13.10.2017 - 18:48 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sentimentales Wiedersehen nach 44 Jahren Iren liebten saure Lunge

Einige Sommer in den 70er Jahren waren sie dicke Freunde. Dann hat Konrad Pilhofer nichts mehr von den zehn Iren gehört, die damals mit ihm in der Baufirma Kopp arbeiteten. Doch er nahm über das Internet ihre Spur auf, und jetzt kam es zu einem sehr emotionalen Wiedersehen.

Ihre lässige Haltung war in den 70er Jahren ein Kennzeichen der Iren auf den Baustellen. Bild: exb
von Markus Müller Kontakt Profil

Fromberg. Schon der Anfang der Geschichte ist kurios: 1972 war Pilhofers Chef in Irland im Urlaub; er nahm ein paar Anhalter mit und bot ihnen an, bei ihm zu arbeiten. Die 19-Jährigen, alle aus einer Schulklasse, waren gleich einverstanden und kamen 1973 nach Neukirchen; in wechselnder Besetzung, aber bis 1978 jedes Jahr, immer drei Monate lang im Sommer. "Sie haben zum Teil im Bauwagen übernachtet, später im Wohnwagen, anfangs auch auf dem Dachboden des Lagers", erzählt Konrad Pilhofer. Gearbeitet wurde auf dem Bau oder bei der Bahn. Und am Wochenende wurde gefeiert. Was für die Iren hieß: heftig trinken.

Doktor denkt mit

Pilhofer fallen viele Geschichten von damals ein: "Einmal waren sie mit Neukirchnern auf der Kirwa in Neidstein. Dort war es wie immer feucht-fröhlich, und alle haben viel getrunken. Auf dem Heimweg hat der Emmet, der ja Kraft wie ein Bär hatte, den Peter Meier gepackt, in die Luft geworfen und wieder aufgefangen - bis er ihn einmal nicht erwischt hat und der Peter zu Boden geknallt ist." Ergebnis: eine schwere Gehirnerschütterung. Am nächsten Tag ging Meier zu Doktor Schedl, dem Arzt in Neukirchen, und wollte, dass er ihn ins Krankenhaus überweist. "Aber der sagte: Die Iren haben doch keine Versicherung und kein Geld, dass sie das bezahlen, ich schreib dich jetzt eine Woche krank, und dann geht's schon wieder." So kam's, und Meier hat es ohne Schäden überstanden.

Mit dem Geld, das sie verdienten, konnten die Iren nicht recht umgehen. Sie gaben es am Wochenende schnell wieder aus. "Des Öfteren baten sie um einen Vorschuss, weil es nicht bis zum Monatsende reichte." Ludwig Gröschel, der im Büro der Baufirma arbeitete, wurde bald klar: "Wenn die alles verprassen, haben sie am Ende nicht mal Geld für den Heimflug." Also hielt er einen Teil des Lohnes zurück, und als die Iren Abschied nahmen, zahlte er es ihnen aus. "Bei ihrem Besuch haben sie das extra erwähnt und den Ludwig sehr gelobt, dass er so weise vorgegangen ist", schmunzelt Pilhofer.

"Ich hab ja kein Englisch gekonnt", erinnert sich der Fromberger, "aber durch die Iren habe ich es gelernt. 1978 war ich dann so gut, dass ich später auch bei Unterhaltungen mit Amis keine Probleme hatte." Der heute 65-Jährige hat so gern an die alten Zeiten zurückgedacht, dass er vor zehn Jahren ernst machte mit dem Gedanken, die Iren wieder aufzuspüren. Und er hatte Glück: Von den vier Paul Costello im Dubliner Telefonbuch war gleich der erste, den Pilhofer anrief, der richtige.

44 Jahre nicht gesehen

2011 kamen dann drei der alten Freunde zu Besuch, 2012 reiste der Oberpfälzer nach Dublin und traf den größten Teil der alten Truppe. Die beiden, die jetzt bei ihm auftauchten, hatte er aber 44 Jahre lang nicht gesehen: Peadar Walshe, heute Allgemeinarzt in England, und Emmett O'Rafferty, Inhaber einer Security-Firma. Pilhofer und der damalige Firmenchef Friedrich Hahn (70) schwelgten mit ihnen drei Tage lang in Erinnerungen und besuchten nicht nur Nürnberg, sondern auch "die alten Plätze" wie den Neukirchner Hof (damals Gaststätte Kohler), wo die Iren am Wochenende waren.

"Ihre Spezialität war saure Lunge", lacht Pilhofer. "Wenn ich gewusst hätte, dass die das immer noch so mögen, hätten wir es ihnen präsentiert. Aber nächstes Mal kriegen sie es bestimmt." Vielleicht ist das nächste Wiedersehen auch auf der grünen Insel, denn die Gäste haben Pilhofer, seine Frau Irmgard und Friedrich Hahn eingeladen. Ob es wirklich dazu kommt, weiß der Fromberger nicht, "aber irgendwann möchte ich schon noch mal rüber".

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