10.08.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Expansion der Maxhütte über Bayern hinaus - Unterwellenborn und König-Albert-Werk Schienen locken nach Sachsen

Kein Zweifel: Die Maxhütte war ein urbayerisches Unternehmen. Aber schon früh wagte sie auch den Schritt über die Grenzen des damaligen Königreichs. Dem Werk Unterwellenborn in Thüringen folgte das König-Albert-Werk bei Lichtentanne in Sachsen.

Das Maxhüttenwerk im thüringischen Unterwellenborn im Jahr 1928. Repro: Pirner
von Redaktion OnetzProfil

Überraschung beim zufälligen Blick in den Auto-Atlas: Da steht dicht bei Zwickau das Wort "Maxhütte". Sollte das wirklich noch ein Relikt des früheren sächsischen Ablegers unserer Stahlköche in Sulzbach-Rosenberg sein? Als dann daneben der Ort Lichtentanne entdeckt wird, sind die vorangegangenen Zweifel beseitigt: Wir sind tatsächlich auf der Spur des früheren König-Albert-Werkes, benannt nach dem damaligen König von Sachsen.

Eine Sonderrolle

Einerseits kommt dem sächsischen Werk aus heutiger Sicht zumindest geografisch eine Sonderrolle zu. Andererseits gibt seine Entstehungsgeschichte Einblick in das Zusammenwirken der einzelnen Produktionsstätten des damals sehr expansionsfreudigen Gesamtunternehmens. Das erste Werk jenseits der bayerischen Grenze war Maxhütte Unterwellenborn bei Saalfeld, wo 1873 Hochofen l in Betrieb ging (SRZ berichtete). Unterwellenborn lieferte ursprünglich Bessemer-Roheisen nach Haidhof, das im dortigen Stahlwerk verarbeitet und zu Schienen ausgewalzt wurde.

Dann aber setzte der Siegeszug des neuen Thomas-Stahlherstellungsverfahren ein, und die Maxhütte baute Rosenberg großzügig aus. Nun konnte von hier aus auf kurzem Wege vorgewalzter Thomasstahl nach Haidhof geliefert werden. Für das immer noch mit dem Bessemer-Verfahren arbeitende thüringische Werk Unterwellenborn kam es sogar noch schlimmer: Nicht dort, sondern im voraussichtlichen Hauptabsatzgebiet, dem Königreich Sachsen, errichtete die Maxhütte ein Thomas-Stahlwerk mit angeschlossenem Walzwerk.

Der neue Standort Lichtentanne bei Zwickau war also von der Roheisenstufe getrennt. Das Risiko schien Generaldirektor Ernst Fromm jr. überschaubar. Er setzte auf umfangreiche Schienenlieferungen für das wachsende sächsische Eisenbahnnetz. Der Energiebedarf sollte mit Kohle direkt aus dem Zwickauer Revier und dem nahen Böhmen gedeckt werden. Und das Roheisen lieferte Unterwellenborn, wo die Hochofenanlage inzwischen ebenfalls auf das Thomas-Verfahren umgestellt worden war.

Keine geschulten Arbeiter

1898 ging Lichtentanne mit dem Stahlwerk und den schweren Walzstraßen in Betrieb, allerdings nicht ohne Schwierigkeiten. "Leider war der Erfolg in der ersten Zeit wenig ermutigend", heißt es in der Festschrift von 1928 zum 75-jährigen Bestehen der Maxhütte, "vor allem fehlte der geschulte Arbeiterstand." 1902 kam ein Feinblechwalzwerk hinzu, das 1922 durch einen Neubau ersetzt wurde.

Was sich besonders negativ auswirkte, schildert Hubert Keilwerth als ausgewiesener Kenner der Geschichte der thüringischen und sächsischen Betriebe: "Die Sächsische Staatsbahn fusionierte mit der Preußischen. Das hatte zur Folge, dass der Schienenbedarf nun auch aus anderen Quellen gedeckt werden konnte. Damit war der Standort Lichtentanne nicht mehr sinnvoll, und es wurde beabsichtigt, das Konverter-Stahlwerk und das Walzwerk nach Unterwellenborn zu verlegen. Der erste Weltkrieg und die Nachkriegsjahre standen aber dem Vorhaben entgegen."

Für immer stillgelegt

Ein Zitat aus der MH-Festschrift von 1953 zum 100-jährigen Jubiläum macht deutlich, dass die Entscheidung nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben war. Der Autor spricht von der "Erkenntnis, dass es vorteilhafter war, das Werk zu den Hochöfen nach Unterwellenborn zu verlegen. Im Dezember 1930 wurden die Anlagen, die drei Konverter mit je 16 Tonnen Fassungsvermögen, zwei schwere Schienen- und Formeisenstraßen sowie zwei Feinblechstraßen umfassten, für immer stillgelegt."

Selbst danach lebte die Verbindung zwischen den beiden Werken noch einmal kurzzeitig auf: Die Konverter wurden von Lichtentanne nach Unterwellenborn verlegt, "auch wenn sie leider nicht dem neuesten technischen Stand entsprachen", wie Keilwerth abschließend mit Bedauern feststellt.

Wie sieht es heute aus in dem inzwischen nach Zwickau eingemeindeten Gebiet, über dem einst der braune Rauch aus den Konvertern den Himmel verdunkelte? Von dem früheren Stahl- und Walzwerk ist nach nunmehr über 80 Jahren natürlich nichts mehr zu sehen, stattdessen haben neue Gewerbebetriebe hier Platz gefunden. Die Siedlung mit den einstigen Werkswohnungen aber hat überdauert und steht sogar als Flächendenkmal unter Denkmalschutz. Diese Häuser der alten "Maxhütterer" weisen noch immer auf die einstige Verbindung zur Oberpfalz hin.

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