Vernissage im Kulturstodl
Zuflucht in der neuen Heimat

Aus den Kriegs-und Krisenländern dieser Welt kommen die jungen Flüchtline, die Thilo Hierstetter portraitiert hat.
 
Der Kurde Serbest Jajan umrahmit mit seiner Bouzouki die Eröffnung der Ausstellung.

"Die Bouzouki sang" im Volkert-Kulturstadl. Nicht von Ferien in Griechenland, sondern von Krieg, Flucht, einem Leben in der Fremde und auch vom Dank an die, die Zuflucht geben in der neuen Heimat Oberpfalz. Der Syrer Serbest Jajan erzählte davon in seinen Liedern.

Sulzbach-Rosenberg. Bouzouki-Musik bildete den Rahmen für die Ausstellung "Neue Heimat Oberpfalz", die im Kulturstadel des Buchladens Volkert eröffnet wurde. Entstanden ist diese als Projekt der Umweltstation Ensdorf, und maßgeblich beteiligt daran ist ein Sulzbach-Rosenberger Fotograf. Neun geflüchtete junge Menschen aus Afghanistan, Syrien, dem Irak und der Ukraine, die sich in der Oberpfalz ein neues Leben aufbauen wollen, haben in Interviews ihre persönliche Geschichte erzählt, und Thilo Hierstetter hat sie professionell, mit Akribie und Empathie portraitiert. Der Kulturverein Kultopf stellt diese Bilder bis zum 13. Oktober im Kulturstadel aus. Der begleitende Dokumentarfilm "Lebens(t)raum" wird am 28. September im Capitol gezeigt.

Von einer "kleinen aber feinen Kunstausstellung, die hoffentlich Mut macht" sprach der Leiter der Volkshochschule Amberg-Sulzbach, Manfred Lehner, bei der Vernissage vor einem nicht allzu großen aber sehr interessierten Publikum. Sie stelle diesen jungen Flüchtlingen Fragen: nach ihrem Alltag in Deutschland, ihren Schwierigkeiten, ihren Wünschen und Träumen für die Zukunft. Seine Hoffnung sei, so Lehner, dass die neu Zugewanderten eine angemessene Form der Teilhabe in Deutschland fänden und die Einheimischen - wie Kofi Annan es ausdrückt - "sich nicht auf einen Kampf der Kulturen zubewegen, sondern in Richtung einer menschlichen Solidarität gegen jene, die Unschuldige ermorden, nur weil sie anders sind".

Bürgermeister Michael Göth zeigte sich zuversichtlich, dass Sulzbach-Rosenberg eine "Neue Heimat Oberpfalz" werden könne für Menschen, die "nicht vom Wecker, sondern von Bomben geweckt worden sind". Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg und später Russlanddeutsche habe die Stadt aufgenommen und integriert, jetzt gelte es, den Flüchtlingen aus den Krisengebieten der Welt eine Zukunft in der Oberpfalz zu geben. Göth dankte allen Verantwortlichen in der Stadt, die sich dieser Menschen seit langer Zeit annehmen und zu ihrer Integration beitragen.

Dafür dankte auch mit Musik und Gesang der Syrer Serbest Jajan. Ungefähr ein Jahr lang hat er in Sulzbach-Rosenberg gelebt, bevor es ihn zu Verwandten nach Herne zog. Ein Herzensanliegen war es für den Musiker und Maler, die Vernissage mit seiner Bouzouki zu umrahmen und wieder einmal in der Stadt zu sein, die für ihn ein Zuhause war. "Meine Seele ist noch hier", beteuerte er und bekräftigte in seinem Liedtext seinen Dank: "Egal, woher du kommst, egal wer du bist, Sulzbach-Rosenberg hilft".

Der Rundgang durch die Ausstellung im Kulturstodl beeindruckte die Gäste der Vernissage. Die großformatigen Porträts der jungen Männer und Frauen von Thilo Hierstetter, die Texte mit ihren Lebensgeschichten und Zukunftsträumen, die handgeschnitzten Rahmen der Bilder aus verschiedenen Obstbaumhölzern und dazu das rustikale Ambiente des alten Gemäuers, all das fügt sich zusammen zum gelungenen Ganzen.
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