Stadt will mehr Laubholz im Bürgerwald
Mehr Licht, mehr Holz

Revierförster Volker Binner plant und realisiert die Bewirtschaftung des Kommunalwaldes im Auftrag der Stadt.
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
02.01.2017
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Der Harvester hat ganze Arbeit geleistet: Im Stadtwald liegen mächtige Holzpolter zur Abholung bereit. Bilder: Gebhardt (3)

Es dröhnt im Wald. Mächtige Maschinen ernten mächtige Bäume. Auch der riesige Holzhaufen kann sich sehen lassen. Im Stadtwald lief jetzt der Holzeinschlag, im Stadtrat die Abstimmung über die Jahrespläne. Beides geriet zur Zufriedenheit. Und ökologisch wird es auch noch.

Volker Binner ist Revierförster beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Die Stadt hat mit ihm einen Vertrag geschlossen zur "Beförsterung": Er bewirtschaftet den Kommunalwald von Stadt (111 Hektar) und Bürgerspitalstiftung (164 Hektar), kümmert sich um Pflege, Umbau, Holzernte, Verkauf, Wege und Neupflanzungen. Die SRZ sprach mit dem Revierförster über die Lage im "Hulzberch".

Käfer blieb im Rahmen

"Nach dem Extremjahr 2015 sind wir beim Borkenkäferbefall mit einem blauen Auge davongekommen - die Region zwischen Regensburg und Alpenrand war deutlich stärker betroffen", resümiert der Förster. Das Wetter hatte auch Einfluss auf die Planung: "Da nicht abzusehen war, wie sich die Situation entwickelt, haben wir uns in der ersten Jahreshälfte mit regulären Durchforstungen zurückgehalten und erst ab Herbst begonnen." Schwerpunkte waren Höfling, Haselgraben und die Fatzen in der Nähe des Waldfriedhofs.

Windwurfschäden gab es letztes Jahr zwar keine, wegen "Altlasten" aber weniger Einschlag, insgesamt gut 600 Festmeter, und das bleibt auch so bis zum Ende des Planungszeitraumes 2023. Der finanzielle Jahresabschluss 2016 wird in beiden Wäldern wieder positiv ausfallen, da ist sich Binner ganz sicher.

Als Arbeitsschwerpunkte für 2017 hat er im Stadtwald folgende Orte und Aufgaben festgelegt:

Fatzen nördlich der Straße Annaberg-Waldfriedhof: Auslichten über der Naturverjüngung, mit erfreulichem Anteil an Elsbeeren-Verjüngung. Alte Elsbeeren sind seltene Bäume.

Großenfalz: Pflegerückstände in mittelalten Fichtenbeständen aufarbeiten.

Annaberg: Verkehrssicherungsmaßnahmen gegen herabfallende Äste und Stammteile, damit Erholungssuchende unbeschwert und sicher die Natur genießen können.

Im Bürgerspitalwald teilt sich der Holzanfall auf zu je einem Drittel in jüngeren, mittelalten und alten Bestand. In letzterem geht es darum, der nachkommenden Verjüngung genügend Licht zum Wachsen zu geben. In jüngeren Beständen dienen Durchforstungen der Stabilisierung.

"Der einzelne Baum soll mehr Licht zum Vergrößern seiner Krone bekommen. Mit einer langen Krone und folglich einem tiefen Schwerpunkt steht der Einzelbaum dann stabiler gegen Windwurf", erklärt der Experte. Mit über zwölf Hektar Fläche investiert die Stadt in die Pflege ganz junger Bestände bis zu drei Metern Höhe. Ziel ist es, klimatolerante Baumarten wie Eiche, Buche, Douglasie zu fördern und zum Beispiel die Fichte auf ungeeigneten Standorten zurückzunehmen. "Einen Posten aus dem letzten Jahr haben wir mit in 2017 übernommen: Wegepflege unter anderem im Haselgraben", ergänzt Binner. Auf Anregung des Stadtrats solle dort für Radler und Spaziergänger ein feinerer Schotter aufgebracht werden.

Saatgutbestand im Höfling

Bei der Bewirtschaftung nutzt der Fachmann natürlich die staatlichen Wald- und Naturschutz-Förderprogramme: etwa bei der Pflege junger Laub- oder Mischbestände oder beim Erhalt von Biotopbäumen und Totholz. Eine große Besonderheit findet sich übrigens im Höfling, dem Wald zwischen Gallmünz und Grottenhof: Bei einer Kronenpflege in einem 160-jährigen Eichensaatgut-Bestand wurden heuer auch einige qualitativ gute Stämme entnommen. Diese sind sehr teuer.

Eiche bringt Geld

Sie kamen zu einer Laubholz-Submission in Franken, wo die Eichen Ende Januar von Laubholzkäufern aus ganz Deutschland beboten werden. Binner: "Wenn die Ergebnisse den Mehraufwand rechtfertigen, werden wir auch 2017 den guten Eichenmarkt nutzen." (Zum Thema)

Dreiste HolzdiebeSorgen bereitet dem Förster der zunehmende Holzdiebstahl: Sowohl stehende Bäume wurden umgesägt und abtransportiert als auch Holz vom Polter an der Holzstraße gestohlen. "Hier geht es nicht um den berühmten Christbaum in Nachbars Wald, sondern um eine handfeste Straftat", macht Volker Binner deutlich. Er steht deshalb auch mit der Polizei in intensivem Kontakt, die die Ermittlungen bereits aufgenommen hat und nach den Holzdieben, die teils mit schwerem gerät anrückten, fahndet.
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