Stunde der Wintervögel beim Landrat Richard Reisinger
Wo sind all die Vögel hin?

LBV-Chef Dr. Norbert Schäffer, ein gebürtiger Sulzbach-Rosenberger (links), warb beim Landrat und allen Bürgern um Teilnahme an der Wintervogel-Zählaktion.
 
Die Blaumeise ist ein treuer Gast an der Futtersäule. Sie kommt jetzt bestimmt vermehrt in die Gärten. Bilder: Gebhardt (3)

Ein Wetter, bei dem man keinen Hund hinausjagt. Schneetreiben, heftiger Wind, Kälte - und mittendrin der Landrat. Er sorgt sich um seine Vögel im winterlichen Garten. Wo sind sie hin? Neben der Futterstelle steht ein Experte. Dr. Norbert Schäffer, Chef des Landesbundes für Vogelschutz, rätselt auch noch. Aber die Bürger werden ihm bald helfen.

"Mindestens eine Meise hatte ich eigentlich immer", meint Richard Reisinger verschmitzt und blickt auf die verwaiste Futterstelle. Doch noch lässt sich keine Feder blicken. Dr. Norbert Schäffer vom LBV beobachtet den Naturgarten: "Bei solch einem Sturm trauen sich die Vögel nicht aus ihrem Versteck." Und tatsächlich: Kaum schläft der Wind ein, hüpft schon ein Rotkehlchen an die Futtersäule. Unten picken zwei Amseln, und wenig später kommt dann doch noch die "Landrats-Meise", eine blaue.

Keine Grippe-Gefahr

Reisinger zeigte sich, wie viele andere Bürger auch, besorgt, weil zurzeit wenige oder gar keine gefiederten Gäste am Futterhäuschen auftauchen. "Sind die krank?"

Doch der LBV-Chef konnte ihn und andere Vogelfreunde beruhigen: Als Ursache der vermehrten "Vermissten-Meldungen" werde zwar oft ein Zusammenhang mit der Vogelgrippe vermutet, doch hier gebe der LBV Entwarnung: "Singvogelarten werden nicht von der aktuellen Form der Vogelgrippe befallen", versicherte ihm der promovierte Biologe.

Die Zahlen der gefiederten Gäste an Gartenfutterstellen könnten im Verlauf des Winters stark schwanken. Gebe es dann Phasen, an denen im eigenen Garten nichts los sei, werde schnell ein allgemeines Vogelsterben befürchtet, berichtete der Experte.

Die aktuellen Hinweise sprächen aber dafür, dass derzeit tatsächlich weniger Vögel in Gärten zu sehen seien. "Eine umfassende Erklärung dafür gibt es bisher jedoch nicht", stellte Norbert Schäffer fest. "Wahrscheinlich ist, dass viele Vögel jetzt in den Wäldern aufgrund des guten Baumsamenjahres und bisher anhaltend milder Witterung noch genug Nahrung finden und deshalb Futterstellen in Gärten weniger nutzten."

Jetzt müssten sie kommen

Hier greift die Aktion "Stunde der Wintervögel", die vom 6. bis 8. Januar läuft (siehe Kasten "Bitte melden!"). Von ihr erwartet sich Schäffer Aufschluss über den derzeitigen Besatz in den Gärten. Der Landrat macht natürlich auch mit.

Mithilfe wichtig

Die heimischen Standvögel müssten allerdings jetzt aufgrund der geschlossenen Schneedecke eigentlich vermehrt im Siedlungsbereich nach Futter suchen. "Wir sind gespannt, ob die Vögel nun wieder an die Futterstellen in die Gärten zurückkehren oder auch weiterhin ausbleiben." Die Hinweise zahlreicher Vogelfreunde, dass zuletzt ungewöhnlich wenige Vögel zu beobachten waren, hatten den LBV aufhorchen lassen.

"Deshalb ist es besonders wichtig, dass Naturfreunde trotzdem mithelfen, auch wenn sie nur wenige Vögel sehen", erklärt Schäffer. Möglicherweise kann Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion Aufschluss über die Hintergründe des Ausbleibens geben.

Mit großer Erwartung blicken die Naturschützer deshalb auf die Ergebnisse der kommenden "Stunde der Wintervögel". Die Kohlmeise ergatterte 2016 den Spitzenplatz als häufigster Wintervogel in Bayern, der Feldsperling kam auf Rang zwei. Auf den Plätzen drei bis fünf folgten Haussperling, Amsel und Blaumeise.

"Wir sind gespannt, ob wir erneut einen Einflug von Erlenzeisigen erleben oder ob, wie im Winter 2013, noch mehr Seidenschwänze zu uns kommen", freut sich Norbert Schäffer. Der Landrat wird ihn dann bestimmt sofort informieren.

Bitte melden!Die "Stunde der Wintervögel" vom 6. bis 8. Januar findet in Bayern bereits zum zwölften Mal statt. Zusammen mit seinem bundesweiten Partner NABU ruft der Landesbund für Vogelschutz (LBV) wieder alle Naturfreunde auf, eine Stunde lang die Vögel am Futterhaus zu zählen und ihm zu melden.

Die Wintervogelzählung funktioniert ganz einfach: Von einem ruhigen Plätzchen aus wird von jeder Art die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu beobachten ist. Ein Beispiel: "12.45 Uhr vier Amseln gleichzeitig". Die Beobachtungen können dann unter www.stunde-der-wintervoegel.de bis zum 16. Januar gemeldet werden, die Ergebnisse werden dort ausgewertet. Auch per Post (Einsendeschluss ebenfalls 16. Januar) und Telefon (kostenlose Nummer am 7. und 8. Januar von 10 bis 18 Uhr: 0800-115-7-115) ist Meldung möglich. Für Hobby-Fotografen: Das beste Wintervogel-Foto wird prämiert. (ge)
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