Weihnachtsgottesdienste in den Stadtkirchen
Hoffnung in der Nacht

"Fürchtet euch nicht", sagte der Engel im Krippenspiel in der Christuskirche. Nicht nur die Hirten vernahmen die frohe Botschaft, auch ein alter Griesgram, der von seinem Fenster aus die Weihnachtsgeschichte verfolgte, ließ sich von der Erzählerin schließlich überzeugen, dass die Geburt Jesu auch in sein Leben Freude bringen könne. Bild: Corinna Groth M.A.

Zusammenhalten, Frieden finden in den Familien und sich nicht beeinflussen lassen von der Angst vor Anschlägen: Diese Botschaft sandten die Kirchen im Stadtgebiet an Weihnachten an die zahlreichen Gläubigen aus.

Die Gottesdienste in der Christuskirche begannen mit dem Familiengottesdienst an Heiligabend, mitgestaltet von Jugendlichen, die ein Krippenspiel aufführten. Danach sprach Diakonin Sabrina Schmidt über die Weihnachtsgeschichte: Sie erinnerte, dass es auch viele Menschen gebe, die sich vor Weihnachten fürchten, weil sie allein sind, krank seien oder jemanden verloren hätten.

"Wir können zu dem Kind in der Krippe kommen, wir dürfen mitbringen, was unser Herz schwer macht. Je ehrlicher wir zu der Krippe kommen, desto reicher werden wir beschenkt." Weihnachten könne viele Menschen verändern. Auch dem alten einsamen Mann im Krippenspiel wurde durch ein kleines Mädchen klar, was Weihnachten bedeutet.

Sich begegnen in der Stille

In den Christvespern in St. Barbara und im Andreas-Raselius-Haus predigte Pfarrer Wolfgang Bruder. Er stellte die Hirten auf dem Feld in den Mittelpunkt seiner Predigt. Sie warteten geduldig und doch voller Spannung. In der Stille aber nur höre man das göttliche Wort, denn es versuche nicht, andere zu übertönen. Sich der Ruhe auszusetzen aber stelle gerade für den modernen Menschen eine große Herausforderung dar. "Man begegnet da nämlich auch sich selber, Erinnerungen werden wach, Verletzungen schmerzen wieder. Gerade da hinein aber spricht Gott sein Wort: Fürchte dich nicht!"

Die Predigt der Christmette der Christuskirche wurde gerahmt von der Verheißung eines ewigen Königreiches, die David von Nathan dem Propheten empfing und der Zusage der Johannesoffenbarung "Gott wird mit uns sein". In diesem Spannungsfeld erinnerte Stadtpfarrer Dr. Roland Kurz, dass die Menschwerdung Gottes vor 2000 Jahren Gewaltfantasien und Hassparolen eine klare Absage erteilte. Musikalisch wurde der Gottesdienst gerahmt vom Kirchenchor der Christuskirche.

Im Festgottesdienst am 1. Feiertag in der Christuskirche predigte Pfarrer Wolfgang Bruder über die Verheißung des Propheten Micha zu Bethlehem. Die Stadt sei zum Symbol geworden für das Wirken Gottes. Der Gottesdienst wurde festlich umrahmt von Gerd Hennecke an der Orgel und dem Posaunenchor unter der Leitung von Doreen Deyerl.

Nacht der Zweifel

"Stille Nacht, heilige Nacht": Kaum ein anderes Lied gehöre so sehr zur Christnacht wie diese vertraute Weise, erklärte Dekan Walter Hellauer in der Christmette in St. Marien. Die Nacht sei die Zeit, da alles still wird, keine Ablenkung mehr da ist und unsere Sinne sich auf jene Dinge konzentrieren können, die der Alltag uns vorenthalte.

Aber sei nicht gerade die Nacht eine Zeit des Zweifels, der Angst und der Albträume? "Wie viel Dunkelheit ist draußen in dieser Nacht?" Auf den Straßen von Aleppo und unzähligen Straßen dieser Welt, wo Folter oder Tod lauern, weil Krieg ist, weil Terror herrscht; in den Herzen der Angehörigen des Terroranschlags in Berlin, an den Stränden des Mittelmeeres, wo Menschen in ihrer Verzweiflung auf ein Schiff warten, das sie nach Europa bringt.

