Schwächt das Internet den Einzelhandel?
Online oder lokal: Kampf um Kunden nimmt stetig zu

Im Geschäft begutachten und vielleicht sogar anprobieren, dann zu Hause am Bildschirm die Ware bestellen - diese Praxis sehen die Einzelhändler gar nicht gern. Bilder: Gebhardt (4)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
09.01.2017
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Das Objekt der Begierde ist nur ein paar Mausklicks entfernt: Das Internet hat Tag und Nacht geöffnet, bequeme Lieferung inklusive. Aber was ist mit individueller Beratung, Anprobe, Service? Fehlanzeige. Der lokale Einzelhandel punktet mit diesen Angeboten. Und trotzdem spürt er die Konkurrenz online deutlich.

Viele Bürger lieben Online-Shops. Der große Einkaufstrubel ist mit dem Weihnachtsgeschäft zwar vorbei, aber der Einzelhandel bekommt jedes Jahr stärkeren Druck durch digitale Händler. Reisen, Schmuck, Alltags- oder Sportkleidung, das Internet bietet alle Kategorien an - und auch die lokalen Anbieter leiden darunter. Die Sulzbach-Rosenberger Zeitung hat stellvertretend vier Fachgeschäfte in der Rosenberger Straße zum Thema Konkurrenz durch Internet befragt.

Klaus Bock, Textilhaus Carl Schmidt

Das Textilhaus Carl Schmidt sieht das Problem in der Bequemlichkeit der Kunden. Viele lassen sich im Laden beraten, aber kaufen die Stücke anschließend in einem Online-Shop. Beweisen könne man das natürlich nicht, meint Klaus Bock, Geschäftsführer im Textilhaus Carl Schmidt. Allerdings weiß er auch um die Vorteile der Konkurrenz. Deshalb werde schon im Beratungsgespräch darauf geachtet, dass der Kunde auch im Laden kauft.

Bock erzählt von einem sonderbaren Fall, der in seinem Geschäft passiert ist: Ein Kunde wollte ein im Internet gekauftes Kleidungsstück einer bekannten Marke bei ihm zurückgeben und auch sein Geld wiederhaben. "Nachdem ich dem Mann erklärt habe, dass das nicht geht, hat er sehr verdutzt geschaut. Aber man muss halt mit der Konkurrenz leben", resümiert Klaus Bock.

Markus Sindel, Pemsel Uhren und Schmuck

Die Online-Konkurrenz ist für das Uhren- und Schmuckgeschäft kein Problem. Inhaber Markus Sindel berichtet, dass er keine Umsatzeinbußen wegen der digitalen Konkurrenz habe. Das begründet er mit der guten Bindung zu seinen Kunden. "So lange ich weiß, war noch keiner bei mir, um eine Beratung in Anspruch zu nehmen und anschließend woanders das Schmuckstück zu bestellen." Allerdings bringe das Internet mehr Arbeit für die Werkstatt des Juweliers: Vor allem nach Weihnachten kämen Leute in sein Geschäft, um zum Beispiel die Bänder an einer bestellten Armbanduhr kürzen zu lassen.

Christof Ottmann, Reisebüro Ottmann

Das Internet ist für das Reisebüro Ottmann ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite nimmt es Geschäft weg, auf der anderen bringt es wieder Kundschaft und Informationen. Durch diverse Preisvergleich-Seiten für Reisen schauen mögliche Kunden zuerst dort nach, um den günstigsten Preis zu erhalten. Wenn sie dort fündig werden, buchen sie direkt.

"Bei der Planung sei aber ein direkter Ansprechpartner wichtig, und den gibt es im Internet nicht, sondern nur im Geschäft", betont Christof Ottmann, Chef des Reisebüros Ottmann. Hilfreich ist das Angebot im Netz aber auch für ihn: Kunden können sich im Vorfeld über mögliche Reiseziele informieren und anschließend ins Büro gehen, um dort dessen Erfahrungen und Service zu nutzen. Die Beratung im Reisebüro Ottmann ist kostenlos. "Ob das schon einmal fürs Internet-Buchen ausgenutzt wurde, kann ich nicht nachvollziehen." Christof Ottmann erzählt, dass schon Kunden mit ausgedruckten Angeboten zu ihm ins Büro kamen, um dann doch vor Ort zu buchen. "Gelegentlich findet sich auch ein besserer Preis für den Wunschurlaub, denn im Internet ist nicht alles automatisch billiger."

Claudia Flierl, Sportcamp

"Ja, die Konkurrenz ist da", sagt Claudia Flierl, Geschäftsführerin im Sportcamp. Vor allem junge Leute kauften Sportkleidung und -mode im Internet. Es gebe sogar Kaufinteressenten, die eine Beratung erhielten, Kleidung anprobierten und vom Etikett Fotos machten - um es anschließend woanders zu kaufen, erzählt sie. Manchmal sei die Ware im Internet billiger zu bekommen, aber aus der Sicht von Claudia Flierl liegt das an den geringeren Kosten für die Online-Händler.

Von bestimmten Marken muss das Sportfachgeschäft allerdings beanstandete Ware zurücknehmen und gegebenenfalls ersetzen, die Herkunft des Artikels ist dabei egal. Die Firmen tragen zwar die Kosten für Ware und Rücksendung, aber für den Arbeitsaufwand gibt es keinen Cent. Das Sportcamp selbst nutzt das Internet nur sporadisch über eine Händler-Plattform.
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