02.01.2018 - 16:46 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Zwei Senioren restaurieren Oldtimer: Von Rostlaube zum Edelstein

Diesmal ist es kein uralter Cadillac wie 2014, sondern ein kleines BMW-700- LS-Coupé, das sich in ganzer Pracht präsentiert. Die Hobby-Restauratoren Georg Lehner und Eugen Fricke haben in der Herzogstadt wieder ein automobiles Glanzstück auf die Räder gestellt. Leicht war das nicht.

Das sind die drei Oldtimer: Eugen Fricke (links), Georg Lehner und der seltene BMW 700 LS Coupé, den die beiden mühevoll, aber mit sichtbarem Erfolg restauriert haben. Bilder: Gebhardt (2)
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Der Stolz strahlt ihnen aus den Augen, als die beiden Spezialisten unserer Zeitung ihr neuestes Werk präsentierten: Dieser BMW 700, Baujahr 1965, war vor fünf Jahren in einem erbärmlichen Zustand. Das Auto oder besser die Autofragmente waren in einem Hühnerstall entdeckt worden. Da es sich bei diesem BMW 700 um ein seltenes Langheck-Coupé handelte, zögerte Fricke nicht: Er kaufte sofort das Auto und alle vorhandenen Reste.

Welchen Eindruck machte denn das Sammelsurium, als es hier ankam? "Als der Transporter mit dem Kauf in Sulzbach eintraf und wir das Auto genauer untersuchten - der Hühnerdreck war glücklicherweise weitgehend entfernt -, stellte sich uns zunächst schon die Frage: Gleich zum Schrottplatz weiterfahren oder sich doch mit einer Totalrestauration vertraut machen?", berichtet Eugen Fricke, der Auto-Oldtimer liebt. Die Entscheidung fiel dann bei beiden einstimmig: "Wir haben uns leichtsinnigerweise für die Totalrestauration entschieden - ohne auch nur annähernd zu ahnen, was da auf uns zukommen könnte."

Aber der Reihe nach: Bevor mit den Arbeiten begonnen wurde, reiste Eugen Fricke erst einmal für 14 Tage zur Fahrzeugakademie nach Schweinfurt, um den Umgang mit dem Material zu erlernen. "Blech ist nicht gleich Blech" war dort seine erste Erkenntnis. Nach Absolvierung dieses Kurses mit entsprechendem Zertifikat kam Fricke als großer Experte zurück. Es ging dann gleich gemeinsam mit dem versierten Mechaniker Georg Lehner an die Arbeit.

BMW hilft mit

Die Karosse wurde total zerlegt und alle noch brauchbaren Teile mit Glasperlen gestrahlt. Sandstrahlung hätte Löcher im Blech verursacht. Alle anderen Teile wie Achsen, Türen und Hauben erhielten nach der Oberflächenbehandlung eine Grundfarbe und wurden beiseite gelegt. Motor, Getriebe, Achsen, Bremsen, Lenkung etc., das alles fand sich bald total zerlegt und neu aufgebaut. "Teilweise sind die Stücke jetzt besser als neu durch den Einsatz von Edelstahl", erklärt Lehner.

Und dann startete die Materialsuche: Die beiden durchforsteten den gesamten Markt im Internet und fahndeten auch mit Hilfe der BMW- Mobile-Tradition, München, nach Ersatzteilen. Etliche Teile waren nur in den USA zu kriegen und mussten dort für teures Geld bestellt werden. Andere kamen aus Italien, England und Spanien. "Aber wir hatten uns ja zur Totalrestauration entschlossen und waren nicht gewillt, hiervon Abstriche zu machen", stellt Eugen Fricke klar. Nach dem Eintreffen aller Teile ging es an den Neuaufbau.

Der geschah in der eigenen Werkstatt und nahm doch etwas Zeit in Anspruch. "Wir haben fünf Jahre Zeit investiert und eine Menge Bares regelrecht verbraten. Aber wenn wir uns jetzt das Ergebnis ansehen, leuchten unsere Augen!", bilanziert Eugen Fricke, und Georg Lehner hebt den Daumen: Er stimmt ihm zu.

Drei Fragen an den Senior-Restaurator

Herr Fricke, wie lange restaurieren Sie schon Oldtimer und wie viele Projekte sind fertig?

Wir arbeiten seit 2005. Dies ist das zweite Projekt. Das erste war ein Cadillac aus dem Jahre 1929, er steht hier in der Halle. Für die Restauration haben wir uns extra diese kleine Halle gebaut und mit den besten Werkzeugen eingerichtet.

Was hat Sie an dem kleinen BMW so fasziniert?

Mein erstes selbst erworbenes Auto war ein BMW 700. Deswegen hatte ich diese Rostlaube gekauft.

Sind neue Projekte geplant?

Wir beide sind mittlerweile jeweils schon über 80 Jahre. Zwar noch ganz gut in Schuss, aber so eine Restauration zieht sich über die Jahre und wir müssen mal sehen, ob uns noch etwas über den Weg läuft, was uns wieder zu neuen Taten anspornt. (ge)

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