrücke von der Lage verschaffen.

Daniel Taubmann ist in Peshawar zur Welt gekommen und lebte bis zum Alter von 16 Jahren in Pakistan und Afghanistan, ist also von daher schon bestens mit den Verhältnissen und der Mentalität der Menschen in diesen Regionen vertraut. Als Mitglied einer Jugend-Bibelschule will er mit seinen Freunden im nächsten Jahr konkret "Gutes tun", wie er gegenüber der Redaktion erklärte. "Wir werden auch versuchen, Kontakte zur Jugend in Afghanistan aufzubauen und einheimische Jugendliche zur Mitarbeit bei verschiedenen Hilfsprojekten zu motivieren."

Terrorangst die schlimmste SorgeNeben den aktuellen Hilfseinsätzen in den Flüchtlingslagern im Nordirak setzt Shelter Now International auch seine erfolgreichen Aufbau- und Entwicklungsprojekte in Afghanistan fort. "Wir haben jetzt in unserer Zahnklinik in Herat das Ärzteteam um einen neuen Zahnarzt aufstocken können", berichtet Georg Taubmann.

Während des ganzen vergangenen Jahres seien auf Vermittlung von Shelter Now International mehrere Ärzte aus ganz Europa periodisch in der Zahnmedizinischen Universität Herat und in der Shelter-Klinik tätig gewesen.

"Im Norden und Nordosten des Landes realisiert eine US-Ärztin in der Region Feisabad Hygiene-Programme, die zum Beispiel Aufklärung zur Verhinderung von Krankheiten oder Beratung und Kurse für Schwangere und Entbindungshilfe beinhalten. Außerdem werden an die Bevölkerung Kits mit hygienischer Grundausstattung (Seife, Desinfektionsmittel, Verbandmaterial) ausgegeben.

"In den Bergregionen verbessern wir schrittweise die Versorgung mit frischem Trinkwasser", so Taubmann weiter. "Gemeinsam mit den Männern aus den Dörfern legen wir Gräben und Leitungen, die das kostbare Nass aus Hochbehältern in höheren Lagen direkt in die Wohnsiedlungen bringen. Auch der Bau von hauseigenen Latrinen in den Dörfern wird vorangetrieben, da wir mit Gemeinschaftstoiletten keine guten Erfahren gemacht haben."

In Feisabad versorgt Shelter Now auch ein Waisenhaus mit Lebensmitteln und Brennmaterial. Dort richtete die Hilfsorganisation außerdem für die älteren Jungen Ausbildungsmöglichkeiten im Schneider- und Elektrohandwerk ein. Das Projekt "Safran statt Opium" wird immer mehr zum Selbstläufer. Die beteiligten Bauern sind jetzt dabei, sich eine eigene Vertriebsorganisation mit erfolgversprechenden Vermarktungswegen aufzubauen, berichtet Georg Taubmann.

"Immer mehr stellen wir fest, dass den Menschen in Afghanistan, aber auch den vielen Kriegsflüchtlingen eines noch wichtiger ist als die Beseitigung der materiellen Not. Nämlich, dass sie endlich frei werden von der Terrorangst und dem immensen gesellschaftlichen Druck, der von den radikalen Moslems ausgeht", resümiert der Rosenberger Shelter-Manager im Gespräch mit der SRZ abschließend. (rlö)


KontaktWer Shelter Now bei seiner wichtigen humanitären Arbeit in den Flüchtlingslagern und in Afghanistan unterstützen möchte, kann dies mit Spenden tun: Spendenkonto Norddeutsche Landesbank, IBAN DE65 2505 0000 0002 5230 58, BIC NOLADE2H. (rlö)
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