05.12.2016 - 22:16 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

"Sie können das nicht trainieren" Verkehrssicherheit gegen Vollgas

Regensburg/Sulzbach-Rosenberg. Polizeibeamte wollen Freitagnacht die Insassen eines Fahrzeugs kontrollieren. Sie fordern den Fahrer zum Anhalten auf. Stattdessen tritt dieser aufs Gas. Trotz Nebel und Dunkelheit liefert er sich mit den Beamten eine Verfolgungsjagd auf der A 93. Bei Pfreimd kollidiert das Fahrzeug mit einem Auto und fährt auf einen Lastwagen auf. Der Beifahrer stirbt noch an der Unfallstelle (wir berichteten).

Symbolbild.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

"Natürlich sind die Kollegen dem Fahrzeug gefolgt, das ist unsere Aufgabe", sagt Albert Brück. Der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz erläutert das Vorgehen bei einer Verfolgungsjagd: "Der erste Blick geht immer auf Unbeteiligte." Sie sollten nicht gefährdet werden. Gleichzeitig will die Polizei vermeiden, dass den Flüchtigen etwas passiert. "Wir wollen sie unversehrt zum Anhalten bewegen." Gelegentlich kann das schwierig werden. "Wenn die Kollegen die Verfolgung zu riskant finden, vergrößern sie den Abstand oder nehmen in Kauf, dass das Fahrzeug aus dem Blick gerät."

Wenn die Kollegen die Verfolgung zu riskant finden, nehmen sie in Kauf, dass das Fahrzeug aus dem Blick gerät.Polizeisprecher Albert Brück

Das geschah vor zwei Wochen den Beamten von der Polizeiinspektion Eschenbach. Ein Pkw-Fahrer hatte sich eine Verfolgungsjagd mit mehreren Streifenwagen geliefert. Viel zu schnell durchquerte er das Stadtgebiet Pressath und entkam Richtung Weiden (wir berichteten). "Sie können das nicht auf der Straße trainieren, weil das viel zu gefährlich ist", sagt Roland Gaßner. Der Polizeibeamte übt bei der Bereitschaftspolizei Sulzbach-Rosenberg mit jungen Polizisten Blaulichtfahrten. Er erläutert das Dilemma bei einer Verfolgung: "Ich will ja eigentlich vorbeikommen und will ihn anhalten. Dann kann ich ihm nur in einem begrenzten Abstand folgen. Wenn aber der Flüchtende riskant überholt, oder sogar ein Fahrzeug streift und ins Schlingern kommt, dann brauche ich einen Sicherheitsabstand, um mich nicht zu gefährden." Ein Polizeibeamter müsse natürlich besser fahren können als ein normaler Autofahrer. Eineinhalb Tage trainieren die jungen bayerischen Beamten mit ihm. Das Gefahrentraining ist Stufe drei der Ausbildung. Im Simulator lernen sie, schnell zu fahren, aber nicht zu schnell. Sie sollen Gefahrensituationen richtig einschätzen und Dritte nicht gefährden. Auf der Autobahn übt die Gruppe das Anhalten von Fahrzeugen. "Das ist bei diesen Geschwindigkeiten nicht einfach."

Ein Polizeibeamter muss natürlich besser fahren können als ein normaler Autofahrer.Roland Gaßner, Polizeioberrat Sulzbach-Rosenberg

Man könne sich auf Verfolgungsfahrten schlecht vorbereiten, sagt Michael Hinrichsen, Bezirksvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. "Es ist schwierig, eine Grundsatzentscheidung zu treffen wie ,du darfst niemanden aufhalten, der 200 fährt'." Bei schlechtem Wetter oder Dunkelheit steige das Unfallrisiko. Die Beamten könnten je nach Fall entscheiden. Wenn sie eine Verfolgung abbrechen, gebe es ja noch andere Möglichkeiten: Die Beamten könnten Straßensperren errichten, Einsatzkräfte mobilisieren oder die Täter durch das Nummernschild ermitteln.

Man kann sich auf Verfolgungsfahrten schlecht vorbereiten.Michael Hinrichsen, Bezirksvorsitzender Deutsche Polizeigewerkschaft

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