Unterschriftenaktion zum Erhalt des Hochofens der Maxhütte
Freistaat soll Flagge zeigen

Die Montankulisse hat ihre enorme Außenwirkung längst bewiesen. Ein Beleg dafür waren die 24-Stunden-Mountainbike-Rennen, die Tausende von Besuchern anlockten.
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
21.12.2016
153
0
 
Marin Franitza, Sepp Lösch und Christian Weiß (von links) wollen nicht, dass der Hochofen der Abrissbirne zum Opfer fällt. Mit einer Unterschriftenaktion wollen sie die Staatsregierung wachrütteln. Bilder: Royer (2)

Die Absicht ist klar, der Wille vorhanden. Mit einer großangelegten Unterschriftenaktion wird derzeit für den Erhalt des Hochofens und die ihn umgebende Plaza gekämpft. Adressat des Vorhabens ist die Bayerische Staatsregierung. Mit einer besonderen Aktion soll sie wachgerüttelt werden und sich auf ihre Verantwortung besinnen.

Während im Stadtrat über alle Fraktionen hinweg Konsens für den Erhalt des Hochofens herrscht und der Rest weitgehend rückgebaut werden soll, formiert sich flankierend auch aus der Bevölkerung heraus eine Bewegung, die sich für die Bewahrung des Montan-Denkmals einsetzt und so an die Wurzeln unseres Wohlstands mit Leidenschaft erinnert.

Zünglein an der Waage spielt hier die Interessensgemeinschaft "Freunde Rosenbergs". Sie initiierte eine Unterschriftenaktion unter dem Titel "Rettet den Hochofen und die Hochofen-Plaza - Denkmalschutz dort, wo er wichtig und sinnvoll ist!" Sepp Lösch stellte beim Ortstermin zusammen mit Martin Franitza und Christian Weiß das Ansinnen der IG näher vor.

Wie kam es zu dieser breitangelegten und auch im neuen Rosenbladl ausführlich beschriebenen Unterschriftenaktion?

Sepp Lösch: Wir sehen ganz aktuell die Gefahr, dass nach der bevorstehenden Herausnahme aus der Denkmalliste die Demontage der verblieben Maxhütten-Anlagen komplett - also inklusive Hochofen mit Umgriff - drohen könnte. Aber wir von der IG sind der Meinung, dass dieses letzte weithin sichtbare Zeugnis der über 150-jährigen Maxhütte-Werksgeschichte kein Opfer von Abrissbirne und Schneidbrenner werden darf. Deshalb gibt es die Unterschriftenaktion, die zeigen soll, dass die Bevölkerung hinter dem Erhalt steht.

Wo werden die Listen am Ende zur Übergabe landen?

Christian Weiß: Unsere Adressat ist ganz klar die Bayerische Staatsregierung. Sie soll sensibilisiert werden, um Flagge zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen für die industrielle Vergangenheit, die in hohem Maße zum Wohlstand im Freistaat beigetragen hat. Auch der Wandel Bayerns vom reinen Agrarstaat in ein modernes Industrieland wäre ohne Maxhütte nicht zu schaffen gewesen. Wir wollen mit einem Bus nach München fahren und die Übergabe an einen hohen Repräsentanten der Staatsregierung entsprechend öffentlichkeitswirksam gestalten. Deshalb sind viele Unterstützer vonnöten, wie etwa unsere Abgeordneten.

Der komplette Erhalt der Maxhütte als Denkmal dürfte finanziell nicht darstellbar sein. An welche Anlagenteile denken Sie?

Martin Franitza: Ähnlich wie es im Stadtrat formuliert wurde, sehen wir den Erhalt des Hochofens, der Cowper und der Gießhallen als sinnvoll an. Eine denkmalgerechte Pflege und Sicherung dieser Teile, die Plaza als Veranstaltungsareal sowie ein begleitendes museales Konzept würden stimmig ineinandergreifen. Dazu müssen vom Staat und den Fördergeldgebern sicher einige Millionen Euro aufgewendet werden. Aber die Bewahrung dieses einmaligen Kulturguts im vormaligen ,Ruhrgebiet des Mittelalters' muss es der Politik und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege allemal wert sein.

Der reine Erhalt der Montan-Monumente wird gewiss nicht ausreichen. Wie sehen Ihre Überlegungen für die Zukunft aus?

Lösch: Gut, zunächst steht wirklich die Bewahrung der genannten Teile im Vordergrund. Sicherung und Sanierung müssten unter starker Einbindung des Freistaates geschehen. Der nächste Schritt wäre ein vernünftiges Konzept für die Folgenutzung eventuell über eine Betreibergesellschaft, in der das Land Bayern eine führende Rolle übernehmen müsste. Es gibt eben nicht nur die Königsschlösser als kulturhistorisches Erbe, sondern auch die Epoche der Industrialisierung, in der die Maxhütte für Bayern eine tragende Rolle gespielt hat.

Mit einigen Großveranstaltungen erregte das alte Maxhüttengelände sogar internationale Aufmerksamkeit. Wie soll es in dieser Richtung weitergehen?

Weiß: In unseren Überlegungen wird natürlich auch an Konzerte, Sportveranstaltungen und sonstige Events gedacht, die schon in der Vergangenheit als Magnet für Tausende von Besuchern weit in die Region wirkten. Das wäre natürlich die beste Außenwerbung für die Stadt. Wie gesagt, für uns gehören Bewahrung, Museum und Veranstaltungen bei der Hochofen-Plaza ganz eng zusammen.

Was sagt eigentlich die Aicher-Gruppe bzw. die MHVV zu diesen Absichten?

Lösch: Von der Maxhütte Verwertungs- und Verwaltungs-GmbH (MHVV) als Besitzer liegt eine Absichtserklärung vor, den besagten Bereich einer Betreibergesellschaft zur Verfügung zu stellen, welche die Entwicklung der Hochofen-Plaza voranbringen kann. Darüber hinaus bestehe die Bereitschaft, die Stadt oder einen Träger bei der Umsetzung zu unterstützen.

Wir wissen ferner, dass es ausgereifte zu Papier gebrachte Pläne für die Nutzung der Gießhallen gibt - unter anderem mit einem Dokumentationszentrum der MH-Historie, Darstellung der Metallurgie und Produktionsabläufe sowie originale Maschinen und Modelle. (Zum Thema)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.