18.02.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Verein "Pflegende Angehörige" seit Jahren um Verbesserungen bemüht Stelle mit Überblick gesucht

Gibt es wirklich ausreichend Heimplätze? Unser Artikel "Pflegeplatz gesucht" hat großes Echo hervorgerufen. Vor allem zwei Damen haben sich zu Wort gemeldet: Kornelia und Susanne Schmidt vom Verein "Pflegende Angehörige" sind seit Jahren aktiv um Verbesserung bemüht. Sie haben ein klares Ziel: eine zentrale Vermittlungsstelle.

Kornelia (links) und Susanne Schmid führen den Verein Pflegende Angehörige und haben zum System einiges anzumerken. Bild: exb
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

"Ich wünsche allen Menschen Gesundheit und ein würdiges Lebensende, dass sie keinen Unfall haben, dass sie von irgendwelchen Krankheiten verschont bleiben." Kornelia Schmid weiß im Gespräch mit unserer Zeitung aber auch, was noch mindestens genauso wichtig ist: Ein herzliches Verhältnis zu den Kindern "in der Garantie, dass diese bis weit über ihre eigenen Grenzen, auch mit eingeschränkter Gesundheit, in steter Harmonie eines selbstverständlichen Kümmerns und Pflegens diese Arbeit machen können."

Stützpunkte nötig

Pflege sei manchmal viel Arbeit, und die könne und solle man nicht abgeben. Manchmal aber würden Pflegende selbst krank, und dann? Kornelia Schmid wünscht sich schon lange Jahre für ganz Bayern die in Deutschland in Pflegebroschüren und Medien empfohlenen "Pflegestützpunkte", quasi einen "ADAC" für Menschen, die all ihre Kraft für die Pflege geben. "Sie sollten diese Kraft nicht vergeuden durch langes Suchen, durch Nichtfinden und dann dadurch aufgeben." Denn dann sei es mit einer Kurzzeitpflege nicht mehr getan. "Dann ist es meist zu spät, und die Lieben müssen ins Heim, weil es nicht mehr anders geht." Ein Ansatz sei bereits da. "Wir haben in Amberg und im Landkreis zum Glück Fachstellen für pflegende Angehörige. Dies ist auch nicht überall selbstverständlich, und viele kennen diese nicht."

Kräfte sparen

Die neun in Bayern (acht davon in Franken) angesiedelten Pflegestützpunkte und etliche Fachstellen vermitteln auf Anruf sofort Hilfe und kümmern sich, entlasten die Angehörigen, die der größte Pflegedienst Deutschlands seien und dem Staat viel Geld sparten, schildert Schmid. Pflegende Angehörige hätten alle Wertschätzung und Unterstützung verdient, um Kraft zu sparen. "Es ist ein großer Unterschied, ob ich mich an eine Stelle wende, die mich zurückruft, oder an 30 Stellen mit ständigen Absagen!"

Auch Tochter Susanne Schmid aus Sulzbach-Rosenberg ist aktiv in dem Verein und schildert uns ihre jüngsten Erfahrungen: "Ich habe gerade eben einen beschützenden Heimplatz gesucht und mit 28 Heimen, alle mit beschützter Station, telefoniert. Ich habe einen Umkreis von Amberg, Amberg-Sulzbach, Nürnberger Land, Nürnberg, Erlangen-Höchstadt, Roth, Schwabach, Fürth und Fürth-Landkreis gewählt - ich habe nur Absagen erhalten. Wo sind die freien Plätze?" Es sei unglaublich frustrierend, immer nur "Nein, kein Platz" am anderen Ende der Leitung zu hören, es koste unglaublich viel Zeit, Energie, Motivation und Kraft.

Eventuell, räumt Susanne Schmid ein, könne man sagen, es bestünden genügend Heimplätze für den Idealpflegefall. "Doch für Pflegefälle, die einen besonderen Bedarf aufweisen, und sei es ein richterlicher Unterbringungsbeschluss, gibt es definitiv nicht genügend Heimplätze. Das erlebe ich seit Monaten, und das hat mir soeben mein Versuch, einen Platz zu finden, erst wieder gezeigt!"

Es brauche eine Stelle mit einer klaren Übersicht darüber, wo welche Plätze frei sind. Angehörige müssen sich an diese Stelle wenden können. Nur so könne auch wirklich erfasst werden, ob die Nachfrage vielleicht doch größer sei als das Angebot. "Viele Angehörige geben ihre zu Pflegenden einfach in Heime weiter weg, ohne dass die Stadt oder der Landkreis erfahren, dass dies nur nötig war, weil im Ort nicht ausreichend Heimplätze vorhanden sind", weiß Susanne Schmid aus Erfahrung. "Gibt es eine Liste in den Pflegeheimen, wie oft sie angerufen werden und absagen müssen? Haben wir wirklich ausreichend Heimplätze?"

Als Beispiel, so die beiden abschließend, möge ein Satz dienen, der in dem "Seniorenpolitischen Gesamtkonzept Amberg" zu finden ist: "Die Pflegeplatzbörse ist bei 20 Prozent der Befragten kaum oder gar nicht bekannt, von 50 Prozent wird diese als zu wenig aktuell eingestuft." Es bräuchte also Verbesserungen nicht nur im Landkreis.

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Weitere Informationen:

www.pflegende-angehoerige-ev.de

Zwei Petitionen, ein Ziel

Kornelia Schmid hat bereits zwei Petitionen im Bayerischen Landtag eingereicht. Die erste wurde von der CSU abgelehnt mit der Begründung: "Brauchen wir nicht, wir haben genug". Die zweite Petition wurde dahingehend erledigt, als es wegen der Forderung bereits einen positiven Landtags-Beschluss vom 8. März 2016 gab.

Somit sei von der Staatsregierung eine bayernweite Standortanalyse von Beratungs- und Unterstützungsangeboten für pflegende Angehörige vorzulegen. "Diese ist in enger Abstimmung mit den Kommunen durchzuführen. Die Analyse soll aufzeigen, wo Angebote fehlen und noch etabliert werden müssen, um ein flächendeckendes Netz an wohnortnahen Strukturen sicherstellen zu können. Ein entsprechendes Vergabeverfahren ist eingeleitet." Anhand der gewonnenen Erkenntnisse soll anschließend ein aussagekräftiges Konzept vorgelegt werden. Das Petitionsziel, so Schmid, wurde also auf einem anderen Weg erreicht. (ge)

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