22.02.2018 - 16:54 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Schweinepest als Herausforderung für die Jäger der Kreisgruppe Voll im Visier

Schon Stadtgründer Graf Gebhard ging bei uns auf Wildschweinjagd. Auch beim Altstadtfest sind die Schwarzkittel beim Saustechen eine feste Größe. Jetzt aber wird ihr Ruf mit der drohenden Schweinepest immer schlechter. Eine Herausforderung auch für die Jäger.

Nach Ansicht von Jäger-Vorsitzender Lore Kaiser nehmen die Waidmänner der Kreisgruppe die Schwarzwildjagd im Verbund mit ihren ausgebildeten Jagdhunden als verantwortungsvolle Aufgabe wahr. Bild: Jan Woitas/dpa
von Andreas Royer Kontakt Profil

Ganz aktuell soll durch die Bundesregierung die Schonzeit für Wildschweine gänzlich fallen. Auch verschiedene EU-Vorschriften könnten alsbald wirksam werden. Die SRZ fragte bei Lore Kaiser als Vorsitzender der Jäger-Kreisgruppe nach, was die Schweinepest für die hiesigen Waidmänner bedeutet.

Ist die Katastrophenstimmung in Bezug auf die Schweinepest bei uns gerechtfertigt?

Lore Kaiser: Nun, sicherlich muss man wachsam sein, denn diese Tierseuche stellt für die landwirtschaftliche Schweinehaltung eine sehr große Gefahr dar. Bei uns ist sie zwar noch nicht ausgebrochen, im Nachbarland Tschechien aber schon.

Wie verhalten sich die Jäger bei dieser Gefahrenlage?

Unabhängig von der Afrikanischen Schweinepest setzt der Bayerische Jagdverband und demnach auch die Jäger unserer Kreisgruppe auf eine intensive Bejagung des Schwarzwildes. Derzeit werden von den bayerischen Grünröcken 60 000 bis 85 000 Schwarzkittel pro Jagdsaison erlegt. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Seuchenfalls in Ost-Tschechien hat der BJV alle seine Mitglieder im Freistaat aufgefordert, die Schwarzwildjagd nochmals zu intensivieren. Nach ersten Informationen auch mit großem Erfolg.

Warum ist die Zahl der Wildschweine so angestiegen?

Das Wildschwein findet überall ideale Lebensbedingungen. Es gibt keine natürlichen Feinde. Die milden Winter tragen dazu bei, dass fast alle Frischlinge den Winter überleben. Die Nahrungsquellen nehmen auf dem Feld und im Wald rasant zu: Der Maisanbau wird immer mehr ausgeweitet. Das bedeutet für das Schwarzwild geradezu ein Schlaraffenland. Die Tiere finden in den großen Maisfeldern, optimale Verstecke und Nahrung. In diesen großen Feldschlägen ist das Schwarzwild extrem schwer zu bejagen, weil es im Aufwuchs gar nicht zu sehen ist. Diese optimalen Lebensbedingungen führen dazu, dass sich die Wildschweine extrem stark vermehren.

Seit geraumer Zeit gibt es für erlegtes Schwarzwild eine staatliche Entschädigung von 20 Euro. Sorgt das für zusätzliche Motivation?

Bei der Erlegung eines Wildschweins kommen auf den Jäger erhebliche Kosten zu. Er muss jedes Stück Schwarzwild, auch kleine Frischlinge, auf Trichinen untersuchen lassen, vielerorts ist auch eine Untersuchung der Radio-Cäsium-Belastung notwendig. Außerdem fallen zum Teil hohe Gebühren an, wenn er für eine Drückjagd Verkehrssicherungsmaßnahmen beantragen möchte, um Unfälle zu vermeiden. Die Staatsregierung hat deshalb eine Aufwandsentschädigung ausgelobt, um so den Jägern wenigstens einen Teil ihrer Kosten zurückzugeben.

Wird bei uns ausreichend gejagt?

Die Jägerinnen und Jäger der Kreisgruppe kennen ihre Verantwortung, den Bestand an Wildschweinen zu reduzieren. Als fachkundige Jagdausübungsberechtigte sind sie den geltenden gesetzlichen Bestimmungen verpflichtet. Unter diesen Voraussetzungen tun sie alles, um den Wildschweinbestand im Landkreis "kurz" zu halten.

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