15.02.2018 - 15:58 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Bayerns SPD-Generalsekretär besucht Betriebsrat des Rohrwerks Grötsch grätscht sich für Maxhütte rein

Er lobt den Vorsitzenden des Betriebsrats, er legt sich bei Personalfragen in der Partei eindeutig nicht fest, er gibt der CSU gleich noch ein paar Hiebe mit: Der Generalsekretär der bayerischen SPD, Uli Grötsch, zeigt im Rohrwerk Maxhütte Respekt vor der Arbeit von Belegschaft und Betriebsrat.

Der Generalsekretär der Bayern-SPD, Uli Grötsch aus Weiden (links), machte sich mit Landtagskandidat Uwe Bergmann (rechts) im Rohrwerk Maxhütte ein Bild von den Aufgaben des Betriebsrates. Betriebsrats-Chef Karl-Heinz König führte sie anschließend durch das Unternehmen. Bild: Gebhardt
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Gemeinsam mit dem SPD-Kreisvorsitzenden und Landtagskandidaten Uwe Bergmann informierte sich der SPD-Generalsekretär aus Weiden auf Einladung des Betriebsrats-Vorsitzenden Karl-Heinz König über die anstehenden Betriebsratswahlen und die Leiharbeiter-Problematik im Rohrwerk.

Vorbild für Berlin

König schilderte kurz die Situation vor Ort: Der Betrieb gehöre als das einzige bayerische Röhrenwerk zum Eisen-und Stahl-Tarif in Nordrhein-Westfalen. Dessen Abschlüsse würden bis Ende der Sanierung hier zeitversetzt übernommen. Der sogenannte Sanierungstarifvertrag laufe noch bis Ende 2019. "Dann wollen wir den alten Zustand wieder herstellen, sprich keine unbezahlte Arbeit mehr!" König wies auf die gute und notwendige Ausbildung von Facharbeitern im Betrieb hin und erklärte, der Betriebsrat setze sich im Werk auch für die Schiene der Weiterverarbeitung der hergestellten Produkte ein: "Es gibt bereits eine Versuchsanlage, in der wir Rohre für einen Kunden selber bearbeiten und behandeln." Stolz war König auch auf die Tatsache, dass der Betriebsrat und die IG Metall im hauseigenen Sanierungstarifvertrag eine Befristung der Leiharbeiter auf maximal sechs Monate in 18 Monaten Laufzeit erreicht habe. "Das Modell ist inzwischen sogar vom Gesetzgeber im Bundestag übernommen worden." Die Zahl der Leiharbeiter im Rohrwerk sei von früher einmal 150 auf nur mehr etwa fünf gesunken, sehr viele seien inzwischen unbefristet ins Rohrwerk übernommen worden zu den 445 Mitarbeitern und 215 Auszubildenden.

"In der Max-Aicher-Gruppe mit ihren Firmen und den 4000 Mitarbeitern und in der Stiftung sind wir sehr gut aufgehoben", erklärte der Betriebsrats-Chef. Das wirke sich auch auf das Verhältnis zu den Banken aus. "Alleine würden wir schnell gegen die Konkurrenz verlieren!"

Ein Geben und Nehmen

Grötsch zeigte sich positiv überrascht von der Tatsache, dass 93 Prozent der Belegschaft in der IG Metall organisiert seien und es keine Tendenzen zur Unterwanderung durch rechte Betriebsräte gebe wie etwa bei Mercedes. Er lobte Karl-Heinz König als "Arbeiterführer im besten Sinn". Ziel seiner Partei sei es, den Tarifpartnern möglichst viel Freiheit in den Verhandlungen zu geben, alles selber zu regeln.

"Die SPD braucht die Gewerkschaften und umgekehrt!", schilderte der Bundestagsabgeordnete, das sei ein Geben und Nehmen. "Die SPD ist die Schutzmacht der Arbeitnehmer, nicht etwa die AfD, die sich als solche aufzuspielen versucht." Das unterstrich Uwe Bergmann: "Man sollte sich schon erinnern, wer sich stets für die Arbeitnehmer eingesetzt hat!"

Plädoyer für Nahles

Wenn ein Bundestagsabgeordneter zu Gast ist, kommt man in diesen Tagen am Thema GroKo nicht vorbei. Wie der Mitgliederentscheid zum 4. März ausgehe, darüber könne man seriös derzeit keine Schätzungen abgeben, antwortete Uli Grötsch auf Nachfrage. Widerspruch sei aber durchaus normal.

In der Bayern-SPD herrsche eine Debattenkultur, die beiden Seiten, Gegnern und Befürwortern, Respekt und Anerkennung zolle. 2500 neue, oft schon ältere Mitglieder in drei Wochen sei auch kein Zeichen für Protest, sondern eher für Stärkung der Partei.

Nun müsse zuerst der Koalitionsvertrag genau gelesen werden von allen, es sei sehr viel darin, was den Menschen helfe. Martin Schulz bescheinigte er einen "Wahnsinnsjob" im letzten Jahr, "höchst brutal". Aber sein Verzicht auf den Parteivorsitz sei wichtig für die Glaubwürdigkeit der Partei gewesen. Einem möglichen künftigen Koalitionspartner allerdings stellte Grötsch ein schlechtes Zeugnis aus: "Bei den Angriffen der CSU am Aschermittwoch wird mir speiübel." Was Andreas Scheuer da alles an Angriffen von sich gegeben habe, bewirke das Gegenteil von Vertrauen, auf das sich ja bekanntlich eine Koalition gründen müsse.

Wie sieht Grötsch Andrea Nahles als designierte Kandidatin für den Parteivorsitz? "Sie ist die richtige Frau zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort!" Kaum jemand sei so etabliert, verwurzelt und vernetzt in der Partei und könne sich so hineinfühlen wie sie. (ge)

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