17.05.2018 - 16:20 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Stadtlauf von Schülern zurückgeholt Statt Schulbank jetzt Sponsoren-Meetings

"Echt viel Arbeit" macht die Organisation des Sulzbach-Rosenberger Stadtlaufs. Da sind sich die Herzog-Christian-August-Schüler einig. Zwischen Klausuren und Führerscheinprüfung ein Großereignis zu planen, ist für die Jugendlichen schon eine Herausforderung.

Die Flyer und Plakate für den Stadtlauf sind gedruckt und wollen unter die Leute gebracht werden. Das übernehmen die Elftklässler persönlich. Bilder: anv (2)
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Juni 2017: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten gibt es keinen Stadtlauf in Sulzbach-Rosenberg. Johannes Schleicher, Katharina Faderl und Lilli Englhard finden aber, dass das Sportevent zur Kultur Sulzbachs dazugehört, und organisieren deshalb die Veranstaltung seit Oktober selbst. Das geschieht im Rahmen des P(raxis)-Seminars Kulturmanagement.

"Wir wollen einen jungen, modernen Stadtlauf. Er soll den Altstadtfest-Sonntag beleben", spricht Johannes als Ziel aus. Fachmännische Unterstützung bekommen die Teenager von Johannes' Papa Ernst, der in den vergangenen Jahrzehnten Mitorganisator war. "Ohne ihn würden wir das nicht schaffen", bekennt Katharina. Die drei sind nicht die Einzigen, die sich einer großen Aufgabe stellen: Zu Beginn des Schuljahres formierten sich im Seminar fünf Projektgruppen: Stadtlauf 2018, Open Mic, Fotoausstellung "Stilbruch", Erasmus-Schüleraustausch und Charity-Schwimmen. Alle elf Schüler benutzen als Grundlage die Planungs-Software Project Libre, die ihnen hilft, den Überblick zu behalten.

Lernen fürs Leben

Zu zweit, beziehungsweise beim Stadtlauf zu dritt, stellen die Elftklässler innerhalb eines knappen Schuljahrs ein öffentliches Event auf die Beine. Sie arbeiten mit externen Partnern wie Firmen, sozialen Einrichtungen oder Gemeinden zusammen. Zwischen Lernen für Klausuren oder die Führerscheinprüfung kann das ganz schön stressig werden. Daher unterstützen sich die zehn Mädchen und ein Junge auch gruppenübergreifend bei ihren Aufgaben. Einmal hat es richtig Zoff unter den Schülern gegeben. "Das war Freitagnachmittag. Wir waren alle fertig und haben eineinhalb Stunden nur gestritten. Irgendwie haben wir uns dann doch noch geeinigt", erzählt Johannes lachend. "Da prallen Vorstellungen aufeinander", erklärt Alexander Voss, ihr Kurslehrer. "Sie müssen es dann schaffen, das Ganze auf Augenhöhe zu diskutieren und mit dem 'das war schon immer so' brechen." Das helfe ihnen im Berufsleben.

Teilweise Abfuhren

Der Lehrer für Deutsch und Englisch steht ihnen beratend zur Seite und ist offiziell für die Projekte verantwortlich, da die Schüler noch minderjährig sind. Ansonsten hält er sich weitestgehend zurück. Ihm ist es besonders wichtig, dass die Jugendlichen eigenständig arbeiten. Von der Idee bis hin zur Ausführung liegen die Projekte in der Hand der jungen Erwachsenen.

"Solche praxisorientierten Seminare sind unglaublich wichtig. Sie fördern verschiedene Kompetenzen. Zum Beispiel lernen die Schüler, wie sie eine Korrespondenz führen, wie sie sich trauen, Sponsoren nach Geldern zu fragen und wie sie mit einer Abfuhr umgehen", betont Voss. Diese mussten die Gymnasiasten schon einstecken. Als sie auf Sponsorensuche waren, vergraulte ein Sulzbacher Geschäftsinhaber sie dermaßen, dass die beiden Mädels "wirklich fertig" waren. Den Mitarbeitern war das so unangenehm, dass sie eigenständig einen Geldbetrag für das Stadtlauf-Projekt sponserten.

Das war nicht die einzige Hürde. Das Design für die Flyer zu erstellen, haben sich die Schüler leichter vorgestellt. Auch die Zeitmessungsfirma der vergangenen Jahre konnten sie nicht übernehmen. Ersatz musste her, und das wurde teuer. Die Gesamtausgaben für den Stadtlauf liegen bei etwa 3000 Euro.

Die positiven - aber auch die negativen - Erfahrungen bestärken die Schüler. "Viele haben uns die Organisation nicht zugetraut", sagt Johannes. "Wenn wir jetzt das Ergebnis sehen, macht uns das stolz", ergänzt seine Mitschülerin Antonia Ertl. In der zwölften Klasse geht das Seminar weiter. Dann ist die Berufswahl das Haupt-Thema.

Stadtlauf 2018

Beim neuen Stadtlauf sind die Strecken der Erwachsenen nicht mehr in Männer und Frauen unterteilt. Stattdessen gibt es, neben dem Bambini- und dem Kinder-Lauf , noch den Hagtorlauf (5,4 Kilometer) und den Luitpoldlauf (8,4 Kilometer) . "Warum sollten Frauen nicht weiter laufen können und Männer nicht kürzer?", ist das Argument der Projekt-Schüler für diese Änderung. Der Startschuss fällt am Sonntag, 24. Juni, um 9.30 Uhr am Stadtturm in der Rosenberger Straße. Ziel ist bei der Firma Teka. Es beginnen die Bambini. Die Startgebühren liegen bei fünf Euro (Bambini) bis 13 Euro (Staffeln). Teilnehmer können sich ab sofort schriftlich anmelden, indem sie das Anmeldeformular auf dem Flyer an die Adresse des HCA-Gymnasiums schicken; per E-Mail an stadtlaufsuro[at]web[dot]de oder online unter www.landkreiscup.de . Weitere Informationen sind der Website oder den Flyern zu entnehmen. (anv)

Mir ist sehr wichtig, dass die Schüler eigenständig arbeiten.Alexander Voss, Lehrer

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