18.01.2018 - 17:38 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Umfangreiche Holzernte-Maßnahmen im Naherholungsgebiet Baum schwebt aus dem Wald

Hannibal heißt das große grüne Monster. Es wiegt satte 40 Tonnen und gehorcht seinem Dompteur auf jeden Hebeldruck. Sein Job ist es, riesige Baumstämme abzusägen und schonend aus dem Wald zu bringen. Zur Zeit ist die Wagensaß sein Revier. Und das noch bis Mitte Februar.

Mächtige Kiefer-und Fichtenstämme zeugen von der Effizienz des Harvesters bei der Holzernte.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Spaziergänger und Jogger haben es längst bemerkt: Ihr Lieblingsgebiet ist zur Zeit nicht zugänglich. Der Forstbetrieb Schnaittenbach hat vom Trimm-Dich-Pfad Richtung Westen umfangreiche Holzernte-Maßnahmen eingeleitet. Deshalb sind Einfahrten und Wanderwege gesperrt - es droht Lebensgefahr durch die Fällung zahlreicher Bäume.

Für unsere Zeitung macht Forstoberrat Klaus Bichlmaier eine Ausnahme: Wir dürfen ihn begleiten auf dem Weg zu Hannibal. Der riesige Harvester wird gelenkt und betreut von Jochen Stöberl. Der ist schon lange Jahre in der maschinellen Holzernte tätig und bei den Bayerischen Staatsforsten angestellt. Oft neun Stunden am Tag ist er im Dienst, und Partner Hannibal enttäuscht ihn nie.

Behutsam herausheben

Der Vollernter ist ein sogenannter Baumhalter. Während herkömmliche Harvester große Bäume mit ihrer einzigen Greifzange nicht aufrecht halten können, sondern sie nach dem Absägen umwerfen müssen, packt Hannibal mit seinen zwei, etwa vier Meter auseinanderliegenden Klammern auch den größten Stamm fest und sicher. Zwei weitere vertikale Abstützungen sorgen für Stabilität. Das hat den Vorteil, dass dieser Harvester den ganzen Baum behutsam aus dem Bestand heben und auf der Arbeitsschneise, der Rückegasse, ablegen kann. So wird die Umgebung geschont, besonders der Baumnachwuchs. Der auf Ketten laufende Hannibal kann seine Spurbreite bis auf 4,4 Meter ausdehnen, steht somit stabil und verteilt sein Gewicht bodenschonend. Die Rückegasse wird mit abgeschnittenen Wipfeln gepolstert, ein zusätzlicher Schutz.

Holzmenge per Daten

Ziel der Aktion ist nämlich (neben der turnusmäßigen Holzgewinnung) der allmähliche Umbau des Waldes in eine gesunde Mischung aus Laub- und Nadelhölzern. Dazu muss Licht auf den Unterwuchs fallen können, deshalb kommen viele große Bäume raus. Als Grundlage nutzt der Harvester die vorhandenen Rückegassen, die vor neun Jahren zuletzt befahren wurden. Sie haben einen Abstand von rund 30 Metern, der Vollernter besitzt eine Auslage von knapp 15 Metern, kann also überall hin gelangen. Der Multifunktionskopf am Greifarm entastet die Stämme und sägt sie auf gleichmäßige Länge. Gleichzeitig speichert er die verarbeitete Holzmenge mit allen Daten.

Ein Forwarder-Fahrzeug folgt Hannibal, es lädt die grob sortierten Stämme auf seinen Anhänger und bringt sie zum Sammelplatz an der Forststraße, wo sie später der Holz-Lkw abholt. Mit rund 10- bis 12 000 Kubikmetern Einschlag in der Oberen und Unteren Wagensaß gehört diese Maßnahme schon zu den größeren Aktionen des Forstbetriebs.

Natürlich hinterlässt solche Aktivität teils gewaltige Spuren im Wald und auf Wegen. Wie der Forstbetrieb versichert, wird aber ein Trupp aus Forst-und Bauhof-Spezialisten hinterher alles wieder ins Lot bringen. Im Wald selbst fällt die Entnahme gar nicht so stark auf, da sie punktuell erfolgt und das Gesamtbild lediglich auflockert. Lichter Wald statt dichter.

Also: Noch vier Wochen wird das Gebiet gesperrt bleiben, dann werden die Wege hergerichtet und es kann wieder spaziert und gelaufen werden. Bis dahin gilt "Vorsicht, Lebensgefahr, Betreten verboten!"

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