"Was diese Nacht von allen anderen Nächten unterscheidet, ist, dass sie Zauber und Zweifel, Staunen und Schrecken, Traum und Trauer umfängt und mit Freude, Trost und Hoffnung erfüllt. Denn heute feiern wir, dass Gott ganz klein in unsere Welt kommt!"

Gott als Retter

Die Botschaft von Weihnachten laute: Gott weiß, was es heißt, Mensch zu sein, und wie schwer es manchmal ist, das Leben auszuhalten. Er lasse uns aber nicht allein, sei bei uns mit seiner Stärke, seinem Rat und Frieden. "Diese Gewissheit, dass in gegenwärtigen und künftigen Nächten Gott selber als Retter und Begleiter zugegen ist, wünsche ich allen".

Weihnachten in RosenbergPfarrer Uwe Markert betrachtete am Heiligen Abend in der Johanniskirche in Rosenberg die Bedeutung des Weihnachtsfestes als Fest der Familie und der Liebe. "Viele fahren Weihnachten heim, die keine Familie haben, fahren in Urlaub mit Gleichgesinnten. Das klingt zwar ziemlich weltlich - spiegelt aber den Sinn des Festes." Jesus werde Mensch, also sei die Familie ein Symbol für Jesus, Botschaft und Auftrag: In der Familie sorgsam miteinander umgehen, in der Welt ebenso, sich das Fest nicht von Terroristen vermiesen lassen, die uns unser Feiern nicht gönnen.

Die Tage im Dezember bildeten so etwas wie eine fünfte Jahreszeit: feines Essen, Geschenke unter dem leuchtenden Baum. Genau das sei der Punkt, bei dem man manchmal leisen Spott höre. Weihnachten sei vor allem ein Familienfest. Ob das nicht ein bisschen zu wenig sei? "Ich kann das nicht so sehen. Denn es ist doch eine großartige Sache: dass ein religiöses Fest der Grund ist, warum weltweit viele Millionen Menschen sich die Zeit nehmen, zusammenzufinden."

Eigentlich ist es ganz einfach, weil wir es tief in uns spüren: Weihnachten, der Geburtstag von Jesus, der in dem Gott Mensch geworden ist und die Welt von der Sünde erlöst hat. "Das lassen wir uns nicht verderben, sondern wir versuchen in guter christlicher Sitte friedlich miteinander über die Runden zu kommen. Mal klappt das gut, mal weniger. Aber wir werden immer besser."

"Gleich wird es heller", versprach Pfarrer Saju Thomas in Herz Jesu Rosenberg in der Christmette: "Weil das Licht des Lebens selbst in unserer Mitte geboren ist!" Es sei ein einmaliges Wunder der Menschheit in der Krippe: Gott und Mensch hundertprozentig assimiliert. Wer sich dies zu glauben traut, habe das Wunder des Heils gesehen.

Darum sei der Glaube keine Sache der Schwachen, sondern der Starken. Es gebe 100 Millionen Menschen in Europa, die diesen Mut nicht hätten zu glauben. Wenn der Glaube so einfach wäre, würden diese 100 Millionen auch glauben können. "Der Glaube an Gott macht die Menschen nicht schwach, sondern stark."

Die Tat der Eltern Jesu bestätigt, welch mutige Entscheidungen sie in ihrem Leben getroffen haben. Es war üblich, sich in derjenigen Stadt zur Zählung in die ausliegenden Steuerlisten eintragen zu lassen, aus der das männliche Familienoberhaupt - also Josef - stammte. Das Paar legte fast 150 Kilometer zu Fuß zurück, von Galiläa nach Judäa. Jesus Christus sei der Grund der Freude für alle Menschen: "Dies wünsche ich Ihnen, nämlich die Fülle der Freude und der Gnade aus der unendlichen Gnade Gottes!", schloss Saju. (ge)
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