01.09.2017 - 15:04 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Neue Azubis, neue Produktpalette, neue Kunden: "Rohrwerk hat große Potenziale"

Sieben Auszubildende sind es heuer, 14 sollen es im nächsten Jahr werden - das Rohrwerk Maxhütte (RMH) stellt wieder Nachwuchs ein. Ansonsten geht es bei einem der größten Arbeitgeber der Region vor allem um die nahe Zukunft: Mit neuen Produkten und großem Potenzial sieht Geschäftsführer Harry Nimmerjahn den Röhrenproduzenten gut aufgestellt. Etwas Zeit aber braucht der Weg aus der Stahlkrise noch.

Die neuen Ausbildenden des Rohrwerks Maxhütte, an sie schließen sich an die Ausbilder von links mit Helm: Sebastian Wendl (Elektriker), Hans Loos (Betriebsrat), Helmut Schöpf (Mechaniker), Waldemar Freudenberg (IT) und Margit Högner (Industriekaufleute). Bilder: Gebhardt (2)
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Klassische Ausbildungsberufe wie Mechaniker und Elektroniker sowie Maschinen- und Anlagenführer mit verkürzter Ausbildungsdauer sind unter den Angeboten, die das Rohrwerk Maxhütte in den Lehrstellenmarkt stellte. Darüber hinaus fanden sich aber auch andere interessante und zukunftsorientierte Ausbildungsberufe wie Werkstoffprüfer und Fachinformatiker.

Nur sieben Geeignete

Aber: Auszubildende sind umworben. Eigentlich wollte RMH zehn Auszubildende einstellen, doch es fanden sich nur sieben geeignete Bewerber/Bewerberinnen. Während Jugendarbeitslosigkeit in weiten Teilen Europas ein Schreckgespenst ist, herrscht in Deutschland oft ein Überangebot an freien, unbesetzten Ausbildungsstellen.

"Das gilt auch für unsere Region", bilanziert Harry Nimmerjahn, einer von zwei Rohrwerk-Geschäftsführern. "Wir bekommen für unsere hervorragende Ausbildung sehr viel Lob, nicht zuletzt von den Azubis selbst", schildert er den Erfolg.

Auch die durchweg überdurchschnittlich und konstant guten Ergebnisse belegten das. Das Rohrwerk habe eben hoch motivierte und engagierte Ausbilder mit großem Know-how und immer ein offenes Ohr für die Belange der Auszubildenden. Aber auch in und nach der Sanierungsphase wird die betriebliche Ausbildung im RMH großgeschrieben. Sie wird in Zukunft wohl eher noch an Bedeutung gewinnen: Die Altersstruktur und ein Umfeld mit neu entwickelten Produkten und flexiblen Fertigungsverfahren verlangen nach jungen Menschen mit hoher Qualifikation und guten Ideen.

Breites Spektrum

Den Mitarbeitern bietet sich laut Nimmerjahn ein sehr gutes Umfeld mit einem breiten Spektrum an Einblicken, selbst über den Tellerrand hinaus. "Das können wir nur als Teil der Max-Aicher-Stiftung mit ihren über 4000 Beschäftigten und fast 1,5 Milliarden Euro Umsatz bieten!"

Wie findet das Rohrwerk zurück in die Erfolgsspur? Harry Nimmerjahn erklärt es genau: "Klar war von Anfang an, dass das Rohrwerk alleine durch Stellenabbau und Kostenreduzierung nicht wieder erfolgreich sein wird. Auch eine Neuausrichtung auf dem Markt war notwendig. Wir haben ja ein interessantes Produktspektrum mit rentablen Bereichen."

Ziel sei es, diese Bereiche auszubauen. Das gelinge nur im Zusammenspiel mit den Kunden. "Derzeit nicht ganz mit der Geschwindigkeit, die wir uns wünschen. Aber hier gibt der Kunde den Takt vor." Auf der anderen Seite gebe es sehr vielversprechende Ansätze, die Rohre weiterzuentwickeln oder zu verarbeiten. Hier bestünden feste Partnerschaften. Und Nimmerjahn ist sich sehr sicher: "Ob wir nun über Rohre mit Innenverzahnung sprechen oder über Composit-(Zwei-Komponenten)-Rohre: Hier spielt künftig die Musik, hier hat das RMH große Potenziale."

Zum Abschluss ein letzter Blick in die Zukunft: Welche Wünsche für das Rohrwerk? "Es ist gut aufgestellt und bereit, die Herausforderungen anzunehmen. Was wir brauchen und uns wünschen, sind Teamgeist und Zusammenhalt in der Belegschaft, etwas, das das Rohrwerk in den vergangenen sechs Jahrzehnten immer ausgezeichnet hat. Und in der aktuellen Phase der gemeinsame Blick nach vorne."

Neue Lochpresse

Denn im Rohrwerk gibt es derzeit für jeden genug zu tun. Als positives Beispiel nannte Harry Nimmerjahn die nächste große Investition: Die neue Lochpresse - immerhin ein Projekt mit knapp 2,5 Millionen Euro - soll im Winter-Stillstand 2017/18 in Betrieb gehen. Nur der richtige Weg führt zum Ziel. Das Rohrwerk wird ihn finden.

Sanierung und Einschnitte

Stichwort Sanierung: Entsprechende Verhandlungen wurden vor etwas über einem Jahr beendet. Wie geht es dem Werk heute?, wollte die SRZ vom Geschäftsführer wissen. "Das RMH musste sich deutlich veränderten Marktbedingungen anpassen. Das ist ein langer Prozess. Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel", umschreibt Harry Nimmerjahn die aktuelle Position. Betriebsabläufe und Arbeitsmodelle wurden umgestaltet. Danach mussten alle erst wieder Sicherheit, auch Produktionssicherheit, und Stabilität gewinnen. "Das ist gelungen." Diese Dinge gehen natürlich nicht spurlos an den Menschen vorbei, dessen ist sich der Manager bewusst: Angst um den Arbeitsplatz, Umgewöhnen auf neue Einsatzstellen, dazu wesentliche Einschnitte. "Damals ist sehr schnell Unruhe entstanden - durchaus nachvollziehbar. Jetzt, ein Jahr später, herrscht weitgehend Ruhe."

Stichwort Einschnitte: Was waren die Ergebnisse der Verhandlungen? "Die Reduzierung der Kapazität von 90 000 auf 60 000 Jahrestonnen", fasst Nimmerjahn zusammen. Damit war ein Arbeitsplatz-Abbau verbunden, es betraf Leiharbeiter und auch Rohrwerker. "Mit den eigenen Leuten konnten wir ausnahmslos einvernehmliche Vereinbarungen abschließen (etwa vorzeitiger Ruhestand), es musste keine einzige Kündigung ausgesprochen werden." Dann folgte der Abschluss eines Sanierungstarifvertrages, um Kostenentlastung zu erreichen: "Unsere Belegschaft war bereit, neben einem Verzicht auf die Jahressonderzahlung auch längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn zu akzeptieren. Das war und ist ein ganz wesentlicher Beitrag, um das Rohrwerk zu sanieren. Daran besteht kein Zweifel."

Im Gegenzug, so erinnert Nimmerjahn, erhielt das Rohrwerk von seinem Gesellschafter, der Max-Aicher-Stiftung, wesentliche finanzielle Beihilfen. "Und noch immer sind wir auf diese Hilfen angewiesen, zu der sich die Stiftung verpflichtet hat. Damit hatten und haben wir auch künftig den notwendigen Rückhalt."

Was wir brauchen und uns wünschen, sind Teamgeist und Zusammenhalt in der Belegschaft.Harry Nimmerjahn

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