07.11.2017 - 17:28 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Schönweiher in Forsthof wird auf Vordermann gebracht Kampf dem Schachtelhalm

Bis 2005 beherbergte er nur mehr eine Handvoll Tierarten: Der Schönweiher in Forsthof braucht dringend Hilfe. Seit damals kümmert sich der Fischereiverein Amberg um das überregional bedeutsame Gewässer, und es zeigen sich erste Erfolge. Doch bis zum Ziel muss noch viel Schachtelhalm unter die Sense.

Mit der Sense wird unter Wasser der Schachtelhalm gemäht - das muss regelmäßig geschehen, sonst wächst der Weiher zu. Hans-Hermann Lier demonstrierte, wie fleißig die Helfer gearbeitet hatten in den letzten Wochen. Bilder: Gebhardt (2)
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Ein Weiher, der zuwächst, modert, stinkt und nur mehr zwei, drei Tierarten beherbergt, ist ein Ärgernis - vor allem für die Nachbarn. Der Schönweiher in Forsthof war so ein Fall. Nachdem er jahrelang brach lag, hat sich 2005 der Fischereiverein Amberg des Gewässers angenommen; gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband wollen die Naturschützer das Biotop "nach vorn bringen".

Keine Kleinstlebewesen

Die erste Bestandsaufnahme 2006 fiel allerdings verheerend aus: zunehmende Verlandung durch Schachtelhalm-Bewuchs und dementsprechend wenig Wasserfläche, kaum Libellen, keine Frösche, dafür Entsetzen beim Abfischen über ein Heer von rund 400 000 kleinen Fischen. Giebel heißen sie und sind bekannt für explosionsartige Vermehrung. Da konnte sich sonst nichts anderes halten außer ein paar Gelbrandkäfern und Rückenschwimmern. Dazu kam Geruchsbelästigung durch Moder. Richard Lehmeier vom Landschaftspflegeverband erklärte bei der jüngsten öffentlichen Begehung den Gästen die Geschichte des weit über 100 Jahre alten Schönweihers, der künstlich angelegt wurde und wohl ursprünglich als Viehtränke diente. 2015, bei einem gemeinsamen Besuch am Schönweiher, verlängerten die Stadt Sulzbach-Rosenberg, der Landschaftspflegeverband Amberg-Sulzbach und der Fischereiverein Amberg ihren Kooperationsvertrag um weitere zehn Jahre.

Ziel der Betreuer sei eine klar extensive Bewirtschaftung ohne finanziellen Hintergrund. Seltene Libellen, einst hier heimisch, sollen wieder Chancen bekommen, Bewuchs solle nicht durch Bagger, sondern durch passenden Fischbesatz zurückgedrängt werden. Der Schönweiher, ein typischer Himmelsweiher ohne Bachzufluss, soll, so erklärte Hans-Hermann Lier vom Amberger Fischereiverein, Stück für Stück als alter Dorfweiher wieder erstehen, mit standortgerechten Fischen und typischem Bewuchs, mit Libellen, Fröschen, Wildenten und auch mal einem Schwan: Dem war inzwischen die Landebahn zu kurz.

Viel zu viele Fische

Im Schönweiher hätten sich jetzt seltene Fisch- und Muschelarten wie der Bitterling und die Große Teichmuschel angesiedelt - sie sind beide symbiotisch miteinander verknüpft. Auch Kammmolch, Gelbbauchunke, Laubfrosch und Knoblauchkröte bietet der Weiher jetzt ein Zuhause, und die Population steht unter ständiger Beobachtung. Spannend bleibe auch die Entwicklung der seltenen Libellenpopulation rund um das Gewässer. "Die Entwicklung ist jedoch schon im Rückblick auf die letzten Jahre enorm. Trotzdem finden sich sehr wenig Kleinlebewesen im Wasser - Indiz für den viel zu hohen Giebel-Bestand", so der Experte.

Lier dankte den Feuerwehrleuten von Großalbershof für ihre Hilfe beim regelmäßigen Ausmähen des Weihers im Kampf gegen den allgegenwärtigen Schachtelhalm. Peter Zahn vom Bund Naturschutz kritisierte den Eintrag von Gülle und Dünger durch umliegende landwirtschaftliche Flächen und den Mangel an Willen, etwas dagegen zu unternehmen. Er sah das Gebiet als wichtige Ausgleichsfläche für die Bebauung an anderer Stelle der Stadt an.

Am Ende der Exkursion erläuterte der Vorsitzende des Amberger Fischereivereins, Tim Jüntgen, die Motive der Fischer, sich als Naturschützer hier zu engagieren: Jedes Gewässer spiele inzwischen eine Rolle im Bestand der Insekten und Wasserlebewesen, im Kampf um Artenvielfalt und -erhalt. "Deswegen darf der Schönweiher nicht verloren gehen!"

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