27.03.2018 - 13:36 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Datenklau und Beleidigungen bei Facebook Pfarrer löscht aus Protest seinen Account

Vor gut einer Woche ist bekannt geworden, dass sich die britische Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica Zugang zu Daten von Millionen Facebook-Profilen verschafft hat. Mithilfe dieser Daten sollen US-Wähler im Präsidentschaftswahlkampf zugunsten von Donald Trump gezielt beeinflusst worden sein. Der Aufschrei in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seither ist riesig. Tausende Facebook-User haben inzwischen ihren Account unter dem Motto #deletefacebook gelöscht. Einer von ihnen ist der Pfarrer von St. Johannis, Uwe Markert.

Foto: Oliver Berg/dpa
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Der 56-Jährige sah seine Skepsis gegenüber dem Konzern bestätigt, als das Datenleck an die Öffentlichkeit kam.

Was war der Grund, dass Sie Ihren privaten Account bei Facebook gelöscht haben?

Uwe Markert : Die Datenschutzpolitik von Facebook sah ich schon immer kritisch. Hinzu kommt, dass ich im vergangenen Jahr immer wieder anstößige Postings von anderen Usern gemeldet habe. Darin wurden die Mitglieder der Bundesregierung als "Drecks-Arschlöcher" bezeichnet. Mich erreichte eine standardisierte Antwort von Facebook. Passiert ist im Prinzip nichts. Das Datenleck hat meinen Entschluss, den Account zu löschen, bestärkt.

Sie haben Facebook zur Kommunikation mit Menschen weltweit sehr regelmäßig benutzt. Was fehlt Ihnen nun?

Ein Problem ist zum Beispiel, den Kontakt zu den entlegensten Winkeln der Welt zu halten. Wir unterstützen seit drei Jahren mit einer Spendeninitiative Opfer des Erdbebens in Nepal. Mit unserem Mann vor Ort hatten wir vor allem über den Messenger Kontakt - er war in heller Aufregung, als er erfahren hat, dass ich Facebook verlassen möchte. Wir haben uns nach einer Alternative umsehen müssen.

Welches Vorgehen wünschen Sie sich von der europäischen Politik?

Vor allem wäre es wichtig, dass die bereits bestehenden und sehr strengen Datenschutzrichtlinien angewendet und tatsächlich umgesetzt werden. Nur mit Facebook zu reden, bringt nichts. Das ist viel zu wenig. Ich glaube nicht, dass Facebook von alleine restriktiver mit dem Datenschutz umgeht. Ich werde das mit Spannung verfolgen.

Seit wann sind Sie bei Facebook genau verschwunden?

Das kann ich gar nicht sagen, denn so einfach ist das Deaktivieren nicht: Nach zweimaliger Bestätigung, dass ich den Account wirklich löschen möchte, bekam ich eine standardisierte Nachricht, in der sinngemäß stand: Man bemühe sich, das Konto zu deaktivieren. Bis zum 4. April empfange ich eine Antwort, ob das geklappt hat.

Account löschen

Mit einem Klick auf den Button "Mein Konto löschen" stellt man als Facebook-User zunächst nur einen Antrag auf Löschung. Denn nach Angaben des Konzerns kann es bis zu 90 Tage dauern, bis tatsächlich alle Beiträge, Fotos und Statusmeldungen von sämtlichen Servern gelöscht worden sind. In dieser Zeit ist ein Zugriff auf die Informationen nicht mehr möglich. Was viele nicht wissen: Bei diesem Vorgang werden nicht unbedingt alle Daten bereinigt. "Einige Informationen sind eventuell weiterhin für andere Personen sichtbar, zum Beispiel dein Name in der Freundesliste einer anderen Person und Nachrichten, die du mit deinen Freunden ausgetauscht hast", erklärt Facebook in seinen Erläuterungen. "Beispielsweise kann ein Freund unter Umständen noch immer Nachrichten von dir sehen, auch nachdem du dein Konto gelöscht hast. Solche Informationen bleiben erhalten", heißt es. (spw)

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