12.10.2017 - 19:08 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Wie man im Alter am besten wohnt Eigenheim-Gruppe oder Hausgemeinschaft?

Wer älter wird, kann in seiner Wohnung nicht mehr so leben wie in jungen Jahren. Weil der Wohnraum viel zu groß geworden ist, weil das Haus behindertengerecht umgebaut, einbruchsicher modernisiert oder gedämmt werden müsste. Weil der Garten nicht mehr zu bewältigen ist. Zwei Privatinitiativen machen sich derzeit in der Stadt Gedanken, wie man auf diese Herausforderung reagiert.

Welches Wohnmodell ist für das Alter am besten geeignet? Diese Frage beschäftigt vieleSenioren. Archivbild: Alexander Unger
von Markus Müller Kontakt Profil

Zum einen Franz Beyerlein. Der 74-Jährige möchte sein nach dem Auszug der Kinder zu groß gewordenes Haus nicht (teilweise) vermieten und ebenso wenig in eine Miet- oder Eigentumswohnung mit vielen Mitbewohnern umziehen. Als Alternative schwebt ihm "eine kleine Gruppe kleinerer, altersgerechter, aber eigener Einfamilienhäuser auf einem geeigneten Grundstück mit je einem kleineren, aber individuell gestaltbaren Gartenstück" vor. Also "kein herkömmliches Reihenhaus mit nebeneinander liegenden Hauseingängen, sondern eine lockerer gegliederte Gruppe von altersgerechten Eigenheimen einschließlich Garage". Die Heizungsanlage könnte man gemeinschaftlich betreiben. Beyerlein hat sich an die SRZ gewandt, weil es derzeit in Sulzbach-Rosenberg ein geeignetes Grundstück - fast 1500 Quadratmeter - für so ein Projekt gäbe. Das habe ein Investor gekauft, der zwei Häuser draufstellen wolle. "Aber vielleicht ändert er diese Pläne auch, wenn man mit einer anderen Zielsetzung an ihn herantritt." Beyerlein sucht deshalb möglichst bald drei bis vier Mitstreiter, die seiner Idee etwas abgewinnen können. Sie erreichen ihn unter 09661/5 14 71.

Werner Rother ist schon einen Schritt weiter. Er ist Teil einer elfköpfigen Gruppe (im Alter zwischen 55 und 87 Jahren), die ebenfalls altersgerechten Wohnraum anstrebt. Doch mit einem anderen Ansatz: Sie möchte in Sulzbach-Rosenberg eine Hausgemeinschaft gründen, "bei der jeder seine eigene kleine Wohnung hat, in der aber auch gemeinsame Räume zur Verfügung stehen, durch die wir nicht isoliert in einem Haus wohnen, sondern eine solidarische Gemeinschaft bilden. Wir wollen dies, weil wir der möglichen Einsamkeit und Hilfsbedürftigkeit im Alter vorbeugen wollen."

Für so ein Wohnmodell bräuchte man aber ein ziemlich großes Haus, noch dazu barrierefrei. Das gibt es derzeit in der Stadt (in der man bleiben möchte) nicht, sagt Rother. Und selbst eins bauen? "Das übersteigt unsere Möglichkeiten." Zudem sei ein Eigentümermodell problematisch, "denn einige können sich die nötige Beteiligung nicht leisten, und ein Eigentümer kann seine Wohnung beliebig vermieten". Für Rothers Gruppe wäre die Vermietung durch einen Träger, der sozial gebunden ist, ideal. "Etwa durch die Diakonie oder das BRK; es sollte halt kein Investor sein, der nur Geld verdienen will."

Die potenzielle Mietergemeinschaft ist deshalb auf die Idee gekommen, die Stadt um Unterstützung zu bitten. Sie hat Anfang der Woche an den Bürgermeister und die Stadträte geschrieben und um einen Gesprächstermin gebeten, bei dem man darüber reden wolle, welche Möglichkeiten es gebe, gemeinschaftliches Wohnen zu verwirklichen. Rother sagt hier eine große Nachfrage voraus, "wenn es erst einmal konkrete Angebote gibt". Und was hätte die Stadt hier von einem Engagement? Rother: "Sie könnte in der Region Vorreiter für neue notwendige Wohnformen werden."

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.