Fraunhofer-Umsicht entwickelt neue Filtertechnik
Forschen für saubere Luft

Martin Meiller an einem seiner Versuchsöfen. Bilder: upl (2)
Wirtschaft
Sulzbach-Rosenberg
20.12.2016
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Winter ist Feinstaubzeit: Wenn die Kälte in die Täler kriecht und die Schlote rauchen, dann sammeln sich Staubpartikel in der Luft. Am Fraunhofer-Institut in Sulzbach-Rosenberg forschen Experten an Filtern, die das verhindern.

Staub, der für das menschliche Auge sichtbar ist, ist nicht das Problem. Viel gefährlicher sind Partikel, die kleiner als zehn Mikrometer sind (ein Mikrometer entspricht dem Millionstel eines Meters), weil sie eingeatmet werden und sich im Körper festsetzen. Solche Teilchen blasen Abgasrohre und Schornsteine auf der ganzen Welt massiv in die Luft.

In den Laboren des Fraunhofer-Umsicht-Instituts gleich neben dem Rosenberger Schlackenberg arbeiten Ingenieure und Wissenschaftler unter anderem daran, dem Feinstaub Herr zu werden. Zumindest dem, der bei der Verbrennung von Biomasse entsteht. "Wir entwickeln Anlagen, die biogene Reststoffe möglichst effizient verbrennen", erklärt Martin Meiller von der Abteilung Thermische Verfahren. "Das bedeutet: Maximale Energieausbeute und minimaler Schadstoffausstoß."

Biogene Reststoffe fallen in der Güterproduktion rund um den Globus in Hülle und Fülle an. Dazu gehören Sägespäne genauso wie Fette, Treber oder Stallmist. "Irgendwo müssen die Reststoffe ja einmal hin", erklärt Meiller. Ihm und seinen Leuten geht es darum, diese Rückstände möglichst intelligent weiter zu verwerten. Energiegewinnung durch Verbrennen ist die gängigste Lösung. Zur Optimierung dieses Ansatzes gehört aber zwingend, die Emissionen so gering wie möglich zu halten.

Kooperation mit Herding

Kein Wunder, dass im Maschinenraum des Instituts das Firmenlogo "Herding" prangt. Das Fraunhofer-Institut arbeitet eng mit Filterherstellern wie dem aus dem Amberger Industriegebiet Nord zusammen. An den Testgeräten dreht Meiller an den Stellschrauben: Wie wirkt es sich aus, wenn er beim Verbrennen der Reststoffe die Sauerstoff-Zufuhr verringert? Was passiert, wenn er andere Komponenten beimischt? Was, wenn er die Temperatur im Ofen drastisch erhöht?

Elektro-Filter am Markt

Ein besonders ausgeklügeltes System verbirgt sich hinter dem Elektro-Filter. Die Abgase werden dabei durch ein Rohr geblasen, durch dessen Mitte sich ein elektrisch geladener Draht spannt. Die Staubpartikel ionisieren und lagern sich am Rand des Rohres ab. "Damit fangen wir den Staub quasi elektrisch ein", erläutert Meiller. Für solches Know-how interessiert sich eine ganze Reihe von Unternehmen - gerade vor dem Hintergrund, dass die gesetzlichen Vorgaben zur Luftreinhaltung europaweit strenger werden. Genau das ist der Auftrag des Instituts: der Wirtschaft Lösungen anzubieten.

Beim Elektrofilter ist das den Sulzbach-Rosenberger Entwicklern gelungen. Die Firma Schräder aus Kamen (Nordrhein-Westfalen) hat sich auf Abgastechnologie spezialisiert und vermarktet mittlerweile das bei Fraunhofer-Umsicht erprobte System zur Minderung der Feinstaubemissionen.
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