12.03.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Umweltschutzbeauftragter Peter Zahn spricht sich für strengere Untersuchungen von Rohwasser aus Künftig Verursacher zur Kasse bitten

Wenn von Pflanzenschutzmitteln im Trinkwasser die Rede ist, reagieren die Bürger in aller Regel sehr besorgt. Welche Gründe es dafür gibt und wie der Belastung entgegengewirkt werden kann, sind dann die brennendsten Fragen. Unsere Zeitung befragte Umweltschutzbeauftragen Peter Zahn, der auch Vorsitzender der Bund Naturschutz-Kreisgruppe ist, zur Gefahrenlage für unser Trinkwasser.

Umweltschutzbeauftragter Peter Zahn will mehr Daten zum Lebensmittel Wasser. Bild: Steinbacher
von Andreas Royer Kontakt Profil

Herr Zahn, wie würden Sie Trinkwasser definieren?

Peter Zahn: Trinkwasser ist Wasser, das keine nachteiligen Einflüsse auf die menschliche Gesundheit hat. Dazu sind in der Trinkwasserverordnung Grenzwerte für bestimmte Stoffe festgesetzt,die nicht überschritten werden dürfen. Dabei sind aber nicht alle möglichen Schadstoffe und ihre vorkommenden Konzentrationen erfasst.

Was wird Ihrer Meinung nach nicht ausreichend berücksichtigt?

Es gibt zum Beispiel keine Untersuchungen und Grenzwerte für Arzneimittelrückstände - Antibiotika aus Tier- oder Humanmedizin, eingesetzte Industrie-Chemikalien, neu verwendete Produktchemikalien alternative Pestizide, Biozide. Auch bei sehr guter Trinkwasserqualität finden sich unterschiedliche Schadstoffe in verschiedenen Konzentrationen im abgegebenen Wasser. Trinkwasser ist hergestelltes Wasser.

In der Wassergewinnungsanlage und im Wasserwerk wird es aus Rohwasser gewonnen.

Ohne Aufbereitung des Wassers geht es scheinbar nicht?

Rohwasser ist unbehandeltes Wasser aus Grundwasser oder Uferfiltrat. Dieses Wasser muss aufbereitet werden. Je nach Bedarf werden Chemikalien eingesetzt, Stoffe herausgefiltert und weitere physikalische Methoden angewendet. Das damit gewonnene Wasser muss die Anforderungen der Trinkwasserverordnung erfüllen. Im Rohwasser dürfen nach der Grundwasserverordnung festgelegte Grenzwerte für bestimmte Stoffe nicht überschritten werden, zum Beispiel Nitrat: 50 mg/l; Pflanzenschutzmittel gesamt: 0,5 µg/l. Unbelastetes Rohwasser ist die Voraussetzung für einwandfreies Trinkwasser.

Wie muss der künftige Umgang mit Rohwasser zum Schutz der Verbraucher aussehen?

Zur Beurteilung der Rohwasserqualität sind folgende Angaben nötig: Ermittelte Stoffe/Stoffgruppen, denn es werden ja nur die aktuell bekannten Schadstoffe untersucht. In welcher Konzentration befinden sich die Inhaltsstoffe im Grundwasser? Wie haben sich ihre Konzentrationen im Laufe der Zeit verändert?

Sollte Rohwasser zu stark belastet sein, muss es "gereinigt" werden. Die Kosten dafür müssen in Zukunft von den Verursachern getragen werden. Wenn der Verursacher einer Belastung bekannt ist, kann nicht länger akzeptiert werden, dass die Bewohner der Stadt Sulzbach-Rosenberg über den Wasserpreis diese Kosten tragen müssen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp