Schlossbrauerei Holnstein schließt zum 30. September
Ende einer Bier-Kultur

Senior- und Junior-Chefin Karola (links) und Annette Haberler haben sich zu dem weitreichenden Schritt entschlossen. Bilder: Gebhardt (2)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
24.08.2017
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Die Brauerei-Einrichtung wird komplett veräußert, sie kommt in Holnstein nicht mehr zum Einsatz. Damit endet die Tradition.

"Dieser Entschluss ist uns nicht leicht gefallen", sagt Annette Haberler. "Da steckt schon viel Herzblut drin. Aber es geht nicht anders." Die 39-jährige Braumeisterin hat sich mit ihrer Familie dafür entschieden, die Schlossbrauerei Holnstein zu schließen.

Am 30. September ist die 515-jährige Tradition endgültig zu Ende. Nur der "Ahnentrunk" wird überleben - wenn auch nur für eine Woche im Jahr.Sie habe lange mit sich gerungen, erzählt die Junior-Chefin der Schlossbrauerei. Aber aus gesundheitlichen Gründen habe es wohl keine Alternative gegeben. Da stimmt auch Senior-Chefin Karola Haberler (69) zu. Sie ist damit beschäftigt, die letzten Geschäftstätigkeiten abzuwickeln. Immerhin rund 25 Wirtschaften und Gasthäuser hat die Schlossbrauerei bisher beliefert, die meisten davon im Landkreis, dazu kam der zuverlässige Heimdienst.

Lager wird geräumt

Doch das ist ab Ende September alles vorbei. Bier wird schon länger keines mehr gebraut, nur mehr die Lagerbestände kommen in die Auslieferung. Wenn weg, dann weg.

"Das gab schon große Emotionen bei der Kundschaft", erinnert sich Annette Haberler an die letzten Monate, "da flossen auch schon mal die Tränen." Aber jetzt hätten sich die meisten der betroffenen Geschäftspartner und Kunden schon nach Alternativen umgesehen - gezwungenermaßen.

Fünf Arbeitsplätze bot die Schlossbrauerei bisher - fast alle haben sich schon erfolgreich umgesehen nach einer neuen Stelle, berichtet die Braumeisterin. Ihr Betrieb ist 1502 erstmals urkundlich erwähnt und seit 1939 im Besitz der Familie Behringer-Haberler, der auch das Schloss aus dem 11. Jahrhundert gehört. Seit 1970 war Karola Haberler die Chefin, seit 2002, ihrem Abschlussjahr als Braumeisterin, ist Annette verantwortlich in der Firma tätig.

"Das Bier bin ich!"

Wäre nicht die Verpachtung oder Einstellung eines Braumeisters eine Alternative gewesen? "Nein", meint die junge Frau entschieden, "denn das Holnsteiner Bier, das bin ich!" Wenn, dann wolle sie schon alles selber machen, und das gehe eben jetzt nicht mehr. Sechs Sorten hat sie in den letzten 15 Jahren gebraut, vom Hellen über den sehr beliebten Ahnentrunk (ein dunkles, untergäriges Bier) und das Pils bis hin zum leichten Sommerbier, zum Hefeweizen und zum Festbier, das es natürlich auch an Weihnachten gab.

Das alles wird es jetzt nicht mehr geben? "Nur noch den Ahnentrunk", kündigt Annette Haberler an. Dieser werde außerhäusig eingebraut und nur für den Annaberg hergestellt. Denn die dortige Bude mit Blick auf Rosenberg und rund 1000 Sitzplätzen will die Familie weiterhin betreiben. Wer die Spezialität weiter kosten will, muss sich also auf die Bergfestwoche beschränken.

Ende am 30. September

Die Brauerei-Einrichtung wird veräußert, ebenso wie die Fässer, die Abfüllanlage, die Lastwagen und sonstiges Zubehör. Dann wird bald nur mehr das Firmenschild an die Schlossbrauerei Holnstein erinnern. Am 30. September läuft übrigens der letzte Anstich im Schlosshof Holnstein, umrahmt von den Original Bauernsfünfern.

Und im Mai 2018 veranstaltet die "Schlossherrin zu Holenstein" in Zusammenarbeit mit dem Stiber-Fähnlein das "Spectaculum zu Holenstain mit Mittelalterlager" am Samstag, 19., bis Montag, 21. Mai. Ein bisschen was rührt sich also doch noch auf dem Anwesen. Nur das Holnsteiner Bier - das ist nach über 500 Jahren schon bald Geschichte.

Das gab schon große Emotionen bei der Kundschaft, da flossen auch schon mal die Tränen.Annette Haberler über die Reaktionen der Geschäftspartner
